Der Albtraum der AC Milan nimmt kein Ende

Die Zukunft des italienischen Traditionsclubs ist in der Schwebe, nachdem sein chinesischer Besitzer in Zahlungsverzug geraten ist. Das Sagen hat jetzt der US-Hedgefonds Elliott Management.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen der AC Milan: Li Yonghong  stellt sich im April 2017 als neuer Besitzer des Fussballclubs vor.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen der AC Milan: Li Yonghong stellt sich im April 2017 als neuer Besitzer des Fussballclubs vor. Bild: Studio Buzzi/AC Milan

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wohin steuert die AC Milan? Die grossen Zeiten des italienischen Serie-A-Vereins liegen schon rund 30 Jahre zurück, als er die Nummer eins im europäischen Clubfussball war. In der vergangenen Saison hat die AC Milan nun gar die Qualifikation für die finanziell lukrative Champions League verpasst. Doch ausserhalb des Spielfelds scheint der Niedergang des Mailänder Traditionsvereins noch schneller vonstattenzugehen. Die stolze AC ist zum Spielball von Investoren geschrumpft – und derzeit kann niemand sagen, wer künftig über dessen Geschicke bestimmen wird.

Der jetzige Besitzer der AC Milan, der chinesische Geschäftsmann Li Yonghong, wird dazu wohl nicht mehr in der Lage sein. Er hätte bis spätestens am 6. Juli eine letzte Ratenzahlung in Höhe von 32 Millionen Euro an den amerikanischen Hedgefonds Elliott Management leisten müssen. Der Zahlungsverzug räumt dem Hedgefonds das Recht ein, die Kontrolle über den italienischen Fussballclub zu übernehmen. Laut Medienberichten ist dies am Montag bereits geschehen, indem Elliott eigene Manager in eine Luxemburger Holding berufen hat, welche die Mehrheitsbeteiligung an der AC Milan hält.

Chinesische Regierung als Spielverderber

Li Yonghong hatte den Club im vergangenen Jahr für 740 Millionen Euro (einschliesslich Schulden von 190 Millionen) vom früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gekauft. Doch schon damals lief es nicht nach Plan. Da die Investorengruppe um Li keine Bewilligung von der chinesischen Regierung zum Kapitalexport erhielt, musste die ursprünglich für Ende 2016 geplante Transaktion verschoben werden. Zudem sah sich der Geschäftsmann gezwungen, auf sein eigenes Vermögen zurückzugreifen und einen Kredit aufzunehmen, um die Übernahme zu finanzieren.

Elliott Management streckte Li 180 Millionen Euro vor; weitere 128 Millionen vergab der Hedgefonds an die AC Milan, damit der Club neue Spieler kaufen und Bankschulden abzahlen konnte. Li hatte schon während des gesamten letzten Jahres versucht, neue Investoren an Bord zu holen, um die hoch verzinsten Elliott-Kredite abzulösen. Zudem stand der Chinese unter wachsendem Zeitdruck: Spätestens im Oktober hätte er die Gelder zurückzahlen müssen, andernfalls wäre die Fussballmannschaft der AC Milan – die als Sicherheit für den Kredit dient – in den Besitz von Elliott übergegangen.

Als Hindernis bei der Investorensuche erwies sich immer wieder, dass keine endgültige Klarheit über die Vermögensverhältnisse von Li besteht. Im November 2017 berichtete die «New York Times» mit Verweis auf Geschäftsunterlagen, dass der chinesische Geschäftsmann letztlich gar nicht über die Bergbauaktivitäten verfügen könne, die er als sein Eigentum ausgab. Die AC Milan wies diese Darstellung zurück: Überprüfungen durch eigene Anwälte hätten ergeben, dass Li sehr wohl im Besitz dieser Beteiligungen sei und die Verfügungsgewalt darüber habe.

Tiefrote Zahlen

Wenig anziehend auf Investoren ist auch die finanzielle Lage der AC Milan: Im vergangenen, per Mitte Jahr endenden Geschäftsjahr wies der Verein einen Verlust von rund 75 Millionen Euro aus, wie die Agentur Reuters kürzlich unter Berufung auf einen Insider berichtete. Ausserdem hat der europäische Fussballverband Uefa die Mailänder in der kommenden Saison von der Teilnahme an der Europa League, dem «kleinen Bruder» der Champions League im europäischen Clubfussball, ausgeschlossen. Begründet wurde dieses Verdikt – das der AC Milan millionenschwere Einnahmenverluste beschert – mit dem Verstoss gegen die finanziellen «Fair Play»-Regeln beim Kauf von Spielern und mit der insgesamt unsicheren Finanzlage des Vereins.

Wie geht es nun weiter mit den «Rossoneri», wie die Italiener die Spieler der AC wegen ihrer traditionell rot-schwarz gestreiften Trikots nennen? Einig sind sich Beobachter darin, dass Elliott Management nicht an einem dauerhaften Engagement im italienischen Fussball interessiert ist. Geteilter Meinung sind sie hingegen, was den möglichen Zeitpunkt eines Weiterverkaufs betrifft. Die einen rechnen schon ab September – nach Ablauf der Transferperiode zum Kauf neuer Spieler – mit einem Handwechsel des Vereins. Andere erwarten, dass der US-Hedgefonds die AC Milan erst auf ein tragfähiges finanzielles Fundament stellen wird, bevor er nach Käufern Ausschau hält.

Kaufinteressenten aus den USA

In den Medien werden meist zwei amerikanische Adressen als mögliche Kaufinteressenten gehandelt: zum einen die Familie Ricketts, die das Baseballteam Chicago Cubs besitzt, und zum andern der Fernsehunternehmer Rocco Commisso, der mit den New York Comos bereits einen Fussballverein sein Eigen nennt. Commisso wäre laut einem Bericht von Reuters schon im Juni bereit gewesen, die AC Milan für 500 Millionen Euro inklusive Schulden zu übernehmen. Doch Li Yonghong habe 200 Millionen mehr verlangt und einen Schnellverkauf abgelehnt. Li selbst, so berichten internationale Medien, setze seine Hoffnungen jetzt in russische und asiatische Investoren.

Für die Fans des rot-schwarzen Traditionsvereins ist die sportliche Talfahrt und der wachsende Rückstand auf den erfolgreicheren Stadtrivalen Inter schon bitter genug. Das Geschacher internationaler Investoren um die AC und deren ungewisse wirtschaftliche Zukunft verschlimmern die Misere der Milanesi zu einem nicht enden wollenden Albtraum. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2018, 20:30 Uhr

Artikel zum Thema

Milan für ein Jahr vom Europacup ausgeschlossen

Die Uefa bestraft die Mailänder wegen des Verstosses gegen das Financial Fair Play. Mehr...

Juventus jubelt dank Goalie-Flops und Eigentor

Der Serienmeister gewinnt zum 13. Mal die Coppa Italia. Benatia trifft beim 4:0 gegen Milan doppelt, Goalie Donnarumma patzt doppelt. Mehr...

Hedgefonds Elliott zieht sich bei Actelion zurück

Pharmaindustrie Nach Unstimmigkeiten über die Strategie und die Zusammensetzung des Verwaltungsrats reduziert der Hedgefonds Elliott seinen Anteil am Aktienkapital von Actelion. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...