Bluttest erkennt Schütteltrauma bei Babys

Ein neues Messverfahren könnte künftig helfen, Misshandlungen bei Säuglingen früher zu diagnostizieren.

Bei rund jedem dritten Baby mit Schütteltrauma stellen die Ärzte nicht die korrekte Diagnose. (Tarik Kizilkaya/iStockphoto)

Bei rund jedem dritten Baby mit Schütteltrauma stellen die Ärzte nicht die korrekte Diagnose. (Tarik Kizilkaya/iStockphoto)

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Häufig sind die Eltern die Täter. Aus Überforderung oder anderen Gründen schütteln sie ihr eigenes Baby so stark, dass es zu Hirnblutungen und Knochenbrüchen an Halswirbeln kommt. Dieses sogenannte Schütteltrauma ist die häufigste Todesursache bei körperlichen Misshandlungen von Kleinkindern. Oft bleiben schwere neurologische Schäden, manchmal führt das Schütteln auch zum Tod.

Amerikanische Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der dabei helfen könnte, Säuglinge mit Hirnblutungen früher und zuverlässiger zu identifizieren. Gemäss ihrer Studie im Fachblatt «JAMA Pediatrics» verpassen Ärzte heute bei rund einem Drittel der Kinder mit Schütteltrauma die korrekte Diagnose. Das Messverfahren entwickelt hat das Team um Rachel Berger vom Children's Hospital of Pittsburgh zusammen mit der Firma Alexa aus Toronto. Sie haben es in den USA bereits patentieren lassen.

Der erste Test dieser Art
Der Test misst vier verschiedene Moleküle im Blut, deren Konzentrationen sich bei einer Hirnblutung jeweils verändern. In einer rückwirkenden Analyse mit 99 Patienten bestimmten die Forscher zuerst Grenzwerte für die Messung. Diese Werte überprüften sie dann an rund 600 Säuglingen an drei verschiedenen Zentren. Dabei zeigte sich: Fast 90 Prozent der Kinder mit Schütteltrauma liessen sich detektieren – deutlich mehr als ohne den Test. Allerdings kam es auch häufig zu falschem Alarm: Rund jedes zweite Kind mit auffälligem Testresultat hatte in der Studie kein Schütteltrauma. Positive Testergebnisse müssen deshalb in jedem Fall mit einem Hirnscan bestätigt werden.

Der Test müsse noch in einer grösseren Gruppe getestet und von den Gesundheitsbehörden zugelassen werden, bevor er im klinischen Alltag eingesetzt werden könne, schreibt das Children's Hospital in einer Mitteilung. Es wäre dann aber der erste Test dieser Art. «Er soll nicht die wichtige Abklärung durch den Arzt ersetzen», sagt Rachel Berger in der Mitteilung. «Vielmehr glauben wir, dass er die klinische Untersuchung ergänzen und den Ärzten bei Fällen mit unklaren Symptