Wenn die «Wunderwaffe» Antibiotika versagt

Antibiotikaresistente Bakterien führen zu zahlreichen Todesfällen. Fragen und Antworten.

Eine bessere Spitalhygiene ist eine von mehrere Massnahmen, um Leben zu retten. (Symbol)

Eine bessere Spitalhygiene ist eine von mehrere Massnahmen, um Leben zu retten. (Symbol) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wissenschaftler warnen vor wachsenden Gefahren durch die Superkeime und mahnen Gegenmassnahmen an. Fragen und Antworten:

WELCHE WIRKUNG HABEN ANTIBIOTIKA?

Antibiotika sollen Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen und so Infektionen kurieren. Es gibt mehr als 15 verschiedene Klassen von Antibiotika, die sich in ihrer chemischen Struktur und in ihrer Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien unterscheiden. Behandelt werden damit bakterielle Infektionen, zum Beispiel eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung. Gegen Viren können Antibiotika nichts ausrichten.

WIE ENTSTEHT EINE ANTIBIOTIKARESISTENZ?

Bakterien sind sehr anpassungsfähig und wahre Überlebenskünstler. Sie vermehren sich sehr schnell. Dabei können spontan Veränderungen im Erbgut auftreten, so dass die Erreger unempfindlich gegenüber bestimmten Antibiotika werden. Einige Bakterien tauschen ausserdem ab und zu kleine Stücke ihres Erbguts untereinander aus. Auch dies kann die Erreger widerstandsfähig gegen Antibiotika machen.

Der übermässige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast sowie eine unsachgemässe Einnahme der Medikamente, etwa durch falsche Dosierung oder einen vorzeitigen Abbruch der Therapie, fördern solche Resistenzbildungen. Zum Teil sind Bakterien auch von Natur aus immun gegen bestimmte Antibiotika.

UM WELCHE ERREGER GEHT ES?

In den meisten Fällen handelt es sich um den methillicinresistenten Staphylococcus aureus – kurz MRSA. Dieser Bakterienstamm kann schwere bis tödliche Infektionen verursachen. Sogenannte vancomycinresistente Enterokokken können gefährliche Darmkrankheiten auslösen.

In anderen Fällen geht es um resistente Enterobakterien, die zur normalen menschlichen Darmflora gehören, für Kranke und Schwache aber eine Gefahr sind.

WAS MACHT DIE KEIME SO GEFÄHRLICH?

Für gesunde Menschen ist etwa MRSA in der Regel ungefährlich. Für immungeschwächte Patienten auf Intensivstationen, Krebskranke, Chirurgiepatienten, frühgeborene Babys oder Menschen mit chronischen Wunden hingegen können multiresistente Erreger lebensgefährlich werden und unter anderem Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge haben Antibiotika-Resistenzen ein «gefährlich hohes Niveau in allen Teilen der Welt» erreicht.

GIBT ES BEHANDLUNGSALTERNATIVEN?

Versagen die üblichen Antibiotika, gibt es noch sogenannte Reserveantibiotika als letztes Mittel. Aber auch sie helfen nicht in allen Fällen. So sind beispielsweise Bakterien, die das Gen Mcr-1 in sich tragen, unempfindlich selbst gegen das wichtige Reserveantibiotikum Colistin, das auch in der Nutztierhaltung häufig verwendet wird. Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigten, dass das mcr-1-Gen seit einigen Jahren auch in Keimen von Nutztieren und aus Lebensmitteln in Deutschland vorkommt. (nag/AFP)

Erstellt: 07.11.2018, 11:48 Uhr

Artikel zum Thema

OECD befürchtet 2,4 Millionen Tote durch Superkeime

Antibiotika-resistente Bakterien verursachen allein in Europa jährlich etwa 33'000 Todesfälle. Eine einfache Strategie könnte viele Menschenleben retten. Mehr...

England meldet Fall von mehrfachresistentem Tripper

Ein Brite hat sich einen Tripper eingefangen, gegen den herkömmliche Antibiotika machtlos sind. Mehr...

Patientin stirbt nach erfolgloser Behandlung mit 26 Antibiotika

Ein Klebsiella-Pneumoniae-Keim hat eine Rentnerin in den USA das Leben gekostet. Derartige Bakterien lassen Infektionen unheilbar werden – und machen Medizinern zunehmend Sorgen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...