Dem Blitzkrieg waren die Alliierten nicht gewachsen

Das schnelle Vorrücken der Deutschen führte im Frühling 1940 innerhalb von wenigen Tagen zum Kessel von Dünkirchen – einer tödlichen Falle.

Dieses Bild von Dünkirchen entstand im Juli 1940, nach der Evakuierung der britischen Truppen.

Dieses Bild von Dünkirchen entstand im Juli 1940, nach der Evakuierung der britischen Truppen.

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Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 hatte Deutschland den Zweiten Weltkrieg ausgelöst, der mit den Kriegserklärungen am 3. September formell Tatsache wurde. Mit einem Vorstoss der Wehrmacht in Richtung Westen, also Richtung der Benelux-Staaten und Frankreich, musste seither gerechnet werden. Die Engländer, Verbündete der Franzosen, hatten deshalb wie im Ersten Weltkrieg die «British Expeditionary Force» auf den Kontinent geschickt, knapp 400'000 Soldaten insgesamt, davon etwa 316'000 Mann in Belgien und Nordfrankreich.

Am 10. Mai befahl Hitler den Angriff auf Frankreich und Belgien. Die deutschen Heeresgruppen A und B stiessen dabei viel schneller vor, als erwartet worden war. Die Panzerverbände samt Unterstützung durch Hermann Görings Luftwaffe überrollten ihre Gegner förmlich. Es kam nicht zu einem Stellungskrieg wie 1914–1918. Den Angreifern gelang das Gegenteil: der Blitzkrieg. Im englischen Sprachraum ist das Verb «to blitz» bis heute gebräuchlich, zum Beispiel in der Sportberichterstattung.

Eine Zangenbewegung

Der Heeresgruppe A gelang es, innerhalb von wenigen Tagen die Hauptstreitkräfte der Franzosen von den Truppen der Engländer, der Belgier und den nördlich stationierten Verbänden Frankreichs zu separieren. Gleichzeitig rückte die Heeresgruppe B von Norden – Belgien, Niederlande – her in Richtung Atlantikküste vor. Mit dieser Zangenbewegung sahen sich rund 1,2 Millionen Soldaten vom Hauptheer isoliert. Ein britischer Gegenangriff bei Arras schlug fehl.

Ab dem 24. Mai waren die alliierten Truppen beim französischen Badeort Dünkirchen eingekesselt. Am selben Tag hatte Adolf Hitler jedoch einen Haltebefehl für zwei Tage ausgegeben. Weshalb? Das ist bis heute Streitpunkt unter Historikern. Um seiner Generalität zu demonstrieren, wer die Macht im Staat hat? Um den Truppen zu erlauben, sich nach dem sehr raschen Vorstoss zu konsolidieren? Denn das Tempo der Panzerdivisionen konnten Infanterie und Unterstützungsverbände nicht mithalten. Die deutsche Generalität befürchtete somit, die zu weit vorgedrungenen Panzerverbände könnten ohne Rückendeckung vom Heer getrennt werden und selber zum einfachen Angriffsziel werden.

«Operation Dynamo»

Diese beiden Tage nutzten die Engländer jedenfalls, um «Operation Dynamo» zu starten. Von allen möglichen Häfen im Südwesten Englands setzten sich Schiffe aller Art, es sollen 900 insgesamt gewesen sein, in Bewegung, um die britischen Soldaten über den Kanal in die Heimat zu holen.

Die militärische Überlegenheit der Deutschen war krass. Ihre Bodentruppen hatten das mit dem Blitzkrieg bewiesen. Auch der Einsatz von U-Booten, Kriegsschiffen sowie der Luftwaffe konnte von der Gegenseite kaum adäquat beantwortet werden. Die stärkste Gegenwehr kam von der Air Force.

Dank «Operation Dynamo», angeordnet vom Kriegskabinett unter Winston Churchill, geplant von Vice-Admiral Bertram Ramsay, konnten zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 85 Prozent der Engländer aus dem Kessel von Dünkirchen – rund 230'000 Mann – sowie etwa 110'000 französische Soldaten evakuiert werden. Die belgische Armee kapitulierte dagegen am 28. Mai bedingungslos.

Der Verlust an Material aufseiten der Briten war massiv. Etwa 700 ihrer Panzer blieben zurück, dazu mehr als 65'000 Fahrzeuge aller Art, mehr als 2400 Geschütze, 380'000 Tonnen Verpflegung, 68'000 Tonnen Munition aller Kaliber und 147'000 Tonnen Treibstoff. Und nicht zuletzt Tausende von Helmen, die eingeschmolzen wurden.

Keine totale Blamage

«Dünkirchen» wurde nicht etwa zur totalen Blamage der Engländer, sondern wider Erwarten zum Signal, Widerstand bis zum Letzten zu leisten. Obwohl zahlenmässig diese 900 Schiffe und Schiffchen nicht einmal die Hälfte der 340'000 Soldaten retteten – den Grossteil evakuierte die Royal Navy –, hatte diese Welle der Solidarität eine fast mythische Wirkung auf der Insel.

Zu Hitlers Haltebefehl: Man darf sich fragen, wie wohl die Vereinigten Staaten, damals noch nicht in den Krieg eingetreten, reagiert hätten, wenn die Wehrmacht all diese Briten niedergemetzelt hätte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.07.2017, 10:43 Uhr

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