Frischgebackenen Vätern gibt Novartis 18 Wochen frei

Das Basler Pharmaunternehmen ist in der Schweiz am grosszügigsten bei der Papizeit.

Vaterschaftsurlaub gibt es per Gesetz nur einen Tag. Novartis erhöht auf 90 Tage.

Vaterschaftsurlaub gibt es per Gesetz nur einen Tag. Novartis erhöht auf 90 Tage. Bild: Keystone

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Novartis zeigt Herz für junge Familien und lässt Vätern nach der Geburt eines Kindes künftig deutlich länger Zeit für ihre Liebsten. Das Pharmaunternehmen führt weltweit mindestens 14 Wochen bezahlte Elternauszeit ein. In der Schweiz dürfen Väter nach der Geburt sogar 18 Wochen zu Hause bleiben – bei voller Bezahlung. Das Unternehmen setzt sich damit im schweizweiten Vergleich der grossen Firmen an die Spitze. Die Grosszügigkeit der Arbeitgeber bei der Papizeit schwankt in der Schweiz gewaltig. Künftig 90 Tagen bei Novartis nach der Geburt eines Kindes stehen 60 freie Tage bei Google gegenüber, das bisher die Rangliste unangefochten anführte. Auf Platz drei folgt mit Johnson&Johnson ein weiterer amerikanischer Konzern. Die grossen Detailhändler Coop und Migros bieten immerhin 15 Tage Vaterschaftsurlaub an. Bei Konkurrentin Roche sind es lediglich sechs Tage bezahlte Papizeit. Das Neuenburger Kantonsparlament hatte Mitte Januar den Vaterschaftsurlaub von 5 auf 20 Tage erhöht.

Knausriger Gesetzgeber

Das ist deutlich mehr als der Gesetzgeber vorsieht, für den eine Geburt aus der Sicht des Vaters ebenso sehr ins Gewicht fällt wie ein Umzug: Gerade mal einen Tag haben die Väter nach der Geburt Anspruch auf zusätzliche Zeit mit dem Neugeborenen. Zu den Kritikern dieser Mindestregelung gehören die Befürworter der Initiative für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub. Für sie ist die Ankündigung eine erfreuliche Nachricht, wie Travaillsuisse-Präsident Adrian Wüthrich sagt. Novartis habe die Zeichen der Zeit erkannt und entspreche dem Wunsch vieler Arbeitnehmer, sagt der Berner SP-Nationalrat. «Den Wunsch nach einem Vaterschaftsurlaub haben nicht nur die Väter bei Novartis. Das ist auch der Grund, warum es eine gesetzliche Regelung für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub braucht», erklärt Wüthrich, der Präsident des Trägervereins für das Volksbegehren ist.

Ein Sinneswandel

Erst Ende Februar wurde bekannt, dass sich Novartis zum attraktivsten Arbeitgeber für frischgebackene Väter mausern will. War ursprünglich von 14 Wochen die Rede, sind es nun sogar weitere vier Wochen gemeinsame Zeit mit der Familie – ohne Verpflichtungen im Büro, Überstunden und drängelnde Chefs. Novartis erlaubte Vätern bislang gerade mal sechs Tage Vaterschaftsurlaub. Den Sinneswandel erklärt Novartis-Länderpräsident Matthias Leuenberger mit dem Kampf um die besten Köpfe: «Wir wollen als Arbeitgeber attraktiv sein und bleiben. Für die jüngeren Generationen stehen Lohn und Karriere nicht mehr zwingend zuoberst, sondern für sie ist auch die richtige Work-Life-Balance entscheidend.» Novartis stehe ja nicht nur national im Wettbewerb um Talente, sagt Leuenberger.

Schweiz vorneweg Die Väter schliessen damit auch zu den Frauen auf, die bis anhin bei dem Unternehmen schon 18 Wochen Ferienanspruch nach der Geburt eines Kindes haben – inklusive Schwangerschaftsurlaub. Leuenberger spricht von einer Vorreiterrolle bei der Gleichstellung der Geschlechter. 18 Wochen Ferien für Väter seien nur konsequent, um die Übergangsphase für beide Elternteile möglichst familienfreundlich zu gestalten.

Die Gleichstellung zielt nicht nur auf die Geschlechter, sondern soll für alle gebärenden und nicht gebärenden Eltern gelten, einschliesslich Adoption – auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren – und einer allfälligen Leihmutterschaft, sofern diese in dem Land erlaubt ist. Weltweit sollen die Standards bis Januar 2021 umgesetzt werden. Die Schweiz ist eines der ersten Länder, in denen Novartis die Regelung einführt. Die Regelung gilt zwar erst ab Juli, rückwirkend sollen aber Mitarbeiter, die nach dem 30. Januar Vater geworden sind, ebenfalls die Papizeit in Anspruch nehmen dürfen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.03.2019, 17:24 Uhr

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