Finanz-Wunderkind entmachtet

Jan Schoch galt als einer der innovativsten Köpfe des Finanzplatzes – bis der steile Aufstieg seiner Leonteq gebremst wurde. Nun greift der Verwaltungsrat ein.

Schneller Aufstieg: Jan Schoch feierte mit Leonteq grosse Erfolge, nun wurde er als Chef abgesetzt.

Schneller Aufstieg: Jan Schoch feierte mit Leonteq grosse Erfolge, nun wurde er als Chef abgesetzt. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Jan Schoch hat einen rasanten Aufstieg hingelegt. Der 40 Jahre alte Unternehmer hat aus einer Tochter der Zürcher Bank EFG in kurzer Zeit eine zeitweise schnell wachsende Jungfirma geformt. Leonteq entwickelt für Banken Finanzprodukte – und hatte damit grossen Erfolg. Die «Handelszeitung» kürte ihn deshalb 2014 zum CEO des Jahres. Das lohnte sich für Schoch auch finanziell. Er schaffte es zusammen mit den Leonteq-Gründungspartnern auf die Reichstenliste des Wirtschaftsmagazin «Bilanz».

Es kriselte aber schon länger bei Leonteq. Nun hat ihn das Schicksal vieler Gründer ereilt: Er ist nicht mehr Chef seiner eigenen Firma. Das teilte das Unternehmen heute mit. Er bleibe Leonteq aber als Berater erhalten, heisst es in der Mitteilung. Sein Nachfolger werde noch gesucht. Bis dieser gefunden sei, übernehme Schochs Stellvertreter Marco Amato den Chefposten.

Mit dem Chauffeur von Appenzell nach Zürich

Schoch schliesst 2001 sein Wirtschaftsstudium in St. Gallen ab. Danach arbeitete er bei verschiedenen Banken in London und Zürich. Mit 29 Jahren gehört er 2007 zum Gründungsteam von Leonteq. Auf einen Computer und einen eigenen E-Mail-Account verzichtete er. Zudem pendelte er seit Jahren aus seiner Appenzeller Heimat nach Zürich. Den Wagen lenkte er nicht selbst, dafür hatte er einen Chauffeur. Die Fahrtzeit nach Zürich nutzte er, um zu arbeiten. Aus Verbundenheit zur Ostschweiz kaufte er sich in Gonten AI sogar einen Gasthof, als dieser wirtschaftlich schlechte Zeiten durchmachte.

Aus seiner Heimat lenkt er den Kurs von Leonteq. Schon 2010 ging die Firma an die Börse. Von 25 Franken kletterte der Aktienkurs bis Mitte 2015 auf weit über 200 Franken. Leonteq konnte mehr und mehr Partnerbanken für sich gewinnen, die ihre Finanzprodukte mit Leonteq aufsetzten. Der Umsatz stieg, die Gewinne wuchsen. Statt vier zählte sie plötzlich 450 Mitarbeiter. Die Firma expandierte bald schon nach London und Singapur, wo sie sich teure Niederlassungen leistete. Auch in Zürich mietete sie beste Räumlichkeiten an der Europaallee.

Leonteq in der Krise

Seit mehr als einem Jahr rumort es bei Leonteq. Die Firma wuchs einfach nicht so schnell, wie es sich die Gründer und Investoren vorgestellt hatten. Neue Kunden kamen nur noch spärlich hinzu. Eine wichtige Partnerbank sprang sogar ab. Auf Leonteq kam aber noch mehr Ungemach zu. Die Firma hatte Ärger mit der Finanzmarktaufsicht Finma. Sie büsste Leonteq wegen Marktmanipulation. Bei einem von Leonteq für die Bank Raiffeisen entwickelten Finanzprodukt war es zu Unregelmässigkeiten gekommen. Die schlechten Nachrichten wirkten sich auch auf die Aktie aus. Anfang dieses Jahres sank der Kurs der Leonteq-Papiere auf nur noch 30 Franken.

Raiffeisen ist nicht nur ein wichtiger Partner von Leonteq, sondern auch ein bedeutender Aktionär. Doch gab das Investment dort wenig Anlass zur Freude. Die Bank musste zu Beginn des Jahres eine Wertberichtigung von 69 Millionen Franken auf dem Leonteq-Paket vornehmen. Seit einiger Zeit ist auch der Hedgefonds-Investor Rainer-Marc Frey am Unternehmen beteiligt.

Der Druck der Eigner stieg, vor allem Frey soll grossen Einfluss genommen haben. Die Aktionäre forderten schlankere Strukturen bei Leonteq. Dafür brauchte es einen Sparkurs und eine neue Führungsriege. 80 Stellen wurden letztes Jahr gestrichen. Auch Schoch galt als angezählt. An seinem Abgang werde hinter den Kulissen schon längst gearbeitet, hiess es bei Kennern der Szene.

Neue Bank gegründet

Zwar wurde die Führungsetage in letzter Zeit immer wieder umgebaut, doch konnte sich Schoch trotz Gegenwind halten. Noch Ende August sagte Schoch der «Bilanz»:

«Ich bin überzeugt, dass ich heute als CEO in der richtigen Position bin.»Jan Schoch

Nun wurde der Druck aber zu gross. Schoch tritt nach zehn Jahren als Leonteq-Chef ab. Gleichzeitig wird auch der Verwaltungsrat von Leonteq neu besetzt. Dort amtet nun mit Christopher Chambers ein Vertrauter von Investor Frey als Präsident. Bei den Analysten der Neuen Helvetischen Bank kommt das gut an. Sie glauben, dass die Firma unter der neuen Führung eher wieder wachsen kann.

Langweilig dürfte es Schoch dennoch nicht werden. Er hat bereits vor einiger Zeit ein neues Projekt lanciert. Die von ihm lancierte Bank Flynt ist nach langem Vorlauf vor kurzem gestartet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2017, 14:43 Uhr

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