Schauen GA-Inhaber bald in die Röhre?

Die SBB wollen Fahrten künftig automatisch abrechnen. Das beliebte Generalabo steht auf dem Spiel.

Völlige Freiheit: Mit dem GA können Reisende natürlich auch im ETR 610 durch den alten Gotthard-Eisenbahntunnel fahren.

Völlige Freiheit: Mit dem GA können Reisende natürlich auch im ETR 610 durch den alten Gotthard-Eisenbahntunnel fahren. Bild: Urs Flüeler/Keystone

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In seiner Urform ist es schon 116-jährig. Und dennoch ist es noch immer äusserst beliebt. 460'000 Menschen tragen heute ein Generalabonnement in ihrem Portemonnaie – trotz stolzem Preis von 3655 Franken in der zweiten und 5970 Franken in der ersten Klasse. Sie geniessen die Bequemlichkeit, jederzeit und überall in der Schweiz in einen Zug, einen Bus oder ein Schiff einsteigen zu können, ohne sich Gedanken über die Wahl des richtigen Billetts machen zu müssen.

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Das Ende des GA wäre...





Trotzdem sind die Tage des GA in seiner heutigen Form gezählt. Denn die SBB suchen eine neue Form der Verrechnung der Fahrten. Mobility Pricing und Digitalisierung heissen die Zauberworte. «Egal, ob Sie in der Zukunft mit dem Tram, Bus, Zug oder Schiff fahren – Sie müssen nicht mehr an das passende Ticket denken. Das System erkennt, welches Transportmittel Sie benutzen, rechnet Ihnen die Fahrten automatisch ab und macht Ihnen auch noch den besten Preis», beschreibt Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar die Zukunft in einem Interview mit dem «Blick». Schlüssel dazu wird der Swiss Pass – wohl in digitaler Form.

Kein Fixpreis mehr

In der «Neuen Luzerner Zeitung» doppelt Ribar nach und wird noch deutlicher. Ob das das Ende des GA sei, wird sie gefragt. «Ja und nein», antwortet sie. «Natürlich wird es auch mit einer digitalen Mobilitätslösung weiter eine Art Abonnement geben. Denkbar wäre etwa ein Rabatt, je mehr ein Kunde fährt.» Ein Fixpreis wie heute wird also keine Option mehr sein. «Es ergibt dann tatsächlich keinen Sinn, wenn ein Teil der Kunden die Leistungen vorausbezahlt», so die SBB-Präsidentin weiter.

Im Mai hatte sich bereits ihr Vorgänger Ulrich Gygi ähnlich geäussert – aber noch weniger deutlich. Die Stossrichtung der SBB wird nun zunehmend klar. Bis es so weit ist, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. «Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Wir sind in einer Übergangsphase: Die digitale Welt wird täglich wichtiger, gleichzeitig gibt es eine bestehende Welt mit Menschen, die das Digitale weniger nutzen. Über eine gewisse Zeit wird es ein Miteinander brauchen», sagt Ribar.

Pilotversuch mit BLS und Postauto

Zudem sind die SBB weit davon entfernt, Fahrten von Kunden automatisch verrechnen zu können. Erste Schritte gibt es aber. In den kommenden Wochen soll ein Pilotversuch starten, bei dem ausgewählte Kunden mitmachen. Zusammen mit Postauto und BLS solle eine automatische Reiseerfassung mit nachträglicher Abrechnung getestet werden. Dabei stützen sich die Bundesbahnen auf bestehende Apps der beiden Partner. Sie sollen laufend weiterentwickelt werden.

Bis ein solches System steht, wird es noch Jahre dauern. Vor kurzem gab SBB-Personenverkehrschefin Jeannine Pilloud selbst 2025 als frühesten Einführungszeitpunkt an. Nicht nur technische Probleme müssen bis dahin gelöst werden, sondern auch politische. Denn diverse Tarifverbunde sind bereits mit eigenen Apps auf dem Markt und daher schon weiter. «Dieser Ideenwettbewerb ist gut», so Ribar zur «Neuen Luzerner Zeitung». Am Schluss brauche es aber eine tragfähige Lösung für den gesamten öffentlichen Verkehr in der Schweiz. Und wer die Schweiz kennt, weiss, dass es manchmal lange braucht, bis man sich im Kompromiss gefunden hat. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2016, 16:16 Uhr

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