Schweizer Firmen wollen Millionen für Rastatt-Debakel

Der Rheintalbahn-Unterbruch könnte teuer werden für die Deutsche Bahn: Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen will Schadenersatz. Dazu gehört auch SBB Cargo International.

«Unbeantwortete Hilferufe»: Güterwagen der SBB Cargo an einem Verladeterminal. (Archivbild)

«Unbeantwortete Hilferufe»: Güterwagen der SBB Cargo an einem Verladeterminal. (Archivbild) Bild: Keystone

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Am nächsten Montag soll die Bahnstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden endlich wieder befahrbar sein. Sieben Wochen lang war sie dann gesperrt. Für Bahnunternehmen, Logistiker und zahlreiche andere Firmen kam das einer Katastrophe gleich: Sie mussten Lieferungen zwischen Norden und Süden umleiten oder ganz absagen. Engpässe auf anderen Strecken und hohe Kosten sind die Folgen.

Nun verlangt das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) deswegen Schadenersatz von der Deutschen Bahn. Es gehe um einen Betrag in Millionenhöhe, schreibt die Deutsche Presse-Agentur DPA. In einem Schreiben an den Vorstand der DB Netz AG heisse es: «Bisher blieben alle Hilferufe des Sektors zur Bewältigung der finanziellen Folgen der Havarie unbeantwortet.»

Der Verband fordert einen kurzfristigen Ersatz von einem «Grossteil der durch die Havarie entstandenen Schäden» durch die DB Netz AG. Er schätzt, dass sich die Erlösausfälle und Mehrkosten von Umleitungen für die Bahnunternehmen im Güterverkehr auf mehr als 110 Millionen Franken summieren. Zum NEE gehören rund 40 europäische Eisenbahnunternehmen, darunter auch SBB Cargo International. Sie gehört zu 75 Prozent der SBB Cargo und zu 25 Prozent der schweizerischen Logistikfirma Hupac.

SBB prüfen «alle juristischen Mittel»

Inwiefern die Schweizer Gütertransporteure an der Forderung beteiligt sind, wird allerdings nicht ganz klar. Für SBB Cargo und SBB Cargo International habe die Wiederinbetriebnahme der Rheintalstrecke und des gesamten Güterverkehrs auf der Nord-Süd-Achse oberste Priorität, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage. Wie gross die finanziellen Auswirkungen auf das Gütergeschäft wegen der Sperre seien, werde derzeit abgeklärt. Und weiter: «Es gehört zu einer sorgfältigen Unternehmensführung, alle juristischen Mittel zu prüfen.» In einer Medienmitteilung von heute schreiben die SBB, sie seien für die entstandenen Schäden «grösstenteils versichert».

Die Eisenbahnunternehmen sind nicht die Einzigen, die Druck machen. Vor rund drei Wochen forderten europäische Bahnlogistiker, dass Firmen unterstützt werden, die wegen des «Rastatt-Desasters» finanziell vor dem Aus stünden. Die Hupac etwa, die Waren von der Strasse auf die Schienen verlädt und durch die Alpen transportiert, rechnet laut Sprecherin Irmtraut Tonndorf mit einem Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Dessen Aufarbeitung fange gerade erst an. «Im Moment erhalten wir Forderungen von unseren Kunden, die wir an unsere Vertragspartner weiterreichen.» Dazu gehört auch SBB Cargo.

Auch das Bahnlogistikunternehmen BLS Cargo rechnet mit Einbussen in Millionenhöhe. «Der endgültige Betrag hängt davon ab, ob wir mit unseren Partnerbahnen in Deutschland die DB Netz haftbar machen können, die mit den Bauarbeiten das Problem ja ausgelöst hat», sagte BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl vor kurzem in einem Interview mit baz.ch/Newsnet. Die Klärung dieser Frage werde die Gerichte wohl noch Jahre beschäftigen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2017, 12:25 Uhr

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