Leser fragen

Was halten Sie vom Satz «Altwerden ist nichts für Feiglinge»?

In letzter Zeit wird in Beiträgen zum Thema Alter immer wieder der Titel eines Buches des Entertainers Joachim Fuchsberger zitiert: «Altwerden ist nichts für Feiglinge». Stimmt das?

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Dieser Satz wird jeweils richtig zelebriert, als sei er der Weisheit letzter Schluss. Es gäbe viele Fragen und Bemerkungen zum Zitat, ich lasse es bei einem verärgerten Kopfschütteln bewenden. Und Sie?

Liebe Frau M.

Ich? Ich bin jetzt offenbar dazu verdonnert, an Ihrer Stelle die Bemerkungen zu machen, die Sie sich selbst zugunsten eines stummen Kopfschüttelns verkniffen haben. Ich fürchte, damit kann ich Ihnen nicht dienen. Denn ich kann beim bösesten Willen nichts Verwerfliches an diesem Satz erkennen: «Altwerden ist nichts für Feiglinge» fasst in wenigen ironischen Worten die schlichte Tatsache zusammen, dass man auf die unangenehmen Begleiterscheinungen des Altwerdens gerne dankend verzichten würde, was aber nun mal leider nicht geht, weil das Altwerden einem bekanntlich gar nicht erst eine Wahl lässt und einem darum nichts anderes übrig bleibt, als es heldenhaft zu ertragen und zu hoffen, dass die Umwelt einem dafür wenigstens etwas Respekt zollt. Der Titel von Fuchsbergers Buch – eine Autobiografie und kein Sachbuch übers Altern – stammt übrigens erklärtermassen nicht von ihm.

Er selbst schreibt das Zitat der späten Mae West zu, die es gegenüber einem dummdreisten Jungspund von Reporter geäussert haben soll, der sie auf ihre zunehmende Leibesfülle angesprochen hatte: «Listen young man, aging is not for cowards.» Andere behaupten, das Diktum gehe eigentlich auf Bette Davies zurück und laute im Original «Old age is no place for sissies.» In all ihren Varianten klingt diese Sentenz für mich nicht nach einer «Weisheit letzter Schluss», nicht als Glorifizierung des Alters und auch nicht als Beleidigung aller als Weicheier, die lieber nicht alt und gebrechlich würden, wenn sie es denn vermeiden könnten, sondern als sarkastische und schnippische Antwort auf die Zumutungen des Alters – die körperlichen Gebrechen, vor allem aber auf die wohl noch weit schlimmere Zumutung, nicht mehr für voll genommen und als überflüssig betrachten zu werden.

Mae West oder Bette Davies hätten also auch sagen können: «Wenn Sie denken, ich würde zu meinem Vergnügen alt oder weil ich nichts Besseres zu tun habe, dann täuschen Sie sich gewaltig. Und wenn Sie nur ein bisschen nachdächten, würden Sie merken, dass Ihnen einmal dasselbe Schicksal blüht. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und dann möchte ich Sie mal sehen, Sie wichtigtuerischer blöder Schlappschwanz.» Aber Sie werden zugeben, für die Sammlung Geflügelter Worte oder für einen Buchtitel ist das entschieden zu lang. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2012, 14:55 Uhr

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