Hintergrund

Zuger Überflieger im Höhenrausch

Thomas Flohr ist Gründer und Besitzer von Vistajet, einem Privatjet-Betreiber. Heute bestellte er 56 neue Flugzeuge. Kostenpunkt: 3,1 Milliarden Dollar. Wer ist der Mann mit den grossen Plänen?

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Es war im Sommer 2008, als Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton an der Flugshow im britischen Farnborough gegen einen Businessjet antrat. Die BBC berichtete darüber, aber auch Business-Portale sahen den Reiz in einem Rennen zwischen einem Auto und einem Flugzeug. Der Flieger im Duell der Ungleichen hatte ein auffälliges Design: Ganz in Silber gehalten mit einem roten Streifen entlang des Rumpfs. Es sind dies die Farben von Vistajet. Auf einen Schlag erreichte das Vista-Design weltweite Beachtung.

Vistajet ist die Firma des Zugers Thomas Flohr. 2004 gegründet, umfasst seine Flotte heute 50 Maschinen, alles Business-Jets von Bombardier. Und den kanadischen Flugzeugbauer – von dem auch die Swiss mit den CSeries schon Maschinen bestellt hat – beglückte Flohr heute mit dem «grössten Auftrag in der Geschichte der Businessjet-Fliegerei», wie die beiden in ihren Communiqués mitteilen.

Geld im IT-Markt gemacht

Konkret bestellt der Luftfahrtunternehmer 56 Stück der Familie Global Jet für 3,1 Milliarden Dollar. Geliefert werden die Maschinen ab 2014. Zudem hält Flohr eine Option auf weitere 86 Maschinen der gleichen Familie, für weitere 4,7 Milliarden Dollar. Die Zahlen bewegen sich in ungewohnten Sphären. Kein Wunder, sagt Steve Ridolfi, der Präsident der Business-Sparte von Bombardier, heute: «Das ist eine historische Bestellung für Bombardier.»

Sein Geld gemacht hat Flohr im IT-Markt in den 80er- und 90er-Jahren. Dann steckte er seine Millionen in die Gründung und den Start von Vistajet. Heute beschäftigt er 350 Mitarbeitende und betreibt Basen von Peking über Dubai und Moskau bis nach London und Lagos. Hauptsitz ist Baar im Kanton Zug.

In Top 300 der reichsten Schweizer aufgestiegen

Obwohl er mit der Businessjet-Fliegerei in einer äusserst volatilen Branche tätig ist, machte Flohr ein Vermögen. Die «Bilanz» führte ihn im Dezember 2011 erstmals in der Liste der reichsten 300 in der Schweiz auf. Geschätztes Vermögen: 600 bis 700 Millionen Dollar. Kein Wunder, die Businessfliegerei ist – so sie denn läuft – kostspielig. Ein Flug von London nach Moskau kostet bei ihm 40'000 Euro, wie der sonst Schweigsame jüngst dem «Wall Street Journal» (Artikel online nicht verfügbar) verriet. Zu seinen Kunden zählt Lohr neben normalen Geschäftsleuten russische Oligarchen, chinesische Unternehmer und arabische Ölscheichs.

Den Erfolg hat Flohr aber nicht gepachtet. Einen heiklen Punkt erreichte er mit Vistajet im Herbst 2008, als in den USA Lehman Brothers zusammenkrachte. Damals sei gleichzeitig das Geschäft mit der Businessfliegerei abgesackt. Den imagemässigen Gau erlebte die Branche, als die Manager der pleitegegangenen Autokonzerne GM und Chrysler per Privatjet zum Bettelgang nach Washington flogen. Für Schlagzeilen sorgte Flohr 2009, als er Ex-Swissair-Chef Philipp Bruggisser auf den Chefsessel berief, ihn bald aber wieder ablöste und zum Berater herunterstufte. Auch mit seinen Plänen hatte sich Flohr schon einmal verrannt. 2010 stand der Ausbau der Flotte auf 100 Maschinen auf dem Programm. Noch sind es 50.

Umstieg auf grössere Maschinen

Zu seiner Geschäftsstrategie zählt, dass Flohr nur noch neue Maschinen kauft, diese nach wenigen Jahren und vor Ablauf der Herstellergarantie aber weiterverkauft. Er könne damit Kosten sparen und vor allem beim Innenausbau sein Konzept umsetzen.

Und die Innenausstattung ist ihm etwas vom Wichtigsten. Seine Kunden sollen immer den gleichen Service erhalten und sich in bekannter Atmosphäre wiederfinden. Damit dies auch umgesetzt wird, hat der heute 52-Jährige inzwischen seine Tochter nachgezogen. Sie zeichnet für den einheitlichen Auftritt verantwortlich und hat den Titel einer Brand Managerin. Mit der Flotte begann er ab 2010 einen Wandel. Statt günstiger und kleiner Flieger kauft er nun grössere Maschinen, mit denen er grössere Strecken ohne Zwischenhalt zum Auftanken fliegen kann. Und die Strategie scheint ihm recht zu geben. Die heutige Bestellung soll ihm dazu dienen, neue Wachstumsmärkte in China und Russland, dem Nahen Osten und Afrika zu erschliessen. Mit Vistajet will Flohr, der im Oberengadin selber einen Privathangar besitzt, weiterhin stark wachsen. Übrigens: Das Rennen zwischen Lewis Hamilton und der Vistajet-Maschine ging unentschieden aus. Hauptsache PR, sagte sich damals wohl Thomas Flohr. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.11.2012, 17:10 Uhr

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