Muskulöse Boxerin wird zur Mager-Barbie

Mattel veröffentlicht zum Weltfrauentag eine Barbie-Kollektion erfolgreicher Frauen – besser gesagt, abgemagerte Versionen davon.

Von der Chefköchin bis zur Kunstturnerin weisen alle praktisch dieselben Körpermasse auf: Die «Vorbild»-Barbies. v.l.n.r.: Spitzenköchin Hélène Darroze, Boxerin Nicola Adams, Snowboarderin Chloe Kim, Künstlerin Frida Kahlo, Fechterin Ibtihaj Muhammad, NASA-Physikerin Katherine Johnson und Kunstturnerin Gabrielle Douglas. (Bild: Mattel)

Von der Chefköchin bis zur Kunstturnerin weisen alle praktisch dieselben Körpermasse auf: Die «Vorbild»-Barbies. v.l.n.r.: Spitzenköchin Hélène Darroze, Boxerin Nicola Adams, Snowboarderin Chloe Kim, Künstlerin Frida Kahlo, Fechterin Ibtihaj Muhammad, NASA-Physikerin Katherine Johnson und Kunstturnerin Gabrielle Douglas. (Bild: Mattel)

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Pünktlich zum Weltfrauentag bringt Mattel 17 neue Barbies auf den Markt, die mit viel Liebe zum Detail an das körperliche Erscheinungsbild erfolgreicher Frauen angelehnt sind. Da wäre etwa die ikonische Monobraue der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo, der schroffe Cornrow-Undercut der britischen Boxerin Nicola Adams oder die kleinen weissen Knöpfe an der Kochschürze der französischen Spitzenköchin Hélène Darroze.

Mattel zitiert in der Werbekampagne der neuen Kollektion eine Studie, wonach 86 Prozent der befragten Mütter besorgt um die Vorbilder ihrer Töchter seien. «Deswegen präsentieren wir Barbies nach dem Vorbild aussergewöhnlicher Frauen», so der US-amerikanische Spielzeughersteller.

«Du kannst alles sein»

Die neue Role-Model-Kollektion deckt denn auch ein breites Spektrum an weiblichen Vorbildern ab. Es lassen sich darunter Frauen aus den unterschiedlichsten Professionen, Religionen und Ethnien finden; eine afroamerikanische Nasa-Physikerin, eine chinesische Schauspielerin, eine muslimische US-Fechterin (mit Kopftuch), eine polnische Journalistin, eine australische Umweltschützerin sowie eine chinesische Primaballerina. «Egal woher du kommst, du kannst alles sein» lautet die auf den ersten Blick ermutigende Botschaft.

«Du kannst alles sein»: Die neue Barbie-Kampagne. Video: YouTube / Barbie (6. März 2018)

Die Produktdesigner scheinen sehr viel Energie in Detailarbeit gesteckt zu haben. Von den Gesichtszügen über die Augen- und Hautfarben bis zu den Frisuren handelt es sich bei den «Vorbild»-Barbies praktisch um Ebenbilder der jeweiligen Frauen. Und einige werden gar mit eigenen Requisiten geliefert – etwa einem Snowboard, einem Volleyball oder einem Koalabären.

Vor dem Hintergrund dieser Mühe um eine realitätsgetreue Darstellung reagieren viele Beobachter jedoch erstaunt darüber, dass alle Barbies praktisch dieselben Körpermasse aufweisen. Denn diese seien in der Realität ebenso divers wie die Frauen selbst. Oder wie es eine Reporterin in der «Chicago Tribune» beschreibt:

«Kein vitales Organ hätte Platz in diesen Barbies.»Heidi Stevens, Chicago Tribune

Auf Social Media wurde moniert, die extremen Körpermasse seien bei der zierlichen Ballettänzerin Yuan Yuan Tan mit etwas Vorstellungskraft ja noch zutreffend, aber spätestens bei der Verkörperung der muskelbepackten Boxweltmeisterin Nicola Adams oder der wohlgenährten Sterneköchin Hélène Darroze, habe das Barbie-«Vorbild» groteske Züge angenommen:

Seit 2009 sinken die Barbie-Verkäufe weltweit, allein zwischen 2012 und 2014 um 20 Prozent. Während ein Teil dieses Einbruchs damit erklärt werden kann, dass sich immer mehr Kinder elektronische Spielsachen wünschen, erörtern einige Beobachter die Ursache in der Zunahme an Eltern, die in Barbies einen schlechten Einfluss auf ihre Kinder sehen. So haben zahlreiche Studien belegt, dass Mädchen ein tieferes Selbstwertgefühl und ein schlechteres Körpergefühl bekamen, nachdem sie mit Barbie-Puppen gespielt hatten.

Mattel reagierte auf diese Studienergebnisse mit einer Body-Positivity-Kampagne und brachte Barbies in drei neuen Körpertypen auf den Markt; kurvig, zierlich und gross. Die neuen Barbies waren zudem in 7 Hautfarben, 22 Augenfarben und 24 Frisuren erhältlich. In den Regalen von Spielzeugläden sollten die neuen Körpertypen jedoch in der Minderheit bleiben. Das Gros stellten weiterhin traditionelle Barbie-Puppen dar, mit überproportional grossen Brüsten sowie einem unnatürlich kleinen Hüft-, Arm- und Beinumfang.

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Ausgerechnet zum Weltfrauentag wendet sich Mattel nun von der hauseigenen Body-Positivity-Kampagne ab und kehrt auf die traditionellen Barbie-Masse zurück: So ist es in der Role-Model-Kollektion wieder ein unnatürliches, realitätsfremdes Körperbild, das Tausenden jungen Mädchen vom amerikanischen Spielzeughersteller vermittelt wird. «Du kannst alles sein», hat sich Mattel auf die Fahne geschrieben – und dabei vergessen hinzuzufügen: «Ausser ein Mädchen mit Barbie-Massen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 19:44 Uhr

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