Clariant hat Ärger mit der Börsenaufsicht

Die geplatzte Fusion mit dem US-Konzern Huntsman hat für Clariant ein Nachspiel. Der Konzern hatte dem Schweizer Fernsehen Vorabinformationen zugespielt.

Bild: Roland Schmid

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Die Börsenaufsicht Six Exchange Regulation hat im Zusammenhang mit der Fusionsankündigung mit Huntsman eine Untersuchung gegen den Baselbieter Chemiekonzern Clariant eröffnet.

Es geht um eine mögliche Verletzung der Vorschriften zur Ad hoc-Publizität, wie die Six am Donnerstag mitteilte. Im Fokus steht die Medienmitteilung von Clariant zur Bekanntgabe über die Fusionsvereinbarung vom 22. Mai des letzten Jahres. An der Börse kotierte Unternehmen müssen gewisse Vorschriften einhalten, wie sie die Anleger über wichtige Unternehmensnachrichten informieren, die relevant für den Aktienkurs sind. Die Six will mit ihrem Vorschriften insbesondere die Transparenz und Gleichbehandlung der Marktteilnehmer gewährleisten.

Kritik wegen «Eco»-Sendung

Bereits nach der Fusionsankündigung hatte es diesbezüglich Kritik an Clariant gegeben. Stein des Anstosses: Clariant hatte Journalisten des Wirtschaftsmagazins «Eco» des Schweizer Fernsehens SRF vorab eingeweiht. «Heikle SRF-Story zur Megafusion» titelte der baz.ch/Newsnet dazu.

«Eco» hatte an dem Wochenende vor der Bekanntgabe einen Beitrag über die Fusion gedreht. Dieser ging am Montagabend auf Sendung, nachdem Clariant am Morgen die Öffentlichkeit mittels einer Medienmitteilung über den geplanten 20 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss informiert hatte.

Ob die Untersuchung der Six mit der Sendung in Zusammenhang steht, ist nicht bekannt. Über das laufende Untersuchungsverfahren würden keine Auskünfte erteilt, heisst es von Seiten der Börsenaufsicht.

Clariant verweist in ihrer Stellungnahme auf die Sendung. Aufgrund der Komplexität der Transaktion sei entschieden worden, auch das Schweizer Radio und Fernsehen einzubeziehen, um die breite Öffentlichkeit mit Hintergrundinformationen zum Deal zu versorgen. Das SRF sei auf einen frühen Einbezug angewiesen gewesen, um seine Rolle wahrnehmen zu können.

Es seien allerdings rechtlich bindende Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben worden, hält Clariant fest. Darin wurde das SRF verpflichtet, erst nach der Fusionsankündigung zu berichten.

«Aus der Sicht von Clariant wurden die Ad Hoc-Publizitätsvorschriften beim Kontakt zwischen Clariant und SRF vollumfänglich respektiert», heisst es weiter. Clariant kooperiere mit der Six in der Untersuchung. Wie lange diese dauert, ist noch unklar. Die Börsenaufsicht will aber über den Ausgang des Verfahrens informieren.

Fusion geplatzt

Die Fusion mit Huntsman hätte für Clariant eigentlich ein Befreiungsschlag werden sollen. «Dies ist der perfekte Deal zur richtigen Zeit», frohlockte Clariant-Chef Hariolf Kottmann bei der Bekanntgabe. Der Konzern stand unter dem Druck von Investoren, einen Partner zu finden, um Kosten zu senken und das Wachstum anzukurbeln. In der Chemiebranche hat das Fusionskarussel zuletzt kräftig Fahrt aufgenommen.

Inzwischen ist der Deal aber gescheitert. Grund war der Widerstand von Aktionärsseite: Die Investorengruppe White Tale kritisierte das Vorhaben. Der Zusammenschluss sei strategisch falsch und Clariant werde zu tief bewertet. Die Gruppe stockte ihre Beteiligung an Clariant auf zuletzt gemeldete 20 Prozent auf und holte andere Aktionäre ins Boot.

Mitte Oktober zog Clariant schliesslich die Reissleine. Zu gross war das Risiko geworden, dass es an der ausserordentlichen Generalversammlung schliesslich nicht für eine Mehrheit gereicht hätte: Denn für die Fusion müssen mindestens zwei Drittel der Aktionäre zustimmen.

Durch den Abbruch vermieden die Basler sowohl die Abbruchzahlung von 210 Millionen Dollar als auch die Strafzahlung von 60 Millionen Dollar bei Nichtzustimmung durch die ausserordentliche Generalversammlung, wie es im Fusionsvertrag ursprünglich vereinbart worden war. (amu/sda)

Erstellt: 11.01.2018, 13:34 Uhr

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