George Soros warnt vor globaler Finanzkrise

«Alles, was hätte schieflaufen können, ist schiefgelaufen», sagt der Investor – und stellt den Euro infrage.

Der 87-Jährige sorgt sich um die EU: George Soros.

Der 87-Jährige sorgt sich um die EU: George Soros.

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Die Welt stehe vor einer nächsten Finanzkrise: So tönte die dringliche Warnung von George Soros an einem Treffen der Expertenkommission European Council on Foreign Relations in Paris. Das Ende des Atomabkommens mit dem Iran und die Zerstörung der transatlantischen Beziehung zwischen der EU und den USA würden sich zwangsläufig negativ auf die europäische Wirtschaft auswirken und zu weiteren Verwerfungen führen, sagte der Investor. Zusätzlich löse die Stärke des Dollars eine Flucht aus den Währungen der Schwellenländer aus.

«Es kann gut sein, dass wir auf eine nächste grosse Finanzkrise zusteuern», so der Investor. Eine besondere Warnung stösst Soros in Richtung Europäischer Union aus: Diese sei mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert.

«Existenzielle Gefahr»

«Alles, was hätte schieflaufen können, ist schiefgelaufen», sagte Soros der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge in Bezug auf die EU. Er verwies auf drei Kernprobleme: die Flüchtlingskrise, die territoriale Desintegration, zu der etwa der Brexit gehört, und die Austeritätspolitik. Diese habe in vielen europäischen Ländern Populisten an die Macht katapultiert. «Es ist keine Redensart mehr, zu sagen, dass Europa in existenzieller Gefahr ist, sondern die harte Realität», sagte er. Der Brexit sei ein Beispiel dafür.

Soros selbst hatte die Konsequenzen eines solchen rechtspopulistischen Regimes gespürt: Zuletzt hatte der ungarischstämmige US-Milliardär den Sitz seiner Stiftung Open Society Foundation von Budapest nach Berlin verlegt. Dies folge auf eine monatelange Kampagne der rechtsnationalen ungarischen Regierung gegen die Stiftung, hiess es. Regierungschef Viktor Orban hatte ein «Stop Soros»-Gesetz angekündigt, das die Arbeit von NGOs stärker reglementieren sollte.

Video: Proteste für ungarische Soros-Universität

In Budapest protestierten im April 2017 Zehntausende Menschen gegen das drohende Aus der Universität des Milliardärs George Soros. Video: Reuters

Furcht vor «Italexit»

Soros' Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Krise in Italien zu politischer Unsicherheit in der EU und zu Turbulenzen an den Börsen geführt hat. Investoren fürchten, dass Neuwahlen zu einer Abstimmung über den «Italexit», also den Austritt Italiens aus der EU, werden könnten.

Italienische Staatspapiere und Aktien schmierten am Dienstag ab, genauso wie der Euro, der am Abend bei 1,1465 Franken lag. Investoren flüchteten sich in sichere Häfen wie den Franken, deutsche und amerikanische Staatsanleihen. Der italienische Leitindex gab um rund 3 Prozent nach, der Swiss-Market-Index schloss 1,6 Prozent im Minus. Auch die Märkte in Asien und den USA starteten schwächer in die Handelswoche.

«Der Euro hat viele ungelöste Probleme und darf die Europäische Union nicht zerstören.»George Soros, Investor

Am heutigen Mittwoch stabilisierte sich der Euro wieder leicht. Die Währung legte kurzzeitig wieder auf über 1.15 Franken zu. Der Leitindex SMI lag im frühen Handel 0,16 Prozent im Plus (Zeit: 9.40 Uhr). «So richtig zugreifen wollen die Anleger aber nicht. Die Verunsicherung wegen Italien scheint zu gross, denn die Neuwahlen könnten gut als Abstimmung für oder gegen den Verbleib des Landes in Europa interpretiert werden», sagte ein Händler zu Reuters.

Soros' Lösung für die Krise in Europa sieht einen EU-finanzierten Marshall-Plan für Afrika vor, um die Migration einzudämmen. Ausserdem schlägt der Investor eine radikale Transformation der EU vor. Die EU solle mehr zwischen EU und Eurozone unterscheiden. Besonders die Klausel, die neue Mitgliedsstaaten zwinge, den Euro einzuführen, solle aufgehoben werden. «Der Euro hat viele ungelöste Probleme und darf die Europäische Union nicht zerstören», sagte er.

Dass die aktuelle Krise die Gemeinschaftswährung bedrohen könnte, glaubt auch Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie beim Vermögensverwalter Blackrock. In Bezug auf die Situation in Italien sagt er: «Das Risiko einer weiteren Eskalation, bis hin zur Existenzfrage des Euro, war nie so gross wie heute.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2018, 11:28 Uhr

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