SMI-Jahresrekord, Börseneuphorie – die Gründe und Risiken

Die Aktienkurse erklimmen auch in der Schweiz laufend neue Höhen. Warum an den Börsen beste Stimmung herrscht und von wo Gefahr droht.

«Lueg, es gaht alles ufe»: Passanten betrachten im Schaufenster einer Bank die Börsenkurse.

«Lueg, es gaht alles ufe»: Passanten betrachten im Schaufenster einer Bank die Börsenkurse. Bild: Eddy Risch/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die ersten 40 Tage waren das, was man im Jargon gemeinhin «uninspiriert» nennt. Die Kurse stiegen, nur um danach wieder abzubröckeln. In der ersten Februar-Woche stand die Schweizer Börse per Saldo wieder dort, wo sie 2016 beendet hatte. Dann lösten die Investoren die Handbremse und die Kurse klettern höher und höher. Am Dienstag stieg der helvetische Leitindex Swiss Market Index (SMI) auf einen neuen Jahresrekord von 9136.95 Punkten. Im Jahresverlauf resultiert damit bereits ein sattes Plus von 11 Prozent.

Der Aufschwung ist breit abgestützt. Im laufenden Jahr haben die Aktien von 66 kotierten Schweizer Unternehmen und damit jedes dritte Unternehmen an der Börse einen neuen Rekordwert erreicht, wie die «Finanz und Wirtschaft» schreibt. Damit rückt im Gleichschritt mit anderen Börsenplätzen auch in der Schweiz die historische Rekordmarke wieder in Griffweite. Vor zehn Jahren – im Juni 2007 – hatte der SMI 9548.09 Punkte erreicht.

Swiss Market Index

Quelle: SIX

Neben dem weiterhin kurstreibenden Aufputschmittel tiefer Zinsen sind es vor allem drei zentrale Gründe, welche die Anlegergemeinde positiv stimmen:

  • 1. Aufatmen in Europa: Die definitive Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten von Frankreich hat Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der EU und damit grösseren Verwerfungen auf politischer wie wirtschaftlicher Ebene in den Hintergrund treten lassen. Hinzu kommt die Erwartung auf Wirtschaftsreformen in Frankreich, welche die Konjunktur in der drittgrössten Volkswirtschaft Europas beflügeln und ganz Europa Impulse geben könnte. Börsianer sprechen von einer «Macron-Rally». Was in Frankreich und in Europa geschieht, ist für die Schweiz von ganz zentraler Bedeutung. 43 Prozent der helvetischen Ausfuhren gehen in die Europäische Union, 6,6 Prozent nach Frankreich.
  • 2. Geschwächter Franken: Eng mit der Entscheidung in Frankreich verbunden ist die Schwächung des Frankens. Er verlor seit der ersten Wahlrunde rund 2,5 Prozent an Wert. Ein Euro kostet inzwischen wieder deutlich mehr als 1.09 Franken. Das hilft den Schweizer Exporteuren, weil ihre Produkte für die ausländischen Käufer günstiger werden.
  • 3. Gute Konjunkturaussichten: Die globalen Konjunkturaussichten sind so gut wie lange nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2017 mit einem Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung von 3,5 Prozent. Auch das lange Zeit dümpelnde Europa zeigt langsam wieder gefestigtes Wachstum. Deutschland als wichtigster Handelspartner der Schweiz (19 Prozent der Ausfuhren) legte im ersten Quartal auf Jahresbasis 2,9 Prozent zu. Auch das hilft den Schweizer Unternehmen und treibt deren Aktienkurse.

So gut die Aussichten auch sind, es gibt durchaus Risiken, die gerne vergessen gehen.

  • Bewertungen: Die Bewertungen der Aktien sind inzwischen auch in der Schweiz stattlich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des SMI beträgt derzeit rund 22, was im langfristigen Zeitraum hoch ist. Der historische Durchschnitt beträgt 15.
  • Trump: Spitzt sich die politische Krise in den USA zu, könnte das in der Form von genereller Unsicherheit auch auf die Wirtschaft übergreifen. Das könnte der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.
  • Geopolitik: Die Auseinandersetzung mit dem unberechenbaren Nordkorea, ein grösser werdender Konflikt mit Russland und der Türkei oder auch der globale Terrorismus könnten verunsichern und die Kurs abstürzen lassen.

Noch stehen die Zeichen aber auf Hausse – vorerst zumindest.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2017, 17:20 Uhr

Artikel zum Thema

Franken fällt nach Sieg von Macron auf Fünfmonatstief

Der Ausgang der ersten Wahlrunde in Frankreich lässt den Euro steigen – die Börsen reagieren mit Kursgewinnen. Mehr...

Europas Wirtschaft erstaunlich gut in Fahrt

Trotz Brexit, gescheitertem Referendum in Italien und Trump-Wahl: Warum wir optimistisch sein können. Mehr...

SMI wird künftig Nestlés Übergewicht ignorieren

18 Prozent: Das wird künftig das Maximalgewicht der Titel im Swiss-Market-Index sein. Die Schweizer Börse kappt ihren Leitindex. Mehr...

Blogs

Geldblog Die Batterie ist heiss

Mamablog Unfassbar nervig: Bücher einfassen

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Die Ruhe weg: EIn Blauschaf betrachtet den Betrachter im Uoo von Moskau, Russland. (17. August 2017)
(Bild: Yuri Kochetkov/EPA) Mehr...