Donald Trump wird zum Staatsmann

Der US-Präsident spricht in Davos vor einem kritischen Publikum über seine Erfolge.

Regulierungen würden die Wirtschaft unnötig behindern und sie würden von Bürokraten geschaffen, welche nicht gewählt seien und keine demokratische Legitimation hätten, sagte Donald Trump.

Regulierungen würden die Wirtschaft unnötig behindern und sie würden von Bürokraten geschaffen, welche nicht gewählt seien und keine demokratische Legitimation hätten, sagte Donald Trump.

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Das Gedränge vor dem grossen Saal des Davoser Kongresszentrums war schon eine Stunde vor Beginn der Rede von Donald Trump so dicht, dass es den im Foyer stattfinden Empfang der Vereinigten Arabischen Emirate zu ruinieren drohte. Alle wollten ihn sehen, aber wirklich alle. Unter den Wartenden herrschte eine Mischung aus Interesse und unverhohlener Sensationslust.

«Die Erwartungen sind niedrig», hatte es im Vorfeld immer wieder geheissen. Und diese niedrigen Erwartungen dürfte Donald Trump deutlich übererfüllt haben. Nach einer Einführung durch Klaus Schwab, der dem Präsidenten für seine erfolgreiche Steuerreform gratulierte, fing Trump an, die Errungenschaften seiner Regierung zu preisen. Das tat er aber nicht in seiner üblichen marktschreierischen, sondern durchaus staatsmännischen Manier. Er erklärte, wie gut die Wirtschaft laufe, dass noch nie so viele Stellen geschaffen wurden wie seit seiner Wahl und dass man nun mit der Steuerreform mehr Jobs geschaffen habe – und mehr Einkommen auch für Familien und Leute mit kleinem Lohn. Was ihn besonders freue sei, dass Hunderte von US-Firmen ihren Mitarbeitern schon jetzt in Erwartung tieferer Steuern höhere Löhne bezahlen würden. Das wirke sich bereits jetzt auf die Kaufkraft und die Wirtschaft positiv aus, und eine so schnelle Reaktion habe man nicht erwarten können.

Dinner mit 15 Wirtschaftschefs

Weiter erzählte er von seinem Dinner am Donnerstag mit 15 Unternehmenschefs, bei dem er jeden CEO fragte, wie viel er denn in den USA investiere. Ein im Internet kursierendes Video zeigt, wie sich die Bosse vor Trump rechtfertigen wie die Kinder vor dem Samiklaus. Während von Teilnehmern am Morgen eher ein säuerliches «Es war gut» zu hören war, sagte Trump in seiner Rede, er sei sich sicher, er habe nun 15 Freunde gewonnen. Am Anfang sei er erstaunt gewesen, als einer der CEOs gesagt hätte, er würde zwei Milliarden neu in den USA investieren, doch habe er im Lauf des Abends realisiert, dass jener mit den zwei Milliarden im Vergleich zu den andern Chefs doch recht knausrig gewesen sei.

Besonders ausführlich betonte Donald Trump, wie viele Regelungen, Regulierungen und Behinderungen für die Wirtschaft die US-Regierung nun eliminiert habe. Er habe sein Kabinett angewiesen, dass für jede neue Regulierung mindestens zwei aufgehoben werden müsse. Man habe aber pro neue Regelung im ersten Jahr nicht eine, sondern 22 Regulierungen aufgehoben.

Regulierungen würden die Wirtschaft unnötig behindern und sie würden von Bürokraten geschaffen, welche nicht gewählt seien und keine demokratische Legitimation hätten. Bei diesem Satz murrte es hörbar im Saal, sind doch viele der WEF-Besucher Mitarbeiter von staatlichen Organisationen und zuständig für genau diese Regulierungen.

Solche tief greifenden Änderungen zugunsten einer unternehmensfreundlicheren Umgebung könne nur ein Geschäftsmann machen, sagte Trump . Er sei der erste Geschäftsmann im Präsidentenamt in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Vorher seien alle entweder Politiker oder Generäle gewesen. Dabei vergisst er allerdings Herbert Hoover, der ein extrem erfolgreicher Geschäftsmann war und die USA von den «Roaring Twenties» in die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre geführt hat.

Donald Trump betonte weiter, er sei immer gut darin gewesen, erfolgreich Geschäfte abzuschliessen und viel Geld zu verdienen. (Bei diesem Satz lachte der Saal unverhohlen). Und er würde diese Fähigkeit nun für sein Land einsetzen. Schliesslich sei jedes Staatsoberhaupt der Cheerleader seines Landes und er sei der Cheerleader der USA. Dabei sei wichtig zu wissen, dass «America First» nicht «America Alone» bedeute. Er sei offen für bilaterale Abkommen aller Art mit denen man die Welt zu einem besseren Ort für jeden machen könne.

Der Saal quittierte die Rede mit Applaus, weder frenetisch noch zurückhaltend. Die ersten Reaktionen reichten von «unfallfrei» bis «staatsmännisch», womit er die Erwartungen übertroffen hat. «Es war die richtige Rede für dieses Publikum, für den Moment machte er einen guten Eindruck, was sich allerdings schnell wieder ändern kann», hiess es etwa bei Beobachtern. Zudem habe Trump offenbar zwei Modi, den lauten, dröhnenden Wahlkampfmodus, den man zu 95 Prozent der Zeit wahrnehme, und einen deutlich konzilianteren Ton, den man jetzt gehört habe.

Martin Naville, Leiter der Handelskammer USA-Schweiz, war ebenfalls zufrieden. Donald Trump habe nicht provoziert, sei nicht vom Skript abgewichen, habe keine Themen ausgelassen und auch alle nötigen Themen angesprochen.

Unmittelbar nach der Rede bestieg Donald Trump den Helikopter Marine One und flog in den winterlichen Abend hinein in Richtung Zürich und weiter in die USA. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.01.2018, 08:11 Uhr

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