Wie die Self-Scanning-Kassen ankommen

Gähnende Leere herrscht manchmal an den personenlosen Kassen von Migros und Coop. Die Zahlen der Detailhändler zeigen ein anderes Bild.

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Migros-Filiale Wetzikon, samstags um 11 Uhr morgens: Es herrscht Gedränge an den Kassen, ein überfüllter Einkaufswagen reiht sich an den anderen. Doch zwischendrin, bei den unbemannten Kassen respektive Self-Check-outs, herrscht gähnende Leere. Das Servicepersonal, das bei Fragen um das Scannen behilflich ist, steht untätig neben den Selbstbedienungskassen. Ist das Self-Scanning-System ein Flop? Sind die Leute zu faul, um die Einkäufe selber einzulesen?

Migros-Sprecherin Martina Bosshard erklärt dies mit «Tageszeiten, zu denen bei den Scannern weniger los ist». Insgesamt komme das System mit dem Namen Subito aber gut an, die Kundenakzeptanz sei viel höher als erwartet. «Das Ziel wurde übertroffen.»

Migros hat Coop überholt

Um an der Kasse nicht oder weniger lang anstehen zu müssen, können Migros- und Coop-Kunden seit einigen Jahren ihre Waren während oder nach dem Einkauf selber scannen (Self-Scanning) und bei Bedarf den Endbetrag an einer unbemannten Kasse bezahlen (Self-Check-out). Bei Migros sind die beiden Möglichkeiten unter dem Namen Subito zusammengefasst. Bei Coop heisst das Self-Scanning-System Passabene, und die unbemannte Kasse wird dort Self-Check-out genannt.

Der Umsatzanteil der mit Subito gescannten Waren beträgt je nach Migros-Filiale 20 bis 40 Prozent, in Spitzenzeiten 50 Prozent, wie Bosshard sagt. Obwohl Coop die Technologie einige Jahre länger nutzt, liegt der Anteil der von Kunden gescannten Produkte bei 10 bis 25 Prozent des Umsatzes in den Läden, die das System anbieten. Coop-Sprecher Urs Meier misst den Zahlen keine grosse Bedeutung zu: «Am wichtigsten ist die Kundenzufriedenheit, und diese ist hoch. Ansonsten hätte sich das System nicht bewährt.» Zudem würden die Nutzerzahlen kontinuierlich steigen.

Bei Grosseinkäufen beliebt

Wer sind denn die Nutzer der Self-Scanning-Technologie? «Coop-Kunden machen vor allem bei Grosseinkäufen von Passabene Gebrauch, damit sie die grossen Mengen an der Kasse nicht weitere zwei Male in die Hand nehmen müssen», so Meier. Bei wenigen Artikeln sei hingegen das Self-Check-out beliebt. Welche Art von Kunden Passabene und Subito nutzen, können die beiden Grossverteiler zwar nicht angeben. Ein gelegentlicher Blick in die Läden zeige jedoch, dass die Nutzerschaft durchmischt sei.

Gemeinsam sei vielen Kunden, dass sie ihre Einkäufe selber einlesen, um Zeit zu sparen, wie Migros-Sprecherin Bosshard sagt. «Davon profitieren auch die Kunden an den herkömmlichen Kassen, wenn die Warteschlangen dort kürzer sind.» Trotzdem betonen sowohl Migros als auch Coop, dass es nicht das Ziel sei, mit dem Self-Scanning Personal einzusparen. «Das System löst die klassischen Kassen nicht ab, sondern ergänzt sie», erklärt Coop-Sprecher Meier. Er und Bosshard betonen, dass Beratung und persönlicher Kontakt weiterhin sehr wichtig seien.

Mit dem iPhone Einkäufe scannen

Coop führte sein Self-Scanning-System Passabene 2005 ein, heute sind 100 Filialen damit ausgerüstet. Seit 2012 ist das Produktscannen auch mit dem iPhone möglich. Vergangenes Jahr kam zudem das Self-Check-out hinzu, die Möglichkeit, selber statt bei der Kassierin zu bezahlen. Bis Ende 2014 soll es laut Coop-Sprecher Urs Meier in rund 60 Läden verfügbar sein. Eine Kombination von beiden Systemen ist in über 30 Coop-Supermärkten möglich.

Die Migros-Filialen werden seit Herbst 2011 mit dem Subito-System ausgestattet, unter dessen Namen sowohl das Self-Scanning als auch das Self-Check-out laufen. Momentan sind schweizweit fast 100 Filialen mit beidem ausgestattet, zudem 33 nur mit Self-Check-out und 16 mit Self-Scanning. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2014, 18:32 Uhr

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