Die Swiss behält die günstigsten Tarife für sich

Die Airline hält neuerdings die attraktivsten Tarife auf gewissen Strecken für die eigenen Buchungskanäle zurück. Die Reisebranche protestiert.

Reisebüros befürchten, ihren Kunden nicht mehr die günstigsten Tarife anbieten zu können.

Reisebüros befürchten, ihren Kunden nicht mehr die günstigsten Tarife anbieten zu können. Bild: Keystone

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Erst strichen die Airlines den Reisebüros die Kommissionen für Flugbuchungen, dann brummten ihnen die Lufthansa-Gruppe und damit auch die Swiss eine Buchungsgebühr von 16 Franken auf. Das Verhältnis zwischen den Reisebüros und dem Swiss-Mutterkonzern lässt sich wohl am ehesten als «angespannt» bezeichnen. Nun brodelt es erneut: Die Lufthansa behält die günstigsten Ticketpreise auf ausgewählten Europastrecken neu für ihre eigenen Buchungskanäle zurück, wie Fachmedien jüngst berichteten.

Die Konsequenz: Reisebüros, die Lufthansa- oder Swiss-Flüge mithilfe der weitverbreiteten globalen Buchungssysteme buchen wollen, müssen auf teurere Tarife zurückgreifen. «Die Airlines entziehen sich damit der Preisvergleichbarkeit und erschweren unser Geschäft», ärgert sich der Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes (SRV), Walter Kunz. Eine Delegation des SRV, bestehend aus Chefs verschiedener Reisekonzerne, traf sich kürzlich mit dem Swiss-Management und machte dem Unmut der Branche Luft.

Die Differenzen zwischen den Tickets über die globalen Buchungssysteme und den direkten Kanälen der Swiss betragen bei den Light- und Classic-Economy-Tarifen 22 Franken für Hin- und Rückflug, 11 Franken bei einem einfachen Flug. Ab Zürich sind neben weiteren zehn Routen unter anderen die beliebten Strecken nach Barcelona und Berlin, ab Genf Flüge nach Wien und München betroffen. Die vorherrschende Annahme der Branche ist jedoch, dass das Konzept in Zukunft auf das gesamte Flugprogramm ausgeweitet werden dürfte.

Will sich die Lufthansa dem Preisvergleich entziehen?

Der Hintergrund der Diskussion: Schon seit Jahren bemüht sich die Lufthansa mit ihrer Konzerntochter Swiss, die Reisebüros dazu zu bewegen, Buchungen über direkte Kanäle zu tätigen. Etwa über eine Schnittstelle mit der Airline oder gar die Website der Fluglinie, die auch Endkonsumenten nutzen. Das hat technologische Gründe: Die Airlines generieren immer mehr Zusatzeinnahmen, etwa für Sitzplatzreservierungen, zusätzliche Gepäckstücke und teils nun auch das Essen in der Economyklasse. Die globalen Reservierungssysteme bilden diese zusätzlichen Angebote nur unzureichend ab. Die Technologie der eigenen Schnittstelle hingegen ermögliche es den Airlines, neue, auf den Kunden individuell zugeschnittene Angebote zu offerieren, die attraktiv für Konsumenten seien, heisst es bei der Swiss-Medienstelle. SRV-Geschäftsführer Kunz erwartet eher das Gegenteil, nämlich eine Verteuerung der Tickets.

Denn längst nicht alle Reisebüros haben eine derartige Direktverbindung. Während beispielsweise TUI schweizweit aufgerüstet hat, dürften laut Kunz insbesondere kleinere Reisebüros ins Hintertreffen geraten, zumal der direkte Anschluss an die Lufthansa mit Investitionen verbunden ist.

Vor allem vermutet Kunz noch einen weiteren Grund für die Preisdifferenzen, nämlich, dass sich die Lufthansa-Gruppe dem direkten Preisvergleich mit anderen Airlines entziehen will. Denn das globale Buchungssystem macht einen einfachen Vergleich der Tarife verschiedener Airlines möglich – die Mitarbeiter haben damit nicht nur die Angebote der Swiss, sondern auch die der Konkurrenz im Blick. Durch die Direktanbindung werde es hingegen aufwendiger, Kunden den besten Preis herauszusuchen, sagt Kunz. Auch im Heimmarkt der Lufthansa ist die Branche erzürnt. Die Lufthansa wolle um jeden Preis den neutralen Marktplatz verlassen und sowohl den Preis- als auch den Servicewettbewerb verschleiern, sagt Joachim Horn vom Deutschen Reiseverband.

Gespräche statt Konfrontation

2015 hatte die Lufthansa bereits eine Gebühr von 16 Franken auf Buchungen im globalen Buchungssystem eingeführt und damit Proteste der Branche provoziert. Einzelne Reisebüros bemühten sich gar, die Lufthansa-Fluglinien zu boykottieren und Kunden wenn möglich alternative Airlines zu empfehlen. Der SRV brachte die Angelegenheit vor die Wettbewerbskommission – allerdings erfolglos. Die Branche sei davon ausgegangen, das Thema «Direktbuchungen» sei mit der Gebühr abgegolten, sagt Kunz. Doch nun zog die Lufthansa die Schraube weiter an.

Dieses Mal will der Verband weniger auf Konfrontation setzen, sondern mehr auf Gespräche. Globetrotter-Chef André Lüthi etwa hofft, dass sich die Lufthansa dazu bewegen lässt, die neuen Preisregelungen um ein Jahr auszusetzen, um den globalen Buchungssystemen die Zeit zu geben, ihre Technologie weiterzuentwickeln. In Österreich hingegen wehrt sich die Branche bereits seit längerem gerichtlich gegen die Lufthansa-Gruppe und droht mit einem Gang bis vor den Europäischen Gerichtshof.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 15:24 Uhr

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