Das sind die dreckigsten Städte der Welt

7 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von Luftverschmutzung – auch in europäischen Städten ist die Schadstoffbelastung viel zu hoch.

Luftverschmutzung ist ein globales Problem: Die WHO hat die grösste Datenbank weltweit ausgewertet. Video: Ryan Neukomm

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung geht es nicht voran: Neun von zehn Menschen weltweit atmen laut einem neuen Bericht der WHO verpestete Luft ein, 7 Millionen sterben jährlich an den Folgen dieser Belastung. Giftige Partikel wie Sulfat, Nitrat und Russ sind für ein Viertel aller Todesfälle durch Herzkrankheiten und Hirnschlag, ein Drittel der Lungenkrebsfälle sowie für fast die Hälfte aller chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen verantwortlich, schätzt die Weltgesundheitsorganisation.

Ein Grossteil der Todesfälle wird in einkommensschwächeren Ländern registriert. Betroffen sind überwiegend Regionen in Asien und Afrika, weil dort in den Häusern noch öfter auf offenem Feuer, durch Kerosin- und Holzverbrennung gekocht oder Licht produziert wird. Etwa 3 Milliarden Menschen, mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zu sauberen Technologien und atmen zu Hause jeden Tag dreckige Luft ein.

Hinzu kommen gesundheitsgefährdende Schadstoffwerte unter freiem Himmel, verursacht etwa durch Industrie- und Verkehrsabgase, Abfallverbrennung und Staub. In vielen Megastädten der Welt liegt die Schadstoffbelastung fünfmal so hoch wie die Empfehlung der WHO: 10 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) PM2,5 – also Feinstaub-Partikel, die einen kleineren Durchmesser haben als 2,5 Mikrometer und bis in die Lungenbläschen gelangen können – sollte die Luft höchstens enthalten.

Am stärksten verschmutzt ist die Luft in Indien, wo die sechs dreckigsten Metropolen der Welt liegen. Dazu gehört auch Varanasi, das als eine der heiligsten Stätten des Hinduismus gilt und jedes Jahr Millionen Pilger anzieht. Im Jahr 2013 wurde der Grenzwert dort um mehr als das 20-Fache überschritten. In der Hauptstadt Delhi war es 2016 immerhin das 14-Fache.

Neben Indien werden die Top 50 der dreckigsten Städte von China dominiert. Auch die mongolische Hauptstadt Ulan Bator und der Grossraum Kairo in Ägypten landen auf den vordersten Plätzen der 4300 Städte weltweit, von denen die WHO Daten hat.

Die schlechteste Luft in Europa hat Tetovo in Mazedonien, gefolgt von Wizebsk in Weissrussland und Batman in der Türkei, welche die WHO ebenfalls zu Europa zählt. Zahlreiche türkische Orte wie die Hauptstadt Ankara belegen die Spitzenplätze des kontinentalen Rankings. Auch in vielen polnischen Städten und solchen auf dem Balkan ist die Luft verschmutzt. Zudem weist Norditalien eine erhöhte Schadstoffbelastung auf.

In der Schweiz ist die Belastung mit Luftschadstoffen in den letzten 30 Jahren insgesamt gesunken. Doch einige Regionen sind stärker davon betroffen als andere. Dem Tessin beispielsweise wird seine geografische Lage zu Verhängnis: Mit dem Wind werden grosse Mengen an Stickoxide und Feinstaub aus der Industrieregion Mailand mit seinen 10 Millionen Einwohnern in den Südkanton transportiert.

Gehört zu den dreckigsten Städten Europas: Smog über der italienischen Metropole Mailand. (Bild: Keystone)

Zudem herrscht im Tessin laut dem Bundesamt für Umwelt häufig eine Wetterlage, welche die Luft wie in einem Kessel festhält. Bleibt der Föhn aus, sammeln sich in den unteren Luftschichten Stickoxide und Feinstaub. Unter der Einwirkung von Sonnenlicht bildet sich daraus im Sommer Ozon, das Augen und Atemwege reizt.

Trotzdem ist die Schadstoffbelastung im Tessin im Vergleich mit anderen europäischen oder gar asiatischen Regionen klein. Die WHO wertete Zahlen aus 108 Ländern aus und damit die grösste Datenbank über Luftverschmutzung weltweit. Im Unterschied zu 2016 lieferten inzwischen 4300 statt 3000 Städte Daten. Daraus schliesst die Weltgesundheitsorganisation, dass das Problem erkannt ist und immer mehr Orte an einer Verbesserung der Situation arbeiten wollen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2018, 17:59 Uhr

Artikel zum Thema

Aus Smog wird Geld

Der indische Forscher Anirudh Sharma hat ein Verfahren entwickelt, das den an Auspuffen gesammelten Russ zu Pigmenten für Künstlerfarbe werden lässt. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Umgekippt: Der 128 Meter hohe Radio- und Telefonmast «La Barillette» der Swisscom liegt in Cheserex am Boden, nachdem 8 Kilogramm Sprengstoff zwei seiner Standfüsse zerstört haben. (24.Mai 2018)
(Bild: Valentin Flauraud/Laurent Gillieron/Laurent Darbe) Mehr...