Novartis steht ein Kulturwandel bevor

Der neue Novartis-Chef Vasant Narasimhan will weniger Bürokratie und Hierarchie beim Basler Pharmariesen.

Ich sehe das eher als eine Evolution als Revolution», sagte der neue Konzernchef Vasant Narasimhan.

Ich sehe das eher als eine Evolution als Revolution», sagte der neue Konzernchef Vasant Narasimhan. Bild: Keystone

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Nach dem Ende der achtjährigen Ära des Amerikaners Joseph Jimenez will der neue Novartis-Chef Vasant Narasimhan einen Kulturwandel im Basler Pharmakonzern durchsetzen. Es soll weniger Hierarchie und Bürokratie geben.

In der Vergangenheit habe Novartis eine hierarchische Führungskultur gehabt, wo die Befehle von oben gekommen seien, sagte der 41-jährige gebürtige Inder mit US-Pass am Mittwoch vor den Medien in Basel. Narasimhan übernimmt am 1. Februar das Amt des Konzernchefs vom 58-jährigen Jimenez.

Inspirierte Angestellte, die ihre guten Ideen weiter verfolgen dürften, seien die Besten, sagte Narasimhan. Deshalb wolle man bürokratische Hindernisse beseitigen. «Wir wollen, dass die guten Ideen gewinnen und nicht die Hierarchie.»

Dafür brauche es einen Kulturwandel, um eine schlagkräftigere, inspiriertere und unbürokratischere Organisation zu werden. Diesen solle die nächste Welle von Führungskräften verkörpern. Narasimhan will das Unternehmen auch zu einer «datenorientierten, digital gestützten Organisation» machen.

Evolution statt Revolution

Ein radikaler Kurswechsel steht Novartis allerdings nicht bevor: «Ich habe mit Joe seit 2009 zusammengearbeitet. Ich sehe das eher als eine Evolution als Revolution», sagte der neue Konzernchef, der bisher die Medikamentenentwicklung in der Geschäftsleitung verantwortete. Sein Vorgänger Jimenez überliess Narasimhan bereits nach wenigen Worten die grosse Bühne an der Bilanzmedienkonferenz: «Ich lasse Novartis in guten Händen. Vas, viel Glück!»

Nach zwei so genannten Übergangsjahren hat der Basler Pharmakonzern in der letzten Zeit wieder die Kurve zurück auf den Wachstumspfad gekriegt. «2017 war ein gutes Jahr», sagte Jimenez auf seiner letzten Medienkonferenz.

Trotz des abgelaufenen Patentschutzes des Kassenschlagermedikaments Glivec habe Novartis den Umsatz um 1 Prozent auf 49,1 Milliarden Dollar gesteigert. In Lokalwährungen - also ohne Wechselkurseffekte - betrug das Plus 2 Prozent. Die Wachstumstreiber hätten sehr gut performt, sagte Jimenez.

Das Schuppenflechtemittel Cosentyx habe die Umsatzmarke von 2 Milliarden Dollar geknackt. Dies sind rund 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch das Herzmedikament Entresto konnte stark zulegen und überschritt die Umsatzgrenze von 500 Millionen Dollar. Das Medikament sei auf dem Weg zu einem «Blockbuster», sagte Jimenez. So werden im Branchenjargon Kassenschlager genannt die mehr als 1 Milliarden Umsatz bringen.

Deutlich mehr Gewinn

Der Betriebsgewinn kletterte um 4 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar. Dabei halfen neben den Wachstumstreibern auch Produktivitätsfortschritte und geringere Abschreibungen. Der Reingewinn verbesserte sich gar um 15 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Der Gewinnschub sei Minderheitsbeteiligungen zu verdanken, erklärte Finanzchef Harry Kirsch.

Als Bremsklotz erwies sich die indes die Generikasparte Sandoz, die vor allem in den USA unter starkem Preisdruck leidet. Der Umsatz schrumpfte 2017 um 1 Prozent, wobei sich die Talfahrt im Schlussquartal beschleunigte. Man überlege sich, wie es in den USA weitergehen solle, sagte Narasimhan.

Verbesserungen bei Alcon

Dafür schaffte es die Augenheilsparte Alcon zurück auf Kurs. Sie steigerte den Umsatz im Gesamtjahr um 4 Prozent, im vierten Quartal gar um 8 Prozent. Der operative Verlust vergrösserte sich allerdings von 132 Millionen auf 190 Millionen Dollar. Die Verschlechterung sei auf Investitionen in den Wachstumsplan und auf höhere Abschreiber auf Produktentwicklungen zurückzuführen, hiess es. Das Schicksal von Alcon ist nach wie vor ungewiss. Für die Anfang 2017 angekündigte strategische Überprüfung der Division hat sich Novartis mehr Zeit genommen, als ursprünglich geplant. Der Konzern will die Sparte nun bis mindestens 2019 behalten. Danach könnte sie etwa über einen Börsengang abgespalten werden. Vor allem müsse sich in den kommenden Quartalen auch eine Margenverbesserung bemerkbar machen, sagte Jimenez. «Wir haben immer gesagt, dass 2017 bei den Margen den Tiefpunkt erreichen dürfte - dabei bleiben wir.»

Volle Pipeline Novartis hat sich in den letzten Jahren bereits stark umgebaut. Einige Geschäftsbereiche wurden abgestossen, andere verstärkt. Nun werde der Konzern, in eine neue Wachstumsphase einzutreten, sagte Jimenez. Novartis stellt in Lokalwährungen für 2018 Umsatzzuwächse im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich in Aussicht. Im Klartext also ein Plus von bis zu 6 Prozent. Auch für die Zukunft zeigte sich der neue Konzernchef optimistisch: In den nächsten Jahren stehe die Einführung von 12 wichtigen Medikamenten an, die Kassenschlager werden könnten. (amu/sda)

Erstellt: 24.01.2018, 15:43 Uhr

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