6000 Dollar für einen Inlandflug – Ticketsystem dreht durch

Und plötzlich schossen die Preise für Flüge ab Florida in die Höhe. Reine Preistreiberei wegen Hurrikan Irma?

6785 Dollar für einen US-Inlandflug in der Economy Class: United Airlines machts möglich. Fotos: Twitter, Reuters

6785 Dollar für einen US-Inlandflug in der Economy Class: United Airlines machts möglich. Fotos: Twitter, Reuters

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Als wären die Hurrikans, die derzeit über den Atlantik fegen, nicht genug. Neben den ganz realen Stürmen mussten amerikanische Fluglinien dieser Tage auch noch mit einem ausgewachsenen Shitstorm kämpfen. Bei Facebook und Twitter häuften sich Beschwerden wütender Kunden. Der Vorwurf: Die Fluglinien nutzen die Not der Passagiere aus, um Profit daraus zu schlagen.

Auf Screenshots von Buchungsportalen und Airline-Seiten ist zu sehen, dass die Preise für viele Tickets ab Zielen in Florida bei über 1000 Dollar lagen, teilweise sogar bei mehreren Tausend Dollar. So gab es einen Flug von United Airlines in der Economy Class für mehr als 6000 Dollar – ein Preis, für den man auch in der First Class über den Atlantik fliegen könnte.

Das hat nun dazu geführt, dass zwei Senatoren von der Regierung fordern, den Sachverhalt zu untersuchen. In einem offenen Brief von Richard Blumenthal und Edward Markey an die Transportministerin Elaine Chao machen die beiden Männer auf die Vorwürfe von unrechtmässiger Preistreiberei aufmerksam. Sie solle das prüfen lassen. Natürlich hätten Fluggesellschaften das Recht, Gewinne mit Tickets zu machen. «Aber wenn sie exorbitante Preise von Menschen verlangen, die einfach aus der Gefahrenzone herauswollen, geht es zu weit», so die Senatoren.

In Notfallsituationen ist Preistreiberei von Unternehmen gesetzlich strafbar. In Florida wurde deshalb sogar eine Hotline eingerichtet, bei der sich Konsumenten beschweren können. Ein Grossteil der bisher Tausenden eingegangenen Anrufe thematisiere die Flugticketpreise, heisst es von der zuständigen Behörde in Florida.

«Computerprogramme machen ihren Job»

Doch sind die Fluggesellschaften wirklich schuldig? Experten sehen das nicht so: «Klar, die Preise sind hoch, aber das ist bei Last-Minute-Tarifen noch oft der Fall», sagt etwa George Hobica, Gründer der Seite Airfarewatchdog, zur «New York Times». «Die Computerprogramme machen da einfach ihren Job, wenn die Sitze in den letzten Momenten knapp werden und die Nachfrage steigt.» Das passiere halt, wenn Tausende Menschen gleichzeitig einen Ort verlassen wollen, sagt auch Seth Kaplan, Chef von «Airline Weekly», zum US-Radiosender NPR.

Vom Hurrikan zum Tropensturm: Satellitenbilder zeigen den Verlauf von Irma. Video: Tamedia/Nasa

Die Fluggesellschaften haben das Problem auch erkannt. Alle grossen Anbieter hatten die Anzahl der Flüge aus dem Krisengebiet vor dem Eintreffen von Hurrikan Irma erhöht, was ebenfalls für Entspannung bei den Preisen sorgte. Weil die Nachfrage aber konstant hoch blieb, haben sich fast alle entschieden, eine Obergrenze für Preise festzulegen. So legte Delta die Grenze für Flüge ab Südflorida vor dem Hurrikan bei 399 Dollar pro Strecke fest. Bei American und Jetblue waren es sogar nur 99 Dollar. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2017, 12:48 Uhr

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