Wie Schweizer Kleinanleger an der Börse handeln

Jeder Fünfte hat schon einmal getradet. Je nach Geschlecht, Vermögen und Alter gibt es grosse Unterschiede.

Schaut sich die Entwicklung an den Börsen an: Ein Mann handelt am Laptop. Foto: iStock

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Aktien, Obligationen, strukturierte Produkte – die meisten Menschen schrecken solche Begriffe ab. Wenn, dann überlassen sie es ihrem Kundenberater bei der Bank, diesbezüglich Vorschläge zu machen. Doch überraschend viele Schweizerinnen und Schweizer handeln auch selbstständig an der Börse. Wie eine neue Umfrage des Online-Vergleichsdienstes Moneyland.ch zeigt, hat ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 74 Jahren schon einmal Wertpapiere oder andere Produkte getradet, zum Beispiel via Onlineplattform.

Am häufigsten werden Schweizer Aktien gekauft. 54 Prozent der Trader handeln diese in unterschiedlicher Häufigkeit, das ist jeder zehnte Erwachsene in der Schweiz. Am zweitpopulärsten sind europäische Aktien, die von gut einem Drittel der Befragten gehandelt werden, gefolgt von Anlagefonds (26 Prozent), amerikanischen Aktien (21 Prozent), Schweizer Obligationen (17 Prozent).

Bitcoin ist unter Tradern bereits erstaunlich populär. 15 Prozent haben die Kryptowährung, die Ende 2017 einen Boom hatte, schon einmal gekauft. Dafür sind ETF – also passive Anlagefonds – in der Schweiz immer noch weit weniger beliebt als aktiv gemanagte Fonds. Das sei aufgrund der höheren Gebühren der aktiv gemanagten Anlagefonds einigermassen erstaunlich, schreibt Moneyland.

«Was viele Schweizer Traderinnen und Trader nicht wissen: Es gibt je nach Bank und Broker riesige Gebührenunterschiede im Trading», sagt Benjamin Manz, der Geschäftsführer von Moneyland. Ein individueller Gebührenvergleich lohne sich deshalb, bevor man sich für eine Trading-Plattform entscheide.

Online-Trading-Angebote im Vergleich: Klicken Sie auf das Bild, um die Tabelle zu vergrössern. (Quelle: Moneyland)

«Die Hürden, den Anbieter zu wechseln, sind bei uns relativ hoch. Das spielt den Banken in die Hände», sagte Manz schon im Zusammenhang mit einer Auswertung, die Moneyland im November im Auftrag der Redaktion Tamedia erstellte. Dafür wurden die Trading-Gebühren von Anbietern verglichen, die über eine Zulassung in der Schweiz verfügen. Das Resultat: Vor allem die auf Onlinetrading spezialisierten Plattformen bieten in der Regel die besten Konditionen. Je nach Einkommensklasse und Anbieter können Privatanleger viel Geld sparen (siehe Tabelle oben).

Gemäss der neuen Erhebung spielt das Einkommen ohnehin eine entscheidende Rolle: Die Umfrage ergab, dass es einen deutlichen Zusammenhang gibt zwischen dem Vermögen und der Wahrscheinlichkeit, dass eine Person Wertpapiere und andere Anlageprodukte kauft. Nur 8 Prozent der Schweizer mit einem Vermögen bis 20’000 Franken haben schon einmal getradet. Bei Millionären sind es mehr als zwei Drittel.

Auch je nach Geschlecht, Alter und Region gibt es grosse Unterschiede. Traden ist in erster Linie Männersache: Während 29 Prozent der Männer schon einmal an der Börse gehandelt haben, sind es bei den Frauen gerade einmal 11 Prozent. Zudem gilt die Faustregel: Je älter, desto eher kaufen Trader Aktien und Anlagefonds. Bei Jüngeren sind Kryptowährungen wie Bitcoin beliebter.

Interessanterweise gibt es so etwas wie einen Röstigraben. 22 Prozent der Deutschschweizer Bevölkerung haben schon Erfahrungen mit Trading gemacht, während es in der Romandie nur 17 Prozent sind. Noch ein wenig grösser ist der Unterschied zwischen Stadt (22 Prozent) und Land (16 Prozent).

In Zukunft könnten diese Anteile noch steigen. Denn auf Onlinetrading spezialisierte Plattformen, die oft günstiger sind als Banken oder sogar gratis, mischen den Aktienmarkt immer mehr auf. Kleinanleger sollten allerdings auf der Hut sein. Laut Beobachtern gibt es auch viele unseriöse und schlecht regulierte Anbieter. Unerfahrene Trader sollten deshalb aus Sicherheitsüberlegungen bei einem Schweizer Broker oder einer Schweizer Bank bleiben.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.02.2019, 08:52 Uhr

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