Klaus Schwab: Feiernde Banker am WEF «ausser Kontrolle»

Die Topbanker kamen nicht ans Weltwirtschaftsforum in Davos, um über die Wirtschaft zu diskutieren, sondern um rauschende Luxuspartys zu feiern. Das sagt WEF-Gründer Klaus Schwab.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Krise an den Finanzmärkten ist auch eine Krise des Weltwirtschaftsforums in Davos. Heute, auf dem Höhepunkt der schlimmsten Finanzkrise seit Jahrzehnten, gesteht Gründer Klaus Schwab ein, dass die meisten Topbanker den Weg nach Davos nicht auf sich nahmen, um den Warnungen kritischer Zeitgenossen zuzuhören – sondern um sich zu amüsieren und um Kunden zu buhlen. «Die Partys haben nach und nach überhand genommen», räumt er in einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ein, «wir liessen zu, dass sie ausser Kontrolle gerieten.»

Der 70-Jährige bedauert heute, dass er die Banken-Chefs nicht mit mehr Nachdruck dazu gedrängt hat, sich ernsthaft mit der Gefahr einer globalen Kreditkrise auseinanderzusetzen. Wenn er es jedoch wagte, die Logik ihrer realitätsfernen Weisheiten zu den aufgeblähten Vermögenswerten zu hinterfragen, haben die Finanzleute ihn wie eine Kassandra behandelt, sagt Schwab heute.

«Man hat uns kein Gehör geschenkt»

Ursprünglich hatte Schwab die jährliche Konferenz in Davos als akademisches Forum gegründet, in welchen die globalen Eliten ökonomische Debatten führen sollten. Unter dem wachsenden Einfluss der Wallstreet jedoch geriet die Auseinandersetzung mit den drängenden Wirtschaftsproblemen immer stärker in den Hintergrund – obwohl Ökonomen seit Jahren vor dem Finanzkollaps warnten. Schwab sagt, dass das WEF bereits 2003 begonnen habe, Investmentbanken, Versicherungsgesellschaften und Hedge Funds vor den Risiken zu warnen, die an der Weltwirtschaft nagten. «Man hat uns aber kein Gehör geschenkt.»

Der operative WEF-Chef Kevin Steinberg findet noch deutlichere Worte: «Viele Wirtschafsführer zeigten mehr Interesse an der Aufgabe, sich den grössten Partyraum im Hotel zu sichern, als sich an den Debatten der Konferenz zu beteiligen.» Er wirft den Bankern Verantwortungslosigkeit vor – «weit folgenschwerer, als dass man sich dies überhaupt vorstellen kann.»

Folgenschwere Verantwortungslosigkeit

Die enormen Geldsummen, welche die Wall-Street-Stars für die Teilnahme am WEF zu berappen hatten, trugen dazu bei, dass sich die Organisatoren mehr und mehr von den Banker vereinnahmen liessen und deren Mantra öffentlichkeitswirksam vertraten. Steinberg: «Wir erfüllten der Finanzelite jeden Wunsch: Einzelreferate, Luxushotels und VIP-Sonderbehandlung, die wir für niemanden sonst geleistet hätten. Wir boten ihnen ein Forum, um sich zu inszenieren.»

Doch damit soll nun Schluss sein: Schwab hat nun ein Rettungspaket für das WEF geschnürt. Er will die Konferenz zurück zu seinem intellektuellen Ursprung führen. Davos soll im Januar 2009 das «Bretton Woods» des neuen Jahrtausends werden. Im kleinen amerikanischen Örtchen trafen sich 1944 – noch vor Ende des 2. Weltkriegs - die Siegermächte und beschlossen ein stabileres globales Währungssystem.

Wirklich der richtige Rahmen?

An der Konferenz in Davos sollen dabei neue globale Regeln für die internationalen Finanz- und Handelsbeziehungen erarbeitet werden. Schwabs Absichten stossen indessen bereits auf Kritik. Unternehmen zahlen bis zu 750'000 Dollar, damit ihre Führungskräfte in Davos dabei sein können. Nicht nur WEF-Veteranen bezweifeln, ob dies der richtige Rahmen ist, ein strenges Regelwerk zu definieren, das ein stabileres globales Wirtschaftssystem garantiert. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.10.2008, 16:32 Uhr

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...