Neuer Wirkstoff gegen Malaria

Eine neues Medikament kann Mäuse von der Tropenkrankheit heilen. Nun soll seine Wirkung bei Menschen untersucht werden.

Hoffnungsloser Kampf: Eine Mutter in Niger sorgt sich um ihr Baby, das an Malaria erkrankt ist.

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Ein internationales Forschungsteam mit Schweizer Beteiligung hat einen Wirkstoff entdeckt, der Hoffnung weckt im Kampf gegen die Tropenkrankheit Malaria. Eine einzige Dosis der Substanz heilte infizierte Mäuse. Ob das beim Menschen genauso ist, muss aber noch untersucht werden.

Die neue Substanz gehört zur chemischen Klasse der so genannten Spiroindolone. Entdeckt wurde sie von einem Forscherteam, dem auch das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut in Basel (Swiss TPH) und der Pharmakonzern Novartis angehören. Vorgestellt wird der Fund in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins «Science».

Die Wissenschaftler durchforsteten eine riesige Datenbank von Novartis nach möglichen Wirkstoffen gegen Malaria. Schliesslich fanden sie einen besonders aussichtsreichen Kandidaten. Sie stellten künstlich rund 200 Abkömmlinge dieses Moleküls her und untersuchten ihre Wirksamkeit und Sicherheit genauer.

Effizient und sicher

Am Ende ragte ein ganz bestimmtes Spiroindolon mit der Bezeichnung NITD609 heraus: Laut den Forschern erfüllt es alle Kriterien eines neuen Antimalaria-Kandidaten. Es scheint keine Nebenwirkungen zu haben und tötete im Reagenzglas effizient die zwei wichtigsten Malaria-Erreger ab, die Parasiten Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax.

Die Wirkung bestätigte sich auch bei diversen Parasitenstämmen, die gegen herkömmliche Malariamedikamente resistent sind, wie am Swiss TPH durchgeführte Tests zeigten. Und malariainfizierte Mäuse wurden - bei hoher Dosis - nach einer einzigen Abgabe der Substanz wieder gesund.

Ein Malaria-Medikament, das nur ein einziges Mal eingenommen werden müsste, wäre ein «Riesenvorteil», sagte Studienmitautor Reto Brun vom Swiss TPH auf Anfrage. Die heute oft benutzten Artemisinine etwa bleiben laut ihm nur kurz im Blut des Patienten. Um alle Keime abzutöten, müssen sie deshalb über mehrere Tage verabreicht werden.

Parasiten können sich schlecht anpassen

Gerade in Krisengebieten und Flüchtlingslagern begegne ein Arzt vielen Malariapatienten nur einmal, erklärte Brun. Er könne dann nicht überprüfen, ob der Patient abgegebene Medikamente auch später noch einnehme. Ausserdem habe die Einmaldosis auch den Vorteil, dass sie es dem Parasiten erschwere, Resistenzen zu bilden.

Besonders ermutigend ist laut Brun, dass das neue Molekül zu einer Substanzklasse gehört, die noch nie gegen Malaria eingesetzt wurde. Die letzte neue Substanzklasse gegen Malaria - die Artemisinine - werden schon seit über zehn Jahren benutzt, wie das Nationale US-Institut für Allergie und Infektionskrankheiten in einer Mitteilung schreibt.

In den letzten Jahren häuften sich jedoch die Hinweise auf Parasiten, die gegen die Artemisinine resistent sind. Forscher befürchten deshalb, dass heutige Medikamente bald nicht mehr genügend wirksam sein könnten. Die Suche nach neuen Mitteln ist deshalb dringend.

Weiter Weg zum Medikament

40 Prozent der Weltbevölkerung leben in Gebieten mit Malaria. Im Jahr 2008 waren gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO 247 Millionen Menschen mit dem durch Mücken übertragenen Erreger infiziert. Fast eine Million Menschen sterben jedes Jahr an der Krankheit - meist Kinder in Afrika.

Der Fund sei noch kein Grund zur Euphorie, warnte Reto Brun. Das Molekül müsse nun eingehend auf seine Sicherheit untersucht werden - dann stünden klinische Studien beim Menschen an. «Und da kann noch viel schief gehen», sagte er. Bis allenfalls ein neues Medikament vorliege, werde es mindestens fünf Jahre dauern. (miw/sda)

Erstellt: 02.09.2010, 21:07 Uhr

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