Die Starbucks-Expansion im Zeitraffer

27’000 Shops in 70 Ländern: Wie Starbucks in den letzten zwei Jahrzehnten die Welt erobert hat – und nun auch im Kaffeeland Italien Fuss fasst.

Schon dreimal kündigte Starbucks an, in Italien Filialen zu eröffnen. Geklappt hat es bisher nie. Zu gross war der Widerstand im Land der Kaffeekultur, zu gesättigt schien der Markt. 800 Röstereien und über 149’000 Espressobars kommen hier auf 60 Millionen Einwohner. Caffè ist das Nationalgetränk. Viele Italiener glauben gar, er sei in ihrem Land erfunden worden.

Doch jetzt macht Starbucks Ernst: Noch dieses Jahr eröffnet die grösste Kaffeekette der Welt im Herzen von Mailand eine rund 2400 Quadratmeter grosse Rösterei mit Shop. Es wird die erste ihrer Art in Europa sein und die fünfte weltweit. In der ehemaligen Post an der Piazza Cordusio sollen Besucher den Prozess der Kaffeeherstellung mitverfolgen und neue Produkte probieren können.

Die Suche nach Betreibern und Personal läuft auf Hochtouren. Am 1. Februar finden im Marriott Hotel Mailand Vorstellungsgespräche statt. Nach der Eröffnung sollen einige klassische Starbucks-Filialen in der Stadt entstehen. Und auch in Rom an der Piazza di Spagna und beim Bahnhof Termini sind zwei Ableger geplant.

Die Starbucks-Expansion, 1971–2017

Damit wird Italien das 71. Land, in das Starbucks expandiert. 1971 öffnete am Pike Place Market in Seattle der erste Laden, das grosse Wachstum begann aber erst Ende der 80er-Jahre. 1995 gab es in den USA und in Kanada schon 677 Filialen. Seinen internationalen Siegeszug startete Starbucks ein Jahr darauf in Japan und Singapur. Seither kam jährlich mindestens ein Land dazu.

Zusammen mit Österreich war die Schweiz das erste Land auf dem europäischen Kontinent, in dem Starbucks Fuss fasste. Im März 2001 öffnete am Zürcher Central die erste Filiale ihre Tore, mittlerweile sind es hierzulande über 60.

In den letzten zwei Jahrzehnten dehnte Starbucks-CEO Howard Schultz sein Imperium von Nordamerika auf alle Kontinente aus. Die Zahl der Filialen explodierte von Ende der 90er-Jahre bis 2008 regelrecht. Dann stockte die Expansion drei Jahre lang. Doch seit 2012 wächst der weltweit grösste Anbieter von Kaffeespezialitäten wieder rasant. Mehr als 27’000 Coffeeshops in 70 Ländern hat er heute.

Laut Starbucks sind 300 Filialen in Italien möglich. Kritiker zweifeln jedoch, ob sich das Unternehmen überhaupt gegen die jahrhundertealte Kaffeehauskultur Italiens behaupten kann. Ein grosses Problem könnten seine vergleichsweise hohen Preise werden. Denn üblicherweise zahlen die Italiener für einen Caffè nur 1 Euro.

Die Mailänder, die eine Bar in der Nähe der Piazza Cordusio betreiben, schauen der Eröffnung der Starbucks-Rösterei gelassen entgegen. «Der traditionelle Espresso ist tief verwurzelt in unserer Kultur», sagte Eleonora Fornaciari vom Caffè Rivoli gegenüber dem National Public Radio. Starbucks werde den authentischen italienischen Kaffee nie ersetzen.

«In Italien gibt es wenig Menschen, welche die Produkte von Starbucks mögen.»Vito Bossi, Barbesitzer in Mailand

Vito Bossi, dessen Bar Cordusio gleich vis-à-vis dem Starbucks liegen wird, freut sich sogar auf den Riesen, weil er mehr Kunden und Touristen anlocken könnte. «Wir sind eine italienische Bar. In Italien gibt es wenig Menschen, welche die Produkte von Starbucks mögen.»

Schultz wusste bei der Bekanntgabe seines Röstereiprojekts um das hohe Traditionsbewusstsein und den Widerstand, auf den er treffen würde. «Wir kommen nicht nach Italien, um den Italienern beizubringen, wie Kaffee hergestellt wird», beschwichtigte er. Sein Unternehmen komme in «grosser Demut» und wolle sich mit Arbeit den Respekt und das Vertrauen des italienischen Kunden verdienen.

Von hier aus will Starbucks Italien erobern: Die ehemalige Post in Mailand. (Bild: PD)

Für Schultz geht mit dem Projekt ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Vor 34 Jahren war er auf einer Reise nach Mailand so beeindruckt von der Popularität der dortigen Espressobars, dass er das Konzept kurzerhand für die USA adaptierte – und so den Grundstein für das heutige Starbucks-Imperium legte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.01.2018, 18:26 Uhr

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