Zurich-Chef beerdigt Ziel zum Abbau von 8000 Jobs

Neue Regeln in Grossbritannien belasten das Resultat des Versicherungskonzerns im ersten Halbjahr. Zurich-Chef Mario Greco äusserte sich zum Sparprogramm.

Der Reingewinn ist im ersten Halbjahr 2017 um 7 Prozent gesunken: Zurich-Versicherung. (Archivbild)

Der Reingewinn ist im ersten Halbjahr 2017 um 7 Prozent gesunken: Zurich-Versicherung. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Zurich musste in England und Wales seine Reserven in der Schaden- und Unfallversicherung erhöhen, nachdem die britische Regierung den Diskontsatz zur Berechnung von Personenschaden- und Unfallforderungen verändert hatte. Dadurch wurde der Betriebsgewinn (BOP) mit 289 Millionen Dollar belastet und stagnierte bei 2,17 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Ohne diese Gesetzesänderung wäre der Betriebsgewinn um 14 Prozent gestiegen. «Das ist ein gutes Ergebnis», sagte Konzernchef Mario Greco in einer Telefonkonferenz: «Wir sind damit zufrieden.» Man habe profitablere Versicherungsverträge abgeschlossen, neue Kundensegmente erschlossen und die Kosten gesenkt.

Stellenabbauziel beerdigt

Von der geplanten Einsparung von 1,5 Milliarden Dollar bis 2019 seien bereits 550 Millionen erreicht, sagte Greco: «In relativ kurzer Zeit haben wir schon mehr als ein Drittel des Ziels erreicht. Das ist gut.» So habe man den Hebel bei der IT und Verträgen mit Lieferanten angesetzt. Auch am Hauptsitz seien Kosten gesenkt worden.

Explizit beerdigte Greco nun auch offiziell das Ziel zum Abbau von 8000 Stellen, das vor seinem Amtsantritt im letzten Jahr ausgegeben worden war. «Dieses Ziel zur Streichung von 8000 Jobs existiert nicht mehr», sagte der Italiener, der seit März 2016 den Zurich-Konzern führt.

«Das war nie ein Teil unserer strategischen Ziele», sagte Greco. Man schaue alle Kostenebenen an, habe aber keine spezifischen Zahlen für den Personalbestand oder einen Personalabbau.

Insgesamt hat der Konzern die Erwartungen der Finanzgemeinde übertroffen. Analysten hatten mit weniger Gewinn gerechnet. Die Experten lobten die Fortschritte beim Sparprogramm und die operativen Verbesserungen. An der etwas schwächeren Schweizer Börse legte die Aktie bis zum Mittag ganz leicht zu.

Grösste Sparte mit weniger Gewinn

Die Gesetzesänderung in Britannien schlug sich vor allem in der Schaden- und Unfallversicherungssparte nieder. Die grösste Division des Konzerns musste einen Rückgang des Betriebsgewinns um 15 Prozent auf 1 Milliarden Dollar hinnehmen. Ohne die Gesetzesänderung wäre der Betriebsgewinn um 2 Prozent gewachsen.

Der Schaden-Kosten-Satz (sog. Combined Ratio) verschlechterte sich wegen des Sondereffekts um 1,4 Prozentpunkte auf 99,5 Prozent. Ohne den Sondereffekt hätte er sich leicht verbessert. Unter 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch profitabel.

Die Kosten für Naturkatastrophen seien etwas höher gewesen als üblicherweise in dieser Jahreszeit, sagte Finanzchef George Quinn. Allerdings fielen sie um etwa 100 Millionen Dollar tiefer aus als vor einem Jahr. Damals hatten Stürme in Europa und Waldbrände in den USA aufs Ergebnis geschlagen. Heuer seien es der Wirbelsturm Debbie in Australien sowie Hagelzüge in den USA und der Schweiz gewesen, sagte Quinn.

Die Bruttoprämien und Policengebühren sanken um 3 Prozent auf 18 Milliarden Dollar. Dabei wirkte sich aus, dass der Konzern Geschäftstätigkeiten in Südafrika, Marokko, im Nahen Osten und Taiwan aufgegeben hatte.

Lebensversicherung legt zu

Im Lebensversicherungsgeschäft klingelten indes die Kassen. Obwohl die Bruttoprämien, Policengebühren und Beiträge mit Anlagecharakter um 3 Prozent auf 14,36 Milliarden Dollar sanken, stieg der Betriebsgewinn der Sparte markant um 16 Prozent auf 650 Millionen Dollar.

Zum Anstieg hätten alle Segmente beigetragen, hiess es. So sei das Privatkundengeschäft von Macquarie Life in Australien erfolgreich integriert worden. Japan und Lateinamerika hätten ein solides Wachstum gezeigt. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika vermochten die niedrigeren Kosten den Rückgang des Betriebsgewinns in einigen Ländern ausgleichen.

Beim US-Versicherer Farmers, wo Zurich vor allem externes Geschäft administriert und Gebühren kassiert, verdiente der Schweizer Konzern etwas mehr. Der Betriebsgewinn von Farmers Management Services legte um 3 Millionen auf 700 Millionen Dollar zu. (chk/sda)

Erstellt: 10.08.2017, 07:35 Uhr

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