Reisedetaillistin Dufry greift für Benetton-Tochter tief in die Tasche

Die Schweizer Dufry stärkt ihre Spitzenposition mit einem milliardenschweren Zukauf. Sie übernimmt die Mehrheit an World Duty Free.

Duty Free Shop im Ankunftsterminal A am Flughafen Zuerich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Duty Free Shop im Ankunftsterminal A am Flughafen Zuerich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch letzte Woche hiess es, Dufry wolle zusammen mit dem Staatsfonds von Katar, QIA, auf Einkaufstour gehen. Jetzt schlägt die Schweizer Reisedetaillistin alleine zu: Sie kauft die Mehrheit an World Duty Free (WDF), wie sie am Wochenende bekannt gab. WDF gehört der italienischen Holding Edizione, die von der Familie Benetton kontrolliert wird. Die Schweizer bezahlen Benetton, bekannt für ihre gleichnamige Modekette, 1,3 Milliarden Euro für den 50,1-Prozent-Anteil an WDF. Die Schweizer wollen gemäss Mitteilung auch ein Angebot für die restlichen WDF-Aktien vorlegen, die Transaktion mache ein Pflichtangebot nötig. WDF, die Nummer zwei im Markt, wird unter Berücksichtigung der Schulden auf knapp 3,6 Milliarden Euro bewertet. Finanzieren will Dufry die Übernahme durch einen Mix aus Fremd- und Eigenkapital. Weitere Informationen zur Übernahme will Dufry heute bekannt geben.

Ungünstiger Zeitpunkt

Nach der Übernahme betreibt Dufry weltweit mehr als 2150 Duty-free-Shops auf Flughäfen, Bahnhöfen, Schiffen und in Häfen. WDF ist vor allem in Grossbritannien stark positioniert und unter anderem an den Flughäfen Heathrow, Gatwick, Stansted, Birmingham und Glasgow vertreten. Die Läden leben davon, dass sie Waren zu günstigeren Preisen anbieten können, weil sie keinen Zoll beziehungsweise Mehrwertsteuer erheben müssen.

Dufrys jüngste Übernahme kommt in Anlegerkreisen eher überraschend. Erst letztes Jahr hat der Basler Konzern die ehemalige Swissair-Tochter Nuance übernommen. Für die damalige Nummer sechs der Welt bezahlte Dufry 1,55 Milliarden Franken. Weil die Integration von Nuance noch andauere, wird der Zeitpunkt für die WDF-Übernahme als ungünstig bezeichnet.

Durch den Zusammenschluss mit WDF entsteht ein Konzern mit einem Marktanteil von 25 Prozent und Jahreserlösen von 9 Milliarden Dollar. Und der Markt wächst: Experten gehen davon aus, dass Passagiere an Flughäfen in Zukunft deutlich mehr Geld ausgeben werden. Durch das Wachstum in Asien dürfte bis 2019 der weltweite Umsatz auf 59 Milliarden Dollar steigen von knapp 37 Milliarden im vergangenen Jahr. Allerdings ist das Duty-free-Geschäft auch kostenintensiv. Die Flughafenbetreiber verlangen immer höhere Konzessionen.

Für die Italiener ist die WDF-Übernahme ein weiterer «Ausverkauf» italienischer Tradition.

Innerhalb weniger Tage geht mit WDF eine zweite Firma in ausländische Hände. Chinesen verleibten sich vor knapp einer Woche den Reifenhersteller Pirelli ein. (Agenturen/TA)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2015, 19:44 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Duty-Free-Riese mit Milliardenübernahme

Dufry, die Nummer Eins im Duty-Free-Geschäft, stärkt ihre Spitzenposition mit dem Zukauf der Nummer Zwei im Markt. Mehr...

Was einst für ein «Butterbrot» verkauft wurde, steigt zur Weltspitze auf

Dank dem Zukauf der Zürcher Nuance Group wird der Duty-free-Betreiber Dufry mit Sitz in Basel mit Abstand zum Weltmarktführer. Ein Blick zurück auf ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Mehr...

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Blogs

Geldblog Risikofreie Anlagen sind kalter Kaffee

Mamablog Mädchen sind hübsch, Jungs schlau

Die Welt in Bildern

Lachen für einen guten Zweck: Diese Frau nimmt, in Malta, an einer Parade für Clowns teil, die sich um kranke Kinder kümmern. (15. Oktober 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi) Mehr...