Grosse Firmen stellen mehr Ausländer ein

Schweizer Konzerne haben 2016 Stellen abgebaut. Das ist nicht die einzige unangenehme Folge für einheimische Arbeitnehmer.

Balanceakt in der Pharma-Industrie: Novartis lädt zur Generalversammlung in der St.-Jakobs-Halle in Basel ein. (23. Februar 2016)

Balanceakt in der Pharma-Industrie: Novartis lädt zur Generalversammlung in der St.-Jakobs-Halle in Basel ein. (23. Februar 2016) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Eine Umfrage von SRF dürfte im hiesigen Arbeitsmarkt für Aufsehen sorgen. «Die grössten Schweizer börsenkotierten Konzerne haben 2016 ihre Belegschaft hierzulande um rund 2 Prozent reduziert. Auffallend: Die Firmen haben überdurchschnittlich oft Schweizer Angestellte abgebaut und gleichzeitig mehr Ausländer angestellt», heisst es im Artikel, der von der SRF-Wirtschaftsredaktion verfasst wurde.

Das Kuriose nach dieser Umfrage ist der Umstand, dass seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative in der Wirtschaft und in der Politik alles vom Inländervorrang gesprochen hat. Das scheint nicht unbedingt bei den grössten Schweizer Konzernen durchgedrungen zu sein. Die Auswertung der Angaben von 15 SMI-Firmen, die hierzulande 102'000 Personen beschäftigen, zeigt folgendes Bild: Die Unternehmen haben 2016 insgesamt netto 2030 Jobs gestrichen und damit rund 2 Prozent der Belegschaft.

Hohe Ausländer-Zahlen bei den Pharma-Multis

Diese Massnahme, so SRF weiter, habe vor allem Schweizerinnen und Schweizer getroffen. Die Konzerne würden demnach 3300 weniger von ihnen beschäftigen als im Vergleich zum Vorjahr. «Gleichzeitig erhöhten die Konzerne ihre ausländische Belegschaft in der Schweiz um 1270 Personen. Der Ausländer-Anteil in der Belegschaft hat sich damit von 39 auf 41 Prozent erhöht.» SRF zeigt, wie Nestlé, Swisscom, Roche und Novartis ihre Praxis handhaben. Bei den Basler Pharma-Riesen sind die Ausländer-Anteile besonders hoch: über 60 Prozent bei Roche, sogar rund 70 Prozent bei Novartis.

Gegenüber SRF rechtfertigen die Basler Unternehmen ihre Personalpolitik. «Novartis versucht wo immer möglich und sinnvoll, die Stellen in der Schweiz über den inländischen Arbeitsmarkt zu besetzen», schreibt der Konzern auf Anfrage. Die mangelnde Verfügbarkeit gewisser Qualifikationen im Inland – kombiniert mit dem Anspruch, am Hauptsitz in Basel auch in kultureller Hinsicht einen internationalen Tätigkeit angemessenen Mix zu pflegen – führe zusammen mit der grenznahen Produktion dazu, dass das Unternehmen in der Schweiz traditionell einen vergleichsweise hohen Ausländeranteil aufweise, ergänzt Novartis. Ausserdem beteuert die Basler Firma, dass sie dem Standort Schweiz verpflichtet sei, auch wenn die Anstellung dringend benötigter ausländischer Fachkräfte hierzulande teuer und durch die politische Entwicklung der letzten Jahre nicht unbedingt einfacher geworden sei.

Geberit macht es anders

Bei Roche tönt es ähnlich. «Um auch in Zukunft innovative Medikamente und Diagnostika entwickeln zu können, sind wir darauf angewiesen, die talentiertesten Mitarbeitenden zu gewinnen.» Roche rekrutiere das Personal aufgrund ihres Leistungspotenzials und ihrer Eignung für die zu besetzende Position. Sei die benötigte Qualifizierung gegeben, würden vorrangig Mitarbeitende aus der Region eingestellt. Swisscom weist darauf hin, dass die Zunahme an ausländischem Personal primär auf die Integration der Firma Veltigroup zurückzuführen sei. Diese habe Standorte am Genfersee und beschäftige deshalb viele Grenzgänger.

Der Bericht weist aber auch darauf hin, dass es auch anders geht. So habe Geberit in Rapperswil-Jona SG den Anteil an Schweizer Personal erhöht. Der Sanitärtechnik-Konzern habe im vergangenen Jahr 29 Ausländer von der Lohnliste gestrichen und dafür 32 Schweizer angestellt. Damit sei der Anteil an ausländischen Arbeitnehmern von 27 auf 25 Prozent gesunken.

(fal/kat)

Erstellt: 20.04.2017, 17:59 Uhr

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