Sie soll Elon Musk bändigen

Robyn Denholm wird neue Verwaltungsratspräsidentin von Tesla. Das passt vielen nicht.

Direkt und hartnäckig: Die neue Tesla-Verwaltungsratspräsidentin Robyn Denholm. Foto: PD

Direkt und hartnäckig: Die neue Tesla-Verwaltungsratspräsidentin Robyn Denholm. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Google und Facebook holten Eric Schmidt und Sheryl Sandberg an Bord, um Ordnung ins kreative Chaos der Unternehmen zu bringen. Elon Musk hingegen musste zu diesem Schritt gezwungen werden. Nun soll Robyn Denholm als neue Verwaltungsratspräsidentin von Tesla das Unmögliche leisten: den charismatischen Unternehmer Musk unter Kontrolle zu halten. Und die Aktionäre verlangen von ihr, dem E-Auto-Pionier mehr finanzielle Disziplin beizubringen.

Unbekanntes Terrain betritt die 55-jährige gebürtige Australierin mit ihrer neuen Aufgabe nicht. Bereits seit 2014 gehört sie dem Verwaltungsrat von Tesla an und wurde für die Teilzeitstelle fürstlich mit Aktienoptionen von 17 Millionen Dollar entlöhnt. Wie alle anderen im Aufsichtsgremium liess sie Musk völlig freie Hand und bremste ihn auch nicht, als er im August auf Twitter völlig irreführend behauptete, Geldgeber für die Privatisierung von Tesla gefunden zu haben.

Kein Wunder: Denholm ist ein Musk-Fan. «Er ist grossartig, er ist schlicht phänomenal», sagte sie der «Australian Financial Review». Die Börsenaufsicht SEC ist weniger begeistert vom Tesla-CEO. Sie beurteilte seinen Tweet als illegale Aktienmanipulation und verhängte eine Strafe von 20 Millionen Dollar. Zudem befahl die SEC Musk, dass er für mindestens drei Jahre als Verwaltungsratschef pausieren muss.

An seine Stelle tritt nun Denholm. Prompt ruft ihre bisher passive Rolle im Verwaltungsrat Kritiker auf den Plan. «Sie war dabei, als Musk ausflippte», sagt zum Beispiel Rohan Williamson, Finanzprofessor an der Georgetown-Universität. «Sie konnte ihn dann nicht kontrollieren; kann sie es jetzt tun?» Ihre Berufung sei nur ein Versuch, die Börsenaufsicht zu beruhigen.

Experten zweifeln

Denholm möge zwar viel Wissen und Erfahrung haben, meint auch Charles Elson, Corporate Governance-Experte der Universität Delaware, aber der Schatten des Nicht-Eingreifens liege über ihr. «Kein Konzernchef einer anderen börsenkotieren Firma hätte dies überlebt.»

Als Verwaltungsratspräsident war auch James Murdoch, Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch, im Gespräch. Mit ihm hätte Musk wohl einen hartnäckigeren Gegenspieler bekommen, sagen Brancheninsider.

Doch die neue starke Frau bei Tesla hat auch Fürsprecher. «Sie hat bewiesen, dass sie mit grossen Egos umgehen kann», sagt der Analyst Pierre Ferragu, gestützt auf seine Erfahrung mit Juniper Networks, wo Denholm neun Jahre in Kaderpositionen tätig war. Sie sei das exakte Gegenteil von Musk, ruhig und zuverlässig. «Sie versteht es zu führen, ohne herausragen zu müssen.» Denholm selber beschreibt sich als direkt und pragmatisch. Bekannte schildern sie als hartnäckig, unauffällig und doch auch entschieden.

«Die einzige Frau in einem Meer von Männern».Robyn Denholm über ihre Karriere

Ihr Interesse an der Autoindustrie wurde früh geweckt. Denholm wuchs in der Nähe von Sidney als Tochter von Tankstellenbesitzern auf. Nach einer ersten Stelle bei der Revisionsfirma Arthur Andersen arbeitete sie als Finanzexpertin für Toyota und war damals einige der wenigen Frauen in einer Topstelle.

Später unterstützte sie Studienprogramme für Frauen und benachteiligte Studenten finanziell. Sie sei meist die «einzige Frau in einem Meer von Männern» gewesen, begründet sie dies.

2001 verliess sie Australien in Richtung Silicon Valley und arbeitete für Techfirmen wie Sun Microsystems und Jupiter Networks. Für ein Jahr gehörte sie 2016/17 auch dem Verwaltungsrat von ABB an, bevor sie die Leitung des Telekomkonzerns Telstra übernahm, die sie nun zugunsten der Aufgabe bei Tesla abgibt.

Gemäss dem Strafurteil der Börsenaufsicht muss sie nun mit wirksamen Kontrollen und Verfahren die gesamte Kommunikation von Elon Musk überwachen. Das passt ihm gar nicht. Er werde auch in Zukunft Tweets verschicken und höchstens solche vermeiden, die den Aktienpreis bewegen könnten. «Interessante Dinge werde ich twittern, wenn sie mir in den Sinn kommen, und das ohne jeden Filter», kündigte er an.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.11.2018, 10:53 Uhr

«Er ist grossartig, er ist schlicht phänomenal»: Denholm über Musk. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

VW plant Elektroauto für unter 20'000 Euro

Mit einem günstigen E-Kleinwagen will Volkswagen dem Branchen-Pionier Tesla den Rang ablaufen. Mehr...

Tesla-Chef: «Wir sind über den Berg»

Video Nach einer langen Durststrecke versprüht Firmenchef Elon Musk Optimismus. Er kann den Rückenwind gut gebrauchen. Mehr...

FBI soll gegen Tesla ermitteln

Laut einem Medienbericht soll der Elektroautohersteller falsche Angaben zum Model 3 gemacht haben. Die Untersuchungen sollen laufen. Mehr...

Kommentare

Blogs

Tingler Zeichen der Zukunft
History Reloaded Ländler statt Swing

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...