Bezirksgericht Horgen verurteilt ehemalige Vorzeigechefin

Nicole Diem ist zu einer Freiheitsstrafe verknurrt worden. Auf die Brillen-Unternehmerin wartet eine unangenehme Zeit.

Nachsehen für die Gläubiger: Nicole Diem hat ihre Optiker-Kette zu einem Schnäppchenpreis verkauft. (TA-Archiv)

Nachsehen für die Gläubiger: Nicole Diem hat ihre Optiker-Kette zu einem Schnäppchenpreis verkauft. (TA-Archiv)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bezirksgericht Horgen verurteilte Nicole Diem am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die einstige Trägerin des Schweizer Innovationspreises wurde wegen Misswirtschaft, unterlassener Buchführung, Gläubigerschädigung und Verkehrsdelikten für schuldig erklärt.

Die Strafe wurde ohne Bewährung verhängt, weil Diem bereits wegen Steuerbetrugs vorbestraft ist. Ins Gefängnis muss die Unternehmerin allerdings nicht zwingend: Freiheitsstrafen bis 12 Monate können in Halbgefangenschaft verbüsst werden. Zur Freiheitsstrafe kommt eine Geldstrafe von 120 Tagessätze zu je 250 Franken.

Tricks bei der Buchführung

Das Bezirksgericht Horgen sah es als erwiesen an, dass die einstige Vorzeige-Unternehmerin den Konkurs ihrer früheren Firma verschleppt und die Gläubiger geschädigt hat. Mit Buchhaltungstricks hatte sie die wahre Situation ihrer Firma über Jahre verschleiert. Revisionsberichte wurden keine erstellt.

Schliesslich verkaufte sie die Optiker-Kette zum Schnäppchenpreis von 60'000 Franken an eine Auffangfirma, die sie selber gegründet hatte. Die Gläubiger hatten das Nachsehen. Heute betreibt diese Auffangfirma noch drei Filialen am Zürichsee.

Schuld abgestritten

Die 63-jährige bestritt während des Prozesses Anfang Mai alle Anklagepunkte und schob die Schuld auf ihre Berater.

Diem eröffnete ihre erste Filiale im Jahr 1973 mit nur 20 Jahren, obwohl sie keine Optikerlehre abgeschlossen hatte. Weitere Filialen folgten, darunter eine an der Zürcher Bahnhofstrasse und eine in Basel. In den 1980er-Jahren kaufte sie als erste Europäerin direkt Brillengläser bei einem japanischen Hersteller ein.

2006 wurde sie mit dem Schweizer Innovationspreis ausgezeichnet. Damit sollte sie anderen Frauen Mut machen, ebenfalls unternehmerisch tätig zu werden. Was die Jury damals nicht wusste: Zu diesem Zeitpunkt war Diems Unternehmen längst in Schieflage. (fal/sda)

Erstellt: 16.05.2017, 18:56 Uhr

Artikel zum Thema

Fall Behring sorgt für Rekordschaden

Nie zuvor waren die Summen grösser: Der Schaden durch die Wirtschaftskriminalität war 2016 in der Schweiz insgesamt fünfmal höher als 2015. Mehr...

Mehr Kriminelle, weniger Schaden

Schweizer Gerichte behandelten im letzten Jahr 91 Fälle grosser Wirtschaftskriminalität. Es waren mehr einfache Angestellte am Werk als im Vorjahr. Mehr...

Freundlich, männlich, erfolgreich – und kriminell

Forensiker haben 750 Fälle von Wirtschaftskriminalität untersucht und ein Profil des Durchschnittstäters erstellt. Mehr...

Paid Post

DSLR-Kamera gewinnen

Halten Sie besondere Momente mit einer Spiegelreflexkamera von Canon für immer fest.

Blogs

Sweet Home Die zehn besten Gemütlichmacher

Mamablog Wenn sich gute Freunde trennen

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...