Letzte Pirouette über dem Sternenfeld

Mit einem gross angelegten Flugtag für die Sportflieger endete heute vor 60 Jahren, am 27. August 1950, die Ära des ersten Basler Flughafens auf dem Birsfelder Sternenfeld.

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«Abschied vom Sternenfeld» – so ist das Geleitwort zu einem Flugtag am 27. August 1950 überschrieben, das Charles Koepke als langjähriger Direktor des ersten regionalen Flughafens verfasst hatte. An diesem Augusttag, heute vor 60 Jahren, nahmen auch die Sportflieger vom Basler Flugplatz in Birsfelden Abschied, nachdem der reguläre Betrieb bereits Ende Juni 1950 eingestellt worden war. Diese letzte fliegerische Pirouette kommt einer Zäsur in der regionalen Aviatikgeschichte gleich, die 30 Jahre zuvor ihren Anfang genommen hatte.

Es war der siebeneinhalb Stunden dauernde «Flug rund um die Schweiz» des Langenbrucker Flugpioniers Oskar Bider im Juni 1919, der den Anstoss gegeben hatte «für die Bildung eines Initiativ-Komités, das die weiteren Schritte zur Propagierung des Flugwesens in unserer Region und die Schaffung eines Flugplatzes für unsere Stadt vorbereitete», notierte Koepke. Mit Flugmeetings auf dem Sternenfeld – damals noch eine topfebene grüne Wiese – spielte der Aviatikverein beider Basel in den Jahren 1920 und 1921 die nötigen Mittel ein, um «ein Flugplatzareal und einen Hangar zu erstellen», wie Koepke schreibt.

Verspätete Radiosendungen wegen Flugzeug

1923 wurde das «bescheidene Flugplätzlein» (Koepke) mit einem «dreimal wöchentlichen Flugdienst» zwischen London, Paris, Basel und Zürich an den internationalen Luftverkehr angeschlossen, ein Jahr später kaufte die Flugplatzgenossenschaft selber ein Flugzeug und organisierte einen eigenen «Passagierzubringerdienst».

Koepke erwähnt auch Dinge, die heute sehr kurios erscheinen. So wurde die 1925 angeschaffte Funkstation abends für «Broadcasting-Emissionen mitbenützt»; es kam auch vor, dass Radiosendungen später als angekündigt begannen, weil man noch die Landung eines verspäteten Flugzeugs abwarten musste. Und bereits zehnplätzige Flugzeuge galten Koepke als grosse Maschinen.

Die folgenden Jahre brachten einen stetigen Ausbau der Infrastruktur, der Flüge und des Passagieraufkommens – bis der Zweite Weltkrieg für sechs Jahre die militärische Nutzung in den Vordergrund rückte. Vom Frühling 1924 bis zum 30. Juni 1950 aber, so sollte Koepke in seinem Geleitwort bilanzieren, verzeichnete der Flugplatz Sternenfeld 145 133 Flüge und 233 791 Passagiere.

«Noch im Birsfelder Bewusstein verankert»

Früh war aber auch klar, dass das Sternenfeld ein Provisorium sein würde, weil das Gelände auf Wunsch von Gemeinde und Kanton «der Schifffahrt und der Elektrizitätsnutzung vorbehalten» sein sollte, wie Koepke schreibt – tatsächlich wurden bereits im November 1950 die Bauarbeiten am Kraftwerk Birsfelden aufgenommen. Bevor sich aber Blotzheim als Ersatzstandort für das Sternenfeld herauskristallisierte, sollten verschiedene Orte in Betracht gezogen werden. Und man staunt nicht schlecht, wenn man heute die Namen liest, die damals die Runde machten: So war der Hardwald ebenso im Gespräch wie das Grenzgebiet zwischen Allschwil und Burgfelden, das Gempenplateau, die Ebene zwischen Reinach und Aesch oder der Höhenzug zwischen Binningen, Bottmingen und Oberwil.

In Birsfelden selber hatte sich die Begeisterung für den Flugplatz immer schon in Grenzen gehalten. Früh wurden Lärmklagen laut und Wertminderungen der Liegenschaften beklagt – auch der fehlende volkswirtschaftliche Nutzen wurde beklagt. Trotzdem ist der Flughafen Sternenfeld in Birsfelden heute nicht bloss ferne Historie, wie Gemeindepräsident Claudio Botti sagt: «Der Flughafen ist durchaus noch im Birsfelder Bewusstein verankert.» Koepke selber wurde mit dem Ende des Sternenfeld nicht etwa arbeitslos – er wechselte an die Direktionsspitze des jungen Flughafens Basel-Mulhouse. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.08.2010, 14:17 Uhr

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