Roche blitzt Angestellte auf Firmengelände

Der Pharmariese will in Kaiseraugst eine korrekte Fahrweise seiner Mitarbeitenden durchsetzen.

Strenges Parkplatzregime. Nur wer für den Arbeitsweg mit dem ÖV mindestens 45 Minuten benötigt, hat Anspruch auf einen Abstellplatz im Roche-Parkhaus.

Strenges Parkplatzregime. Nur wer für den Arbeitsweg mit dem ÖV mindestens 45 Minuten benötigt, hat Anspruch auf einen Abstellplatz im Roche-Parkhaus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Zockt Roche seine Mitarbeiter ab?», fragt ein empörter Roche-Angestellter in einer E-Mail an die BaZ. Es sei eine «Unverschämtheit des Unternehmens». Der Mann spricht von «Geldmacherei». Der Grund für das aufgeregte Schreiben ist das mobile Radarmessgerät, das seit knapp zwei Wochen bei der Zufahrt zum Parkhaus auf dem Roche-Areal in Kaiseraugst steht.

Die Roche blitzt somit ihre eigenen Mitarbeiter. Mediensprecher Karsten Kleine bestätigt dies gegenüber der BaZ. Das Unternehmen habe das «Präzisionsmessgerät» von einem externen Anbieter für zwei Wochen gemietet. Ziel ist gemäss Kleine eine interne Messung: «Wir wollen wissen, wie viele Fahrzeuge zum Parkhaus unterwegs sind und wie schnell sie fahren.» Auf der Zufahrtstrasse zum Parkhaus gilt Tempo 30, auf dem restlichen Areal und in den Parkhäusern Tempo 20.

Gebüsst werden die Temposünder allerdings nicht. Auch Verwarnungen werden keine ausgesprochen. Zwar gilt auf dem Roche-Areal das Schweizerische Strassenverkehrsgesetz. Das Aussprechen von Bussen ist jedoch den Organen des Staates vorbehalten. Die Roche könnte allerdings die Polizei bitten, auf ihrem Areal Kontrollen durchzuführen. Und diese wäre sicher nicht arbeitslos. Der Pharmamulti setzt regelmässig ein Smiley-Gerät auf dem Firmenareal ein. Dabei zeige sich jeweils, dass «etliche Fahrzeuge zu schnell unterwegs sind». Das Gerät liefere aber weniger präzise Angaben als der nun aufgestellte Blitzer.

Zwei Drittel kommen mit dem Auto

Was die Roche nicht sagt: Der Blitzer dürfte von den Autofahrern weitaus ernster genommen werden als das Smiley-Gerät. Intern kursieren E-Mails, die vor der Radarfalle warnen. Dies dürfte der Roche, die ihre Mitarbeiter nicht über den Blitzer informiert hatte, ganz recht sein. «Die Durchsetzung einer korrekten Fahrweise ist im Interesse der Mitarbeitenden und auch der Firma», sagt Kleine dazu.

Die Roche tut viel, um ihre Angestellten zu motivieren, nicht mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. In Basel gelingt das ganz gut: Rund 70 Prozent der Mitarbeitenden kommen mit dem Tram, dem Velo oder zu Fuss zur Arbeit. Die Standorte des Pharmamultis sind in der Stadt allerdings auch gut erschlossen und grössere Parkhäuser sind im autofeindlichen Basel selbst für das Grossunternehmen kaum durchzusetzen.

Anders sieht es in Kaiseraugst aus, wo rund 65 Prozent der Roche-Mitarbeitenden täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren. Viele zwängen sich zu Stosszeiten in die überfüllten firmeneigenen Shuttle-Busse oder steigen in die ebenfalls chronisch vollen öffentlichen Verkehrsmittel. Sie tun das meist nicht freiwillig. Denn nur Angestellte, deren Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als 45 Minuten in Anspruch nimmt, haben Anrecht auf einen (kostenpflichtigen) Parkplatz.

Auf Vorrat Parkplätze gebaut

Einige dieser «unterprivilegierten» Mitarbeiter empfinden den Blitzer nun als weitere Schikane für die Autofahrer. Es kursieren offenbar sogar Gerüchte, dass die Roche einen Kontrolleur beauftragt habe, Strafzettel an Roche-Angestellte zu verteilen, die ihre Fahrzeuge ausserhalb des Roche-Areals abgestellt haben. So zumindest schildert es der eingangs zitierte Mitarbeiter.

Laut einer anderen gut unterrichteten Quelle ist das Gejammer unter den gut bezahlten Mitarbeitern bezüglich Parkplätzen gross. Dabei gebe es sie momentan im Überfluss. Die Roche hat Parkhäuser auf Vorrat gebaut: In Kaiseraugst sind es 1920 Parkplätze – bei derzeit 2000 Angestellten. Zum Vergleich: Auf dem Campus an der Grenzacherstrasse in Basel müssen sich rund 6000 Angestellte 2100 Parkplätze teilen. Bis 2024 werden es sogar um 9000 sein.

Dass derzeit in Kaiseraugst pro Mitarbeiter ein Parkplatz zur Verfügung steht, ist nicht von Dauer. «Die Parkplatzkapazität ist an die künftige Arealentwicklung angepasst», erklärt Sprecher Kleine. Mit dem aktuell laufenden Ausbau der IT werden Arbeitsplätze von Basel nach Kaiseraugst verschoben. Die Zahl der Angestellten auf dem Areal werde damit auf deutlich über 3000 steigen.

Umfrage

Die Roche hat auf ihrem Areal in Kaiseraugst einen Blitzkasten aufgestellt und verärgert so ihre Mitarbeiter. Sind Geschwindigkeitskontrollen auf Firmenarealen sinnvoll?

Ja

 
73.9%

Nein

 
26.1%

938 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 28.07.2017, 07:00 Uhr

Artikel zum Thema

Neue Raser-Blitzer und «Smiley»-Prävention

Der Grosse Rat bewilligte am Mittwoch sechs fest installierte und sechs mobile Radar-Anlagen. Ausserdem soll eine rein präventive Massnahme mit Smileys verwendet werden. Mehr...

Polizei setzt nicht geeichten Blitzer ein

Autofahrer wehren sich gegen schlampig ausgestellte Bussen in Muttenz und suchen weitere Blitz-Opfer der «Abzockerfalle». Mehr...

Vom Rocheturm fällt Eis herunter

Vom Roche-Turm in Basel, dem höchsten Gebäude der Schweiz, ist am Freitag unerwartet Eisregen niedergegangen. Die Strasse, die am Hochhaus vorbeiführt, musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Mehr...

Kommentare

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Die Welt in Bildern

Auch ein Rücken kann entzücken: Ein Elefant zeigt sich im Joburg Zoo in Johannesburg nicht gerade von der besten Seite (18. August 2017).
(Bild: Kim Ludbrook) Mehr...