Ski-Hersteller Stöckli hat einen Lauf

Eigentlich stecken die Skihersteller derzeit in der Krise. Doch Stöckli tätigt die grösste Investition der Firmengeschichte – und will im Ausland wachsen.

Weltmeisterliche Latten. Vor zwei Jahren war Tina Maze zu WM-Gold gefahren, am Sonntagabend machte es ihr Ilka Stuhec (Foto) nach.

Weltmeisterliche Latten. Vor zwei Jahren war Tina Maze zu WM-Gold gefahren, am Sonntagabend machte es ihr Ilka Stuhec (Foto) nach. Bild: Keystone

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Die Slowenin Ilka Stuhec gewann am Sonntag in der Abfahrt Gold. Und nicht nur sie freute sich über den Sieg. Denn der gelang ihr auf Stöckli-Ski. Und mit dem bislang grössten Erfolg in Stuhecs Karriere rückten auch ihre Ski in den Fokus der Kameras. Bei Fernsehinterviews klammerte sich die 26-Jährige stets an die Bretter ihres Luzerner Ausrüsters.

Die Medienpräsenz kommt Stöckli gelegen. Das Unternehmen baut aktuell seine Skiproduktion in Malters für vier Millionen Franken aus. Es ist die grösste Investition in der über 80-jährigen Firmengeschichte. Sie erfolgt in einem Moment, in dem es beim Grossteil der Schweizer Skibranche eigentlich harzig läuft. Laut den Marktforschern von GFK Switzerland wurden im vergangenen Winter nur 206'000 Paar Ski verkauft. Vor 30 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele.

Produktion auf Hochtouren

Der grösste Schweizer Skihersteller spürt die Krise nicht. In Malters läuft die Produktion auf Hochtouren, die letzten Ski werden noch gefertigt, bevor die Hallen dann für den Umbau sechs Wochen stillgelegt werden. Die Werkstoffe für die Ski kommen mehrheitlich aus der Schweiz. Firmenchef Marc Gläser legt Wert auf das Label «Swiss made» – zumindest bei den Ski. Anders sieht es bei den Mountainbikes aus. Um in dem durch den starken Franken rauen Umfeld zu bestehen, will Stöckli dank Umbau die Produktion automatisieren und damit verschlanken. «Früher hat ein Ski in der Produktion fast zwei Kilometer zurückgelegt, bald wird es nur noch die Hälfte sein», so Gläser. In den nächsten fünf Jahren will er die Kosten um fast ein Fünftel senken.

Müssen Mitarbeiter bei Stöckli nun bangen, dass ihr Job bald von Robotern erledigt wird? Nein, sagt Gläser. Laut dem 48-jährigen Firmenchef ist die Kombination aus Maschinen und präziser Handarbeit die Stärke des Schweizer Werkplatzes. So werden etwa die maschinell gefrästen Teile in Handarbeit zu­sammengesetzt. Ein Mitarbeiter legt 21 Schichten wie Kanten, Holzkern und Kunststoffe übereinander. Danach drückt eine hydraulische Presse diese mit dem Gewicht von 50 Tonnen zusammen. ­Trockenleim, der sich unter dem Druck verflüssigt, verklebt die Materialien zu einem Skirohling. Als Nächstes schleift eine Maschine die Metallkanten des Rohlings und verpasst dem Belag eine stromlinienförmige Struktur, die für Wasserverdrängung sowie Reibung des Skis verantwortlich ist. Das Ergebnis: fertige Ski mit rasiermesserscharfen Kanten.

Die Schleifmaschinen sind Spezialanfertigungen, die in Zusammenarbeit mit der Firma Montana aus Stans entwickelt wurden. Insgesamt hat Stöckli elf neue Maschinen gekauft, diese verschlingen rund die Hälfte der investierten vier Millionen. Weitere zwei Millionen kostet der Umbau der Produktionshalle. Und der war dringend nötig. Seit 1986 ist die Halle auf rund 25'000 Paar Ski pro Jahr ausgelegt. In den vergangenen Jahren stellte Stöckli fast 50'000 Paar Ski pro Jahr her. Die Anlage lief am Anschlag. Im März, wenn der Ausbau abgeschlossen ist, soll die Kapazitätsgrenze neu bei rund 65'000 Paar liegen.

