Ein Prosit auf die Fruchtfliege

Männliche Vertreter des Drosophila melanogaster schlafen beim Sex (oder schon vorher) gerne ein. Die Weibchen wiederum saufen sich die Männchen schön. Kommt uns das irgendwie bekannt vor?

Begatten oder nicht? Fruchtfliegenmännchen ertränken ihre sexuelle Not gern im Suff.

Begatten oder nicht? Fruchtfliegenmännchen ertränken ihre sexuelle Not gern im Suff. Bild: Biozentrum Basel

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Ein beliebtes Forschungsobjekt bei Wissenschaftlern ist die sogenannte Drosophila melanogaster. Dabei handelt es sich um die in Küchenkreisen recht unbeliebte Fruchtfliege, die sich mit Vorliebe an reifem Obst zu schaffen macht. Wenn es bereits in Gärung übergeht, das Obst, schlucken die Fruchtfliegen jede Menge Alkohol und haben sich deshalb im Verlaufe der Evolution schon eine gewissen Besoffenheits-Resistenz antrainiert. Forscher der University of California berichteten überdies im Jahre 2012 im Wissenschaftsmagazin Science davon, dass die männliche Drosophila-Fliege mehr Alkohol zu sich nimmt, wenn sie beim Sex nicht zum Zuge gekommen ist – eine Form von Belohnung, die sich frustrierte Männchen gerne gönnen, zumal dann, wenn sie der Gattung Mensch angehören. Sie ertränken ihre sexuelle Not im Suff.

Genetischer Jackpot

Die Fruchtfliege ist aber noch für andere Erkenntnisse gut. Forscher der Yale University haben jetzt herausgefunden, dass männliche Vertreter des Drosophila-Tieres beim Sex oder vor ihm gerne einschlafen, weil sie zu müde sind und dass ihnen das gar nichts ausmacht (das Einschlafen). Die Weibchen lassen den Sex hingegen auch bei Müdigkeit nolens volens über sich ergehen. Die Wissenschaftler in Yale führen das darauf zurück, dass das Drosophila-Weibchen stärker als das Männchen auf den Erhalt der Art fixiert ist und in jedem ihrer Begatter einen genetischen Jackpot vermutet, den sie für sich knacken will. Auch dieses Muster (Mann schläft ein beim Sex, Frau, obwohl lustlos, lässt den Sex zu) kennen wir aus menschlicher Paarbildung.

Gezielte Beschwipstheit

Beide Forschungsresultate (die zum Alkohol und die zum müden Sex der Drosophila melanogaster) lassen sich womöglich zusammenführen. Auch bei der Gattung Mensch werden ja Frauen beobachtet, die den Zustand der Beschwipstheit gezielt anstreben, um sich erst dann dem Manne hinzugeben. Vulgo: Sie saufen sich den Mann schön. Wieviel Alkohol also, so wäre zu fragen, muss eine weibliche Fruchtfliege vom Obst nippen, um einen an Familienplanung desinteressierten Frucht­fliegerich auszuhalten, der beim Geschlechtsakt auch noch einzuschlafen droht? Wir warten gespannt auf neue Forschungsergebnisse aus den USA und rufen den Fruchtfliegen für den Rest des Sommers noch ein fröhliches Prosit zu. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.08.2017, 10:31 Uhr

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