Swiss erzürnt die Reisebranche

Eine neue Buchungsgebühr für Flugreisen mit der Swiss strapaziert das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen den Reisebüros und der Airline.

Die Fluglinie sorgt für Aufruhr in der Reisebürokratie: Swiss-Flugzeug bei Wartungsarbeiten am Flughafen Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Fluglinie sorgt für Aufruhr in der Reisebürokratie: Swiss-Flugzeug bei Wartungsarbeiten am Flughafen Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Der Betrag scheint nicht der Rede wert zu sein, doch er hat es in sich. Die Einführung einer neuen Buchungsgebühr von 16 Franken durch die Swiss schickt eine Schockwelle durch die Reisebranche. «Dieses Vorgehen hat einen riesigen Shitstorm ausgelöst», sagt Walter Kunz vom Schweizer Reise-Verband (SRV).

Worum geht es? Gestern informierten der Lufthansa-Konzern und dessen Schweizer Tochtergesellschaft Swiss über eine «klare Kostendifferenzierung bei den Vertriebswegen». Das heisst: Wer seinen Flug über Reisebüros oder Online-Anbieter bucht, die mit einem globalen Reservierungssystem arbeiten, wird ab September eine zusätzliche Gebühr von 16 Franken bezahlen müssen.

Die Buchungssysteme – sie werden auch als Global Distribution Systems (GDS) bezeichnet – tragen Namen wie Amadeus oder Galileo und sind in der Branche weit verbreitet. Über sie können die Reisebüros Preise und Verfügbarkeiten von Hotels, Flügen, Mietautos und weiterer Verkehrsmittel prüfen. «Dieses Vorgehen von Lufthansa und Swiss ist eine klare Diskriminierung der Vertriebskanäle», sagt SRV-Geschäftsführer Kunz, «nach wie vor werden über 60 Prozent der Tickets in Reisebüros gebucht.» Vor allem auch teurere Billette.

Der Konflikt zwischen Reisebüros und Swiss hat sich in der Vergangenheit bereits mehrmals zugespitzt. Die Ironie der Geschichte: Ursprünglich waren die Fluggesellschaften am Aufbau der Reservationssysteme beteiligt. Heute beklagen die Airlines vor allem den Kostenfaktor, den die Buchungssysteme der Drittanbieter darstellen. Das Internet hat neue Voraussetzungen geschaffen. Lufthansa spricht von einem dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr, der für die Systeme anfalle. Die Kosten seien «signifikant gestiegen», sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek. Genaue Beträge will sie nicht beziffern, betont aber, man wende eine «verbrauchergerechte Weitergabe» an. «Die 16 Franken entsprechen den durchschnittlichen Mehrkosten, die bei der Lufthansa-Gruppe und Swiss für eine GDS-Buchung anfallen.»

Gleichzeitig werben Swiss und Lufthansa mit einem eigenen Onlineportal, worüber Reisebüros die Flüge ohne die Zusatzgebühr buchen können. Ebenfalls ohne Gebühr ist die Buchung über die Webseiten der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaften möglich.

Die Reisebüros wurden vom Vorgehen des Luftfahrtkonzerns überrascht. Bei Kuoni spricht man von einer «Kampfansage an alle Distributionskanäle ausserhalb der Lufthansa Group». Man werde nun gemeinsam mit dem SRV das weitere Vorgehen prüfen. In der Branche werden bereits mögliche Vergeltungsmassnahmen diskutiert. Dass etwa bei Strecken, die Swiss nicht exklusiv anbietet, die Konkurrenz-Airline bei der Buchung berücksichtigt werde. Nach Dubai mit Emirates, nach London mit British.

«Nur scheinbare Transparenz»

Zusammen mit der neuen Buchungsgebühr gab Swiss gestern den Einführungstermin für die bereits früher angekündigte neue Staffelung der Preise auf den Europaflügen bekannt. Ab 23. Juni heisst der günstigste Tarif in der Economy «Light» und schliesst neben dem zugewiesenen Sitzplatz und Verpflegung nur ein Handgepäck ein. Wer mit mehr Gepäck fliegt, muss den Tarif «Classic» buchen. «Nur zahlen, was in Anspruch genommen wird», preist Swiss die neue Tarifstruktur an. Auch dafür gibt es Kritik vom Reise-Verband: «Dass der Preis für die Tickets in so viele Einzelteile zerlegt wird, erhöht die Transparenz nur scheinbar. Der Vergleich wird schwieriger», sagt Walter Kunz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2015, 23:40 Uhr

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