Öl gibts noch lange - oder doch nicht?

Die Urteile zur Zukunft des Erdöls klaffen auseinander: Während die Anhänger der «Peak-Oil»-Theorie vor einem schrumpfenden Angebot warnen, registilert der Ölmulti Exxon stetig wachsende Ölreserven.

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Wie lange haben wir noch genug Erdöl? Nicht mehr lange, sagen die Vertreter der «Peak-Oil»-Theorie. Immer länger, vertritt hingegen der Energiekonzern ExxonMobil in seinem neuesten Bericht «Oeldorado 2008». Die Kontroverse basiert auf unterschiedlichen Methoden und Daten.

Andere Methode. Die Mitglieder der «Association for the Study of Peak Oil» (Aspo), angeführt vom Geologen Colin Campbell, orientieren sich an der – pro Tag oder Jahr – maximal förderbaren Ölmenge. Sie gehen davon aus, dass dieses Fördermaximum (Peak) heute bereits erreicht ist oder in den nächsten Jahren erreicht wird. Danach werde die Fördermenge und damit das Angebot an Erdöl Jahr für Jahr sinken.

Der Ölkonzern ExxonMobil hingegen stützt sich auf die «gesicherten» – genauer: auf die nachgewiesenen und mit heutiger Technik wirtschaftlich abbaubaren – Ölreserven, die noch im Boden ruhen. Diese Vorräte reichten immer länger aus, zeigt der neueste «Oeldorado»-Bericht, den Exxon am Freitag veröffentlichte. Demnach sind diese weltweit gesicherten Reserven von 1957 bis 2006 auf den fünffachen Wert gestiegen. Und im Jahr 2007 haben sie gegenüber dem Vorjahr um weitere 1,1 Prozent auf total 180,7 Milliarden Tonnen zugenommen.

Bei gleichbleibendem Verbrauch von heute jährlich 3,9 Milliarden Tonnen würden diese Vorräte noch 46 Jahre ausreichen. Exxon aber erwartet, dass sowohl der Verbrauch als auch die Reserven dank neuer Funde und weiteren Fortschritten in der Fördertechnik weiter zunehmen werden. Der aktuelle Höhenflug des Rohöl-Preises sei deshalb nicht auf eine baldige Verknappung des Angebots zurückzuführen, sondern auf eine «ungeheure Spekulationsblase».

«Paradox.» Für die scheinbar paradoxe Situation, dass bei wachsendem Verbrauch eines nicht nachwachsenden Energieträgers der Vorrat stetig steigen kann, gibt es zwei Gründe: Erstens werden zuweilen neue Ölfelder entdeckt. Zweitens erhöhen technische Fortschritte und höhere Preise die wirtschaftlich förderbare Menge. Die «Schwarzseher» des Club of Rome und der «Peak- Oil»-Theorie, so schreibt Exxon, würden die Dynamik dieser technischen und wirtschaftlichen Entwicklung unterschätzen.

Rosa Brille. Bei der Exxon-Publikation handelt es sich allerdings nicht um eine allgemein anerkannte Statistik, sondern um die Sicht einer am Erdölverkauf interessierten Firma, welche die Erdölzukunft besonders optimistisch beleuchtet. Damit unterscheidet sie sich nicht nur methodisch von der skeptischen Sicht der Aspo. Differenzen gibt es auch bei den Daten. Beispiel: Laut «Oeldorado» haben die sicheren Ölreserven in den letzten zehn Jahren immer noch stärker zugenommen als die seit 1997 weltweit verbrauchte Menge Erdöl. Laut Aspo hingegen war die verbrauchte Menge in den letzten zehn Jahren viel grösser als die zusätzlichen Funde von konventionellem Erdöl, womit die Reserven geschrumpft sind. Selbst gegenüber anderen Erdölfirmen fällt die Exxon-Sicht schönfärberisch aus. Die Weltenergie- Statistik von British Petroleum (BP) zum Beispiel weist zwischen 2006 und 2007 – im Unterschied zu Exxon – eine Abnahme der Reserven aus. BP-Chef Tony Harward bezweifelte diesen Sommer die Aussage von Exxon, die Preishausse beim Erdöl entspringe einer blossen Spekulationsblase, und er folgerte: «Die Ära billiger Energie ist wahrscheinlich vorüber.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.08.2008, 18:49 Uhr

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