Post streicht Telecomangebot in 600 Filialen

Der Staatsbetrieb fährt mit dem Verkauf von Smartphones und Abos einen Millionenverlust ein. Nun wird vieles anders.

Wo pro Tag weniger als ein Telecomprodukt verkauft wird, verschwindet das Angebot. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Wo pro Tag weniger als ein Telecomprodukt verkauft wird, verschwindet das Angebot. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

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Darf es ein Mobilfunkabonnement von Swisscom oder Salt sein, eine Prepaid-Karte von Sunrise oder sogar ein neues Smartphone vom chinesischen Hersteller Huawei? Nutzer müssen nicht mehr den Laden eines Telecombetreibers oder von Mobilezone aufsuchen, um sich solche Produkte zu beschaffen. Sie können zugreifen, wenn sie in einer Poststelle einen Brief oder ein Paket aufgeben.

Die Schweizerische Post bietet in ihren Filialen ein breites Telecomsortiment an. Es ist ein Teil des Beratungsgeschäfts des Bundesbetriebs, um die Rentabilität seiner Niederlassungen zu verbessern – bis jetzt.

Während die Raiffeisenbanken den Einstieg in den Verkauf von Telecomprodukten prüfen, schreibt das Business mit Smartphones und Mobilfunkabos in den Poststellen rote Zahlen. Im letzten Jahr fuhr der gelbe Riese damit ein Defizit von 22,7 Millionen Franken ein.

Internes Papier informiert Führungskräfte

Der Grund: Das Bedürfnis der Postkunden, in Filialen Telecom­angebote zu besorgen, ist klein. Dementsprechend fallen die Verkaufszahlen in der Gesamtschau unbefriedigend aus. Das zeigt ein internes Papier, das dieser Zeitung vorliegt. Das Dokument ist an alle Führungskräfte des Geschäftsbereichs Postnetz gerichtet, dem die knapp 1200 Filialen unterstellt sind.

Grundsätzlich will die Post am Telecomangebot festhalten. «Trotz des schwierigen Marktumfelds sollen Telekommunikationsprodukte weiterhin ein Bestandteil des Drittproduktsortiments in Postfilialen bleiben», sagt Postsprecher François Furer auf Anfrage.

Das Unternehmen hat jedoch verschiedene Massnahmen beschlossen, mit denen «wir uns aus der Verlustzone bewegen wollen», wie es im internen Papier heisst. Die wichtigste ist, dass sich die Post in 600 Filialen von diesem Geschäft trennt. Als Massstab gilt: Poststellen, die pro Tag weniger als ein Telecomprodukt verkaufen, müssen das Angebot entfernen. Der Ausstieg erfolgt gestaffelt bis Ende Jahr. Betroffen sind unter anderem die Filialen in Koppigen BE, Grellingen BL und Niederweningen ZH.

Schlankeres Telecomangebot im Test

Die Post rechnet damit, dass dieser Schritt zu keinem direkten Stellenabbau in den betroffenen Filialen führt. Der Verkauf von Telecomprodukten stelle lediglich einen kleinen Teil der Arbeit dar, lautet die Begründung. Bei Syndicom reibt man sich trotzdem die Augen. «Es ist schon erstaunlich», sagt Gewerkschafter Christian Capacoel. «Da treibt die Post jahrelang ihre Mitarbeiter in den Filialen an, mehr Umsatz auf dem Telecomsortiment zu erwirtschaften – nur um dann festzustellen, dass dieses Angebot gar nicht rentiert.»

Als zweite Massnahme testet die Post derzeit in 20 ausgewählten Deutschschweizer Filialen ein schlankeres Telecomangebot. Dazu gehören etwa die Standorte Belp BE, Uster ZH und Birsfelden BL. Produkte der grossen Schweizer Hauptmarken Swisscom, Sunrise und Salt verschwinden dort ganz. Stattdessen setzt das Unternehmen auf die Billigmarken der Schweizer Mobilfunkbetreiber wie M-Budget (Swisscom), Yallo (Sunrise) und Das Abo (Salt).

Die Überlegung dahinter ist offensichtlich: Es braucht weniger Aufwand für Beratung, da die günstigen Einstiegsangebote mit wenig Schnickschnack auskommen. Und auch vom Geräteverkauf verabschiedet sich die Post.

«Die geplante Konzentration hilft mit, die verbleibenden Produkte noch besser zu positionieren.»Rolf Ziebold, Sunrise

Bei Swisscom ist zu erfahren, dass die Post die Angebote des Schweizer Marktführers bereits aus dem Sortiment genommen hat. Swisscom-Sprecher Sepp Huber bestätigt auf Anfrage: «Gemeinsam mit der Post haben wir entschieden, Swisscom-Produkte ab Ende August 2018 nicht mehr über die Filialen der Post zu verkaufen.» Die Absatzzahlen seien in den letzten Jahren rückläufig gewesen.

Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold sagt, dass die Nummer zwei im Schweizer Mobilfunkmarkt den Entscheid der Post begrüsse: «Die geplante Konzentration auf weniger Telecomprodukte hilft mit, die verbleibenden Produkte noch besser zu positionieren.» Salt reagierte nicht.

Die Anpassung des Telecomsortiments sei am Laufen, sagt Postsprecher Furer. Dieser Prozess sei «derzeit noch nicht abgeschlossen». Er hält fest, dass die Kunden Prepaid-SIM-Karten nach wie vor in allen eigenbetriebenen Niederlassungen aufladen können.

Tests mit kostenpflichtigem Service in Filialen

Ebenso will die Post herausfinden, wie die Kunden auf kostenpflichtige Serviceleistungen in den Testfilialen reagieren. Die ­Inbetriebnahme des Smartphones, Installationen von Apps und der Transfer von Daten vom alten Handy aufs neue werden verrechnet.

Zusätzlich zum neuen Verkaufsmodell vereinbarten die Post und die Mobilfunkanbieter auch höhere Abgeltungen für den gelben Riesen. Verläuft der Test erfolgreich, so will die Post das neue Angebot ab Mitte 2019 schweizweit einführen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.11.2018, 06:11 Uhr

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