Ab 30 Grad wird es lebensgefährlich

Wie schnell sich jemand unterkühlt, hängt ganz von dessen Gewohnheiten ab.

Warme Kleidung ist bei klirrender Kälte unentbehrlich.

Warme Kleidung ist bei klirrender Kälte unentbehrlich. Bild: Dominique Meienberg

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Die eisigen Temperaturen haben am Wochenende im Osten Europas mehrere Todesopfer gefordert. Ab welcher Lufttemperatur die Gefahr des Erfrierens bestehe, sei nicht generell definierbar, sagt Aris Exadaktylos, Chefarzt des Notfallzentrums des Inselspitals. Es gebe daneben weitere entscheidende Umstände. «Für einen geübten Winterbergsteiger oder jemanden, der regelmässig draussen arbeitet, braucht es tiefere Aussentemperaturen, bevor sich der Körper unterkühlt als bei einer Person, die nicht an Kälte gewöhnt ist», sagt er. Alkoholkonsum sei ein weiterer Faktor. Er führe dazu, dass die Haut kurzzeitig besser durchblutet werde, was ein vorübergehendes Gefühl der Wärme erzeuge. «Das Gefühl täuscht aber», sagt Exadaktylos. Denn dadurch fehle mehr Blut für den Kreislauf und die lebenswichtigen Organe, man kühlt schneller ab. Zudem werden die Sinne betäubt, was den natürlichen Reflex, sich aufwärmen zu wollen, beeinträchtigen kann.

Das Kriterium für Unterkühlungen sei die Kerntemperatur des Körpers in der Nähe des Herzens, wo sich der wärmste Punkt befindet. Von einer leichten Unterkühlung spricht man bei Kernkörpertemperaturen zwischen 34 und 37 Grad Celsius. Eine Erschöpfungsunterkühlung bestehe zwischen 30 und 34 Grad. «In dieser Phase ist der Betroffene noch bei Bewusstsein, aber er hat kaum noch körperliche Kraft, sich zu bewegen», sagt Exadaktylos. Es komme immer wieder vor, dass Personen mit diesem Unterkühlungsgrad in die Notfallstation des Inselspitals eingeliefert würden: In erster Linie alkoholisierte Personen, Opfer von Unfällen, welche lange nicht gefunden wurden, oder auch Bergsportler. «In der Regel reicht eine gewärmte Salzlösungsinfusion, um sie langsam wieder aufzuwärmen.» Lebensgefahr bestehe, wenn die Körperkerntemperatur unter 30 Grad sinke. Die häufigste Todesursache in diesem Stadium sei eine Herz-Rhythmus-Störung.

Männer erfrieren häufiger

Das Bundesamt für Statistik erfasst Todesfälle von in der Schweiz wohnhaften Personen, deren Tod durch «Exposition gegenüber übermässiger Kälte» verursacht wurde. Die Statistik macht allerdings nur Aussagen zum Geschlecht und zum Alter der Erfrorenen. Zwischen 2000 und 2014 sind 91 Personen mit Schweizer Wohnsitz erfroren. Das waren im Durchschnitt rund 6 Personen pro Jahr. Mit 71 Prozent sind Männer mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen. 65 Prozent der Erfrorenen waren über 60 Jahre und lediglich rund 8 Prozent unter 40 Jahre alt. (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2017, 09:04 Uhr

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