Das Auslandsgeschäft wächst

Forcieren will Gläser vor allem das Exportgeschäft. Fast jeden zweiten Ski verkauft Stöckli heute im Ausland. Die wichtigsten ausländischen Absatzmärkte sind Österreich, Italien und die USA. In zehn Jahren sollen drei Viertel der Ski ausserhalb der Schweiz abgesetzt werden. In der Schweiz möchte Stöckli Umsatz und Marktanteil stabil halten. Im schrumpfenden Markt ist dies allerdings kein einfaches Unterfangen. Stöckli erzielt einen Umsatz von rund 65 Millionen Franken. Zur Profitabilität sagt Gläser nur, dass Stöckli zwar Gewinn schreibe, aber die «Ertragssituation verbesserungswürdig» sei. Mit dem Umbau soll diese verbessert werden und damit das Engagement im Skirennsport langfristig sichern, das 2,5 Millionen Franken pro Jahr verschlingt. Der Druck aus dem Weltcup sei wichtig. Er helfe, um innovativ zu sein und die Firma auf Trab zu halten, sagt Gläser.

Wie wichtig der Spitzensport für Stöckli ist, zeigt das frühere Aushängeschild, Skifahrerin Tina Maze. Mit der Slowenin landete Stöckli 2008 einen Glücksgriff. Damals noch unbekannt, steigerte sie sich bis zur dominierenden Figur des Skisports. Noch nie fuhr eine Athletin in einem Rennjahr mehr Punkte heraus als Maze 2013. Sie holte in ihrer Zeit mit Stöckli vier Weltmeistertitel und zwei Goldmedaillen an den Olympischen Spielen.

Dieser Tina-Maze-Effekt, so Gläser, habe ungefähr 2008 eingesetzt und vor allem die Verkäufe im Ausland angekurbelt. Nach dem angekündigten Rücktritt Mazes im Januar hat Stöckli mit der frischgebackenen Weltmeisterin Ilka Stuhec eine würdige Nachfolgerin gefunden. Die Slowenin gewann in diesem Winter bereits fünf Weltcuprennen und führt vor Lara Gut den Abfahrtsweltcup an. Das erklärte Ziel von Stöckli bleibt aber, Schweizer Topathleten zu sponsern. Gläser denkt an die Aus­hängeschilder Beat Feuz und Lara Gut. Allerdings scheiterten die Verhandlungen mit Gut, die später mit dem österreichischen Konkurrenten Head handelseinig wurde. «Ich habe alles versucht», so Gläser. Und ergänzt: «Eigentlich müsste jeder Schweizer einen Ski fahren, der in der Schweiz hergestellt wird.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2017, 09:27 Uhr

Im Bikegeschäft läuft es harzig

Rückzug aus dem Profisport

Im Bikesport ist Stöckli international nicht mehr präsent. Nur zwei Monate nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro löste die Firma ihr Profiteam mit den Schweizer Aushängeschildern Jolanda Neff und Mathias Flückiger auf. In der Szene hinterliess dies viele offene Fragen. Denn mit Neff hatte Stöckli eine der dominierenden Figuren des Mountainbikesports unter Vertrag. Stöckli-Chef Marc Gläser betont, dass man im Bikebereich international keine Ambitionen mehr habe. Mit 4000 verkauften Velos habe Stöckli nicht die kritische Grösse, die man in diesem Segment brauche. Dazu seien mehr als doppelt so viele Verkäufe nötig. In zwei von 15 Stöckli-Filialen werden neu auch Velos des Schweizer Konkurrenten BMC verkauft. «Die Stöckli-Fahrräder wird es auch weiterhin geben», so Gläser. Anders als die Ski sind diese jedoch nicht ganz so schweizerisch. Wie in der Branche üblich werden die Fahrräder fast vollständig in Asien produziert, weshalb lediglich «engineered in Switzerland» auf den Rahmen steht. (hic)

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