Neues Log-in bei der Post sorgt für Ärger

Die Post hat als erstes Unternehmen die SwissID eingeführt. Ihre Kunden sind nicht begeistert. Erste haben ihr Konto gelöscht.

Post-Chefin Susanne Ruoff: In der Kritik wegen des neuen Log-in-Systems.

Post-Chefin Susanne Ruoff: In der Kritik wegen des neuen Log-in-Systems. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Es soll eine Revolution sein: Mit dem neuen digitalen Ausweis für die Schweiz soll ein einziges Log-in genügen, um sich auf verschiedenen Plattformen einzuloggen. Als erstes Unternehmen hat die Post nun die SwissID für ihre App eingeführt. Als Nächstes sollen die SBB folgen. Langfristig sollen weitere Unternehmen hinzukommen, darunter Banken, Versicherungen und Behörden.

Hinter der SwissID stehen SBB, Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, die Börsenbetreiberin SIX und die Mobiliar. Weitere Aktionäre sollen folgen. Post-Chefin Susanne Ruoff sprach im November in Bezug auf die SwissID noch von einem «Leuchtturmprojekt». Ihre Kunden sehen die Neuerung nicht ganz so positiv – und beschweren sich auf sozialen Medien.

«Nein danke!»

Rund 200’000 Kunden verfügen laut Post bereits über das neue SwissID-Log-in. Nach und nach kommen mehr dazu. Sie können sich nach der Umstellung auf der Post-App ausschliesslich via SwissID und nicht mehr über das bisherige Verfahren einloggen. Das führt bei vielen zu Unmut.

«Was, wenn ich das explizit nicht will? Kann ich bei der Post nur noch mit SwissID geschäften?», fragt ein Nutzer auf Twitter. Die Post bejaht dies: Jedes Benutzerkonto werde nach und nach dazu aufgefordert, sich mit SwissID zu verknüpfen.

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Ein einziges Log-in für verschiedene Plattformen – eine gute Sache?




«Aber ich will das nicht! Zwingen Sie mir das also auf?», schreibt der Nutzer daraufhin, worauf die Post mitteilt: «Wenn du die Aufforderung per Mail erhältst, kannst du mit dem Erstellen der SwissID noch etwas warten. Nach Ablauf der Frist wirst du sie jedoch erstellen müssen, damit du weiterhin die Dienste der Post nutzen und vor allem von den Vorteilen der SwissID profitieren kannst.»

Ein anderer Nutzer äussert sein Unverständnis darüber, ein einziges Log-in für verschiedene Plattformen nutzen zu müssen: «Da wird uns jahrelang eingetrichtert, für verschiedene Log-ins nicht das gleiche Passwort zu benutzen. Und dann meint die Post, sie müsse ihre Kunden genau dazu nötigen. Nein danke!»

Verständnis für kritisches Hinterfragen

Die Post teilt dieser Zeitung mit, sie habe Verständnis dafür, dass Kundinnen und Kunden technische Neuerungen bei Unternehmen kritisch hinterfragten, «gerade auch im Kontext der rasant fortschreitenden Digitalisierung». Sie weist darauf hin, dass Kunden, die die SwissID nicht nutzen wollten, nicht dazu verpflichtet seien und ihre postalischen Geschäfte weiterhin traditionell abwickeln könnten. Sprich: über die physischen Poststellen.

Gleichzeitig unterstreicht sie die Vorteile der SwissID: Damit wolle man den sicheren Datenaustausch zwischen Onlinedienstanbietern und Anwendern garantieren, ohne die Daten selbst zu kennen oder zu speichern.


Was bringt die elektronische Identität?

Justizministerin Simonetta Sommaruga erklärte im letzten November, warum der Bundesrat in dieser Sache Tempo macht.


Ein Leser dieser Zeitung berichtet, er habe mittlerweile sein Konto bei der Post gelöscht – trotz der Beschwichtigungen der Post, das System sei sicher. «Obwohl Unternehmen immer versichern, dass die Daten auf ihren Servern sicher sind und geschützt werden, gelangten trotzdem Hunderttausende oder Millionen Datensätze regelmässig in fremde Hände», schreibt er. Er mache sich Sorgen um seine Daten und wolle ausserdem nicht, dass eine Drittpartei wisse, bei wem er überall Konten habe.

Bei anderen Kunden sorgte auch die Art und Weise, wie die Post über die Änderung informiert, für Ärger: Eine Nutzerin berichtet etwa, dass sie via Mail und auf Englisch informiert wurde. Auf Twitter fragt sie nach, ob es sich bei der erhaltenen Mail wohl um einen Betrug handle:

Die Post antwortet darunter, sie habe die Meldung ausgelöst – warum sie auf Englisch geschickt wurde, sei nicht klar.

Die Verwirrung der Kunden beginnt bereits bei der Namenswahl des neuen Log-ins. Hiess eine der bisherigen Log-in-Varianten für die Post-Onlinedienste SuisseID, trägt das neue Log-in den Namen SwissID. Viele Kunden sehen hier nicht mehr durch:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2018, 11:44 Uhr

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