Nach dem PR-Feuerwerk das Erstflug-Geheimnis

Das neue Pilatus-Flaggschiff, der Businessjet PC-24, soll im Mai erstmals abheben – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Warum dieser Gegensatz zum pompösen Rollout?

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Die Pilatuswerke sind im Höhenflug: Gestern gab der Nidwaldner Flugzeughersteller ein Rekordergebnis für das Jahr 2014 bekannt (wir berichteten). Im selben Jahr, am Nationalfeiertag, feierte Pilatus zudem mit viel Pomp, Paukenschlägen und Patriotismus den Rollout seines neusten Flugzeugs, des PC-24. Und wenige Monate zuvor vermeldete Pilatus-Präsident Oscar J. Schwenk stolz am Genfer Salon für Geschäftsflugzeuge, man habe praktisch über Nacht 84 Bestellungen für den neuen Flugzeugtyp erhalten. Der PC-24 sei für die nächsten fünf Jahre ausverkauft.

Im Mai soll der Businessjet, der auch auf unwegsameren Pisten starten und landen kann, in der Zentralschweiz zu seinem Erstflug abheben. So gross das bisherige Brimborium war, so diskret wird der eigentlich spannendste Moment geheim gehalten: «Wir wissen selber noch nicht, wann der PC-24 zum ersten Mal fliegen wird», sagt ein Pilatus-Sprecher auf Anfrage. Und wenn der Termin einmal steht, wird die Öffentlichkeit erst nach dem Flug über ebendiesen informiert. Es seien keine Gäste und Medien geladen, weil man keinen Druck wolle, so der Sprecher.

Rollouts besser terminierbar

Anders war es, als zum Beispiel der Airbus A350 vor bald zwei Jahren erstmals abhob: Eines Wochenanfangs im Juni wurde bekannt, dass der Erstflug bei gutem Wetter gegen Ende Woche stattfinden würde – was er denn auch tat. Am Flughafen Toulouse-Blagnac war an jenem sonnigen Tag eine riesige Schar aus Airbus-Angestellten, Medien, Prominenz und privaten Zuschauern zugegen.

Dass Pilatus das Datum des PC-24-Erstflugs nicht kommuniziere, sei jedoch normal, sagt Hansjörg Bürgi, Chefredaktor der Aviatikzeitschrift «Skynews.ch». Ebenso, dass ein grosses Publikum und die Medien nicht dabei seien. «Im Gegensatz zu Rollouts sind Erstflüge weniger gut terminierbar, weil verschiedene Faktoren, aber auch das Wetter, eine entscheidende Rolle spielen.» Dass zum Beispiel der Airbus A350 vor so einem grossen Publikum erstmals abhob, ist laut Bürgi eher die Ausnahme.

Der Aviatikjournalist geht davon aus, dass der PC-24 schon bereit sei für seinen ersten Flug, «sonst würde Pilatus dies nicht auf Mai terminieren». Ursprünglich war dies zwar für den März vorgesehen, doch Bürgi zufolge sind zwei Monate Verspätung bei Erstflügen «gar nichts» – verglichen mit teils jahrelangen Verzögerungen bei anderen Flugzeugtypen wie dem A380 von Airbus oder dem Dreamliner von Boeing.

Viel Übung am Simulator

«Erfahrungsgemäss gehen Flugpremieren von neuen Flugzeugtypen reibungslos über die Bühne», so Bürgi, «weil sehr vieles im Vorfeld am Simulator durchgespielt wird.» Deshalb erwartet der Branchenkenner dies auch beim PC-24. Während man beim Erstflug erst einmal nur in der Luft sei, komme die eigentliche Herausforderung beim Testflugprogramm. Erst dann würden spezielle Situationen und schwierige Manöver getestet.

In den nächsten rund zwei Jahren wird das Flugzeug während rund 2400 Flugstunden getestet und allenfalls überarbeitet. Ziel von Pilatus ist, dass der PC-24 im Lauf des Jahres 2017 durch die europäischen und amerikanischen Behörden für den Weltmarkt zugelassen und an die Kunden ausgeliefert wird. «Ein sportliches Ziel, aber trotzdem ein realistisches», meint Bürgi. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.04.2015, 13:24 Uhr

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