Plötzlich fliegt der Boeing-Chef allein

Dennis Muilenburg ist der Prototyp eines harten Geschäftsmannes. Doch jetzt hat er sich verschätzt.

30 Jahre nach seinem ersten Praktikum bei Boeing wurde Dennis Muilenburg Chef des Konzerns. Foto: Lindsey Wasson (Reuters)

30 Jahre nach seinem ersten Praktikum bei Boeing wurde Dennis Muilenburg Chef des Konzerns. Foto: Lindsey Wasson (Reuters)

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Konzernchef Dennis Muilenburg schien der richtige Mann am richtigen Platz: Er hatte seine ganze berufliche Karriere beim Flugzeug- und Rüstungskonzern absolviert und gelernt, das Spiel zwischen Wirtschaft, Politik und Diplomatie zu spielen.

Umso überraschender wurde er nun vom US-Präsidenten auf den Boden der Realität zurückgeholt. Nachdem die Zulassungsbehörde auf Zeit gespielt hatte, ordnete Donald Trump gestern doch noch ein Flugverbot für sämtliche 737-Max-Maschinen an. Dies kann als Zwangsmassnahme gesehen werden, da der kanadische Transportminister, ein früherer Pilot, zuvor das Gleiche getan und die USA faktisch isoliert hatte. Muilenberg könnte die Kehrtwende jedoch auch als Misstrauensvotum betrachten – gegenüber einem Konzern, der das Rückgrat der zivilen Luftfahrt bildet und als grösster Exporteur des Landes und zweitgrösster Rüstungskonzern strategisch unersetzlich ist.

Öffentlich hatte Muilenburg nichts zu den Gründen des Absturzes bei Addis Abeba gesagt, dafür war er hinter den Kulissen überaus aktiv. Am Dienstag rief er Trump an und versicherte, die Max-8-Maschinen seien vollständig sicher, nachdem sich der Präsident, der seine eigene Airline in den Bankrott gesteuert hatte, über Twitter kritisch geäussert hatte.

Der 55-Jährige gilt als unermüdlich. Er fährt regelmässig Rad, gerne auch zusammen mit Angestellten, und wird als Prototyp des properen, aufrechten und ebenso harten Geschäftsmannes beschrieben. Den weltweit 13'000 Zulieferfirmen hat er bereits ein hartes Kostensenkungsprogramm verschrieben, wodurch er den Gewinn stark steigerte und den Aktienkurs um 300 Prozent nach oben trieb, bevor er als Folge der Abstürze diese Woche absackte. Trotz des Flugverbots dürfte sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen halten, da Muilenburg die staatlichen Kontrolleure auf seiner Seite weiss. Der Aufsichtsbehörde fehlt gemäss Aviatik-Experten nämlich schlicht das technische Wissen, um die Boeing-Maschinen umfassend prüfen und zertifizieren zu können. Deshalb ist ein wesentlicher Teil der Aufsicht in den Boeing-Werken selber angesiedelt.

Muilenburg war 2015 Chef von Boeing geworden, genau 30 Jahre nach seinem ersten Praktikum als Student. Er arbeitete zunächst an Rüstungsaufträgen und gehörte zum Team, das sich für den Bau des Joint-Strike-Kampfjets bewarb, das bislang grösste Projekt des Verteidigungs­ministeriums. Doch der Auftrag ging an Rivale Lockheed. Diese Erfahrung, zu verlieren, prägte ihn mehr als alles andere in seiner Karriere, wie er sagt. Er zog mit der Familie vom Mittleren Westen nach Seattle, wo ein grosser Teil der zivilen Maschinen gefertigt wird. Damit war die Basis für seinen steilen Aufstieg gelegt.

Muilenburg wurde 2016 geschäftsführender Präsident, investierte in die Automatisierung der Produktion und setzte auf den Ausbau des China-Geschäfts. Seiner Ansicht nach werden in den nächsten 20 Jahren weltweit 43'000 neue Linienmaschinen gebraucht, wovon ein Fünftel in China. «Wir haben viele gemeinsame Interessen mit China», betont er und sagt auch offen, dass die Bestellungen für die 737-Max-Maschinen Teil eines erfolgreichen Handels­abkommens zwischen den USA und China sein sollten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.03.2019, 08:46 Uhr

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