Aufstand gegen die Uhrenmesse in Basel

Verärgerte Aussteller kehren der Baselworld den Rücken und veranstalten zeitgleich ihre eigene Uhrenmesse.

«Glanzvolle Zeitmesser und grossartige Schmuckstücke»: Was an der Baselworld (hier die Ausgabe 2017) veranstaltet wird, passt einigen Uhrenherstellern nicht mehr.
Video: SDA-Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Werkzeuge der Bergeon SA gelten unter den Uhrmachern als Rolls-Royce der Instrumente. Jahrzehntelang stellte das Unternehmen aus La Chaux-de-Fonds an der Uhrenmesse in Basel aus, dem weltweit grössten Branchenanlass. An der diesjährigen Baselworld fehlt aber Bergeon wie andere Zulieferer der Uhrenindustrie auch.

Firmenchef Vladimir Zennaro will die steigenden Standmieten und sinkende Sichtbarkeit seines Unternehmens nicht mehr länger hinnehmen. 100’000 Franken für 70 Quadratmeter Ausstellungsfläche hätte die Bergeon SA investieren müssen. Zudem beklagt Zennaro den Richtungswechsel der Baselworld hin zu «glanzvollen Zeitmessern und grossartigen Schmuckstücken».

Seitenhieb an die Baselworld

Der Ärger ist so gross, dass Zennaro zusammen mit anderen Zulieferern aus dem Jurabogen eine neue Uhrenmesse ins Leben gerufen hat: die Technical Watchmaker Show. Als Seitenhieb gegen die Baselworld findet der Anlass zur gleichen Zeit statt wie die wichtigste Leistungsschau, nämlich vom 21. bis 27. März in der Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds NE.

Glanz und Glamour an der Baselworld: Neben Uhren wird auch viel Schmuck gezeigt.

13 mittelständische Unternehmen nehmen teil, die Mehrheit produziert im Kanton Neuenburg. Man habe auch Kontakt mit einer Handvoll Firmen aus der Deutschschweiz aufgenommen, sagt Johnny Veillard. Er ist der Vizechef der Bergeon SA und Co-Organisator der neuen Show. «Mit Ausnahme einer Firma erhielten wir bislang keine Absagen. Mit diesem Unternehmen führen wir noch Gespräche über eine Teilnahme», sagt Veillard.

Man rechnet mit «Hunderten Besuchern»

Die Technical Watchmaker Show erprobt ein neues Messekonzept. Alle Aussteller geben ausschliesslich in La Chaux-de-Fonds an den Firmensitzen Einblicke in ihre Tätigkeit und zeigen neue Produkte. Die auswärtigen Unternehmen erhalten Gastrecht bei den einheimischen. Für die Besucher ist der Eintritt kostenlos, sie müssen sich einzig auf der Website der Show registrieren. Ein Fahrservice macht eine tägliche Tournee durch die verschiedenen Standorte und ist ebenfalls gratis. «Der Anlass richtet sich hauptsächlich an Geschäftskunden. Natürlich werden wir privat Interessierte nicht ablehnen», sagt Bergeon-Vizechef Johnny Veillard.

Wie viele Anmeldungen schon eingegangen sind, wollen die Organisatoren nicht bekannt geben. Nur so viel verrät Veillard: «Allein bei Bergeon verfügen wir über 10’000 Kundenkontakte. Diese nutzen wir, um auf den Anlass aufmerksam zu machen.» Er rechne mit «Hunderten Besuchern». Zum Vergleich: An der diesjährigen Baselworld treten 600 bis 700 Aussteller auf. Erwartet werden 100’000 Besucher.

Bedeutungsverlust der Baselworld

Der Konkurrenzanlass der abtrünnigen Zulieferer setzt die etablierte Baselworld weiter unter Druck. Die internationale Uhrenmesse ist mit einem Bedeutungsverlust konfrontiert und reagiert darauf mit schmerzhaften Einschnitten. Die Organisatoren verkürzen die Dauer der diesjährigen Baselworld von acht auf sechs Tage. Die bisherige Ausstellungsfläche wird um ein Drittel verringert, da sich weniger Aussteller angemeldet haben.

Gleichzeitig erlebte der Uhrensalon in Genf Anfang Jahr einen regen Zulauf von neuen Ausstellern. Und nun drängt auch noch die Technical Watchmaker Show in La Chaux-de-Fonds in den Markt.

Zum neuen Anlass wollte Baselworld-Sprecher Christian Jürgens zwar keine Stellung nehmen. «Wir kommentieren generell keine anderen Veranstaltungskonzepte», sagte er. Hingegen reagierte Jürgens auf den Vorwurf der überhöhten Standmieten für mittelständische Unternehmen. «Bei den Standmieten können wir schlechterdings keine Unterschiede machen – weil das die anderen Aussteller unzulässig benachteiligen würde.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 11:57 Uhr

Paid Post

Das Potenzial von Megatrends nutzen

Thematisches Investieren setzt sich neben regionalem und sektoriellem Anlegen immer mehr durch.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...