Warum Waffenaktien von Attentaten profitieren

Nach der blutigsten Schiesserei in der US-Geschichte stiegen ausgerechnet die Aktien von Waffenherstellern an den Börsen markant an. Das hat makabre Gründe.

Frau in einem US-Waffenladen: Waffenliebhaber fürchten eine strengere Regulierung.

Frau in einem US-Waffenladen: Waffenliebhaber fürchten eine strengere Regulierung. Bild: Lynne Sladky/Keystone

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1516 Schiessereien gab es in den USA seit dem 1. Januar 2013. 1719 Menschen kamen dabei ums Leben. Das zeigt die britische Zeitung «Guardian» in einem eindrücklichen und erschreckenden Überblick. Das Attentat mit den meisten Todesfällen ereignete sich erst am Sonntagabend (Ortszeit) an einem Country-Festival in Las Vegas. Fast 60 Menschen kamen laut aktuellen Angaben dabei ums Leben. Kein Wunder, kochte in der Folge die Diskussion um eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA wieder hoch. «Wir müssen JETZT darüber reden», schrieb etwa Senatorin Elizabeth Warren bei Twitter.

Paradox erscheint hingegen, was sich am Tag nach der Schiesserei an der Börse ereignete – zumindest auf den ersten Blick: Die Aktien von Waffenherstellern erlebten Höhenflüge. Titel von Sturm, Ruger & Co. und American Outdoor Brands – dem Mutterkonzern von Smith & Wesson – gewannen teilweise fast vier Prozent. Bei Twitter ziehen einige Nutzer den Vergleich mit der Flugbranche – dort, so argumentierten sie, fielen die Aktien ja nach Unfällen immer.

Doch dass Waffenaktien nach schlimmen Attentaten steigen, ist makabrerweise nicht ungewöhnlich. Auch nach der Schiesserei in einem Nachtclub in Orlando im Juni 2016 profitierten die Werte der Unternehmen – sie stiegen sogar noch stärker als dieser Tage: um bis zu 11 Prozent. Der Grund für dieses Phänomen: Anleger setzen darauf, dass die Verkäufe der Waffenhersteller nun ansteigen, weil Waffenliebhaber eine strengere Gesetzgebung fürchten. Bevor man ihnen also das Recht nimmt, decken sie sich noch einmal mit Gewehren, Pistolen und anderen Schusswaffen ein.

Dass das passieren kann, zeigte sich noch während der Präsidentschaft von Barack Obama, der sich offen für strengere Kontrollen und grössere Hürden beim Waffenkauf einsetzte – vor allem gegen Ende seiner Amtszeit. Allein im Dezember 2015 wurden in den USA in der Folge 1,6 Millionen Waffen verkauft. Für die Branche war es einer der lukrativsten Monate seit zwei Jahrzehnten. «Ich war für die Waffenhersteller ein hilfreicher Präsident», resümierte der damalige Präsident daraufhin denn auch trocken.

Nach Trumps Wahl weniger Verkäufe

Nach der Wahl von Donald Trump gingen die Verkäufe denn auch wieder zurück – Trump sprach sich während des Wahlkampfs immer wieder für eine lockere Waffengesetzgebung aus, die Waffenlobby macht einen wichtigen Teil seiner Unterstützer aus.

Das könnte auch erklären, warum der Anstieg der Waffenaktien dieses Mal weniger stark ausfiel als bei anderen Attentaten – die Wahrscheinlichkeit, dass sich in Sachen Gun Control wirklich viel ändert, ist nicht besonders hoch. So hiess es denn auch am Montagabend vom Weissen Haus: Jetzt sei nicht der Zeitpunkt, strengere Gesetze für Schusswaffen zu thematisieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2017, 12:14 Uhr

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