Lufthansa kauft zu – steigen jetzt die Preise ab Zürich?

Die Swiss-Muttergesellschaft wird in Kloten nach der Zerschlagung der Air Berlin noch mächtiger. Was das für Folgen hat.

Stark bei Feriendestinationen: Air Berlin war mit 7,1 Prozent bisher zweitstärkste Fluggesellschaft in Kloten.

Stark bei Feriendestinationen: Air Berlin war mit 7,1 Prozent bisher zweitstärkste Fluggesellschaft in Kloten.

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Was in der Branche schon seit Wochen ein offenes Geheimnis war, ist nun hochoffiziell notariell bestätigt. Gestern mittag unterzeichnete Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Kaufvertrag für grosse Teile der insolventen Air Berlin. Laut einer Mitteilung von Air Berlin ist das Lufthansa 210 Millionen Euro wert, der Kaufpreis kann aber noch angepasst werden, wenn der Kauf vollzogen wird. Für Spohr ist das Ganze ein «grosser Tag in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin», sagte er verschiedenen Medien. Kein Wunder – seine Airline-Gruppe gewinnt durch den Kauf einiges an Marktmacht, auch in Zürich.

Bereits jetzt ist die Lufthansa-Gruppe mit Abstand die mächtigste Anbieterin in Kloten. Allein der Passagieranteil der Tochter Swiss betrug im vergangenen Jahr 53,1 Prozent. Deren Schwester Edelweiss kam 2016 auf 5,2 Prozent, die Billigairline Eurowings auf 2,5. Zusammengenommen machen die drei Lufthansa-Töchter also 60,8 Prozent des gesamten Passagieraufkommens in Zürich aus, und: Lufthansa selbst und die österreichische Tochter Austrian kommen darin noch gar nicht vor, weil im Geschäftsbericht des Flughafens nur die fünf grössten Anbieter ausgewiesen werden.

Air Berlin war zweitstärkste Airline

Air Berlin war mit 7,1 Prozent bisher zweitstärkste Fluggesellschaft in Kloten. Ein Teil der Flüge – namentlich die an klassische Ferienorte in Griechenland, Spanien, Italien und Portugal – wird von der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki durchgeführt. Und die kauft Lufthansa ganz. Damit wird sie in Zürich nochmals deutlich stärker.

Infografik: Lufthansa dominiert am Flughafen Zürich Grafik vergrössern

Was mit Niki nun geschieht, ist allerdings noch nicht klar. Ob die Marke weiterhin bestehen bleibt oder ganz in Lufthansa oder Eurowings aufgeht, wird noch entschieden. Auch muss sich zeigen, welche der Strecken allenfalls an Edelweiss, Swiss oder Eurowings gehen – oder vielleicht sogar ganz eingestellt werden. Immerhin: Auf einigen Ferienstrecken gibt es ab Zürich noch einige Konkurrenten wie Vueling oder Germania, welche dafür sorgen, dass die Preise dort durch den Kauf nicht zu sehr in die Höhe schiessen.

Monopolstrecken möglich

Anders sieht es auf Strecken aus, auf denen die Lufthansa-Gruppe ein Monopol hat. Das zeigt sich etwa auf Flügen nach Frankfurt. Für den weniger als einstündigen Flug in die Bankenmetropole zahlt man, wenn man für den 1. November buchen will, mindestens 248 Franken. Zu den bei Geschäftsleuten beliebten Randzeiten kosten die Flüge mehr als 600 Franken. Ähnlich sieht es bei Flügen von Zürich nach Brüssel aus, wo nur Swiss fliegt. Flüge nach Berlin an denselben Daten kosten derzeit weniger als halb so viel – neben Air Berlin fliegt derzeit – und wohl auch künftig – ab Zürich auch die Billigairline Easyjet in die deutsche Hauptstadt. Es gibt also Wettbewerb.

Ein Beispiel für eine Strecke, auf der Lufthansa ab Zürich künftig ein Monopol haben könnte, ist die nach Düsseldorf. Derzeit wird sie von Eurowings, Swiss und Air Berlin angeflogen. Sollten die Air-Berlin-Slots für die Flüge in die Stadt am Rhein ebenfalls an Lufthansa gehen, wäre ein Brüssel- oder Frankfurt-Szenario auch dort denkbar. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2017, 14:01 Uhr

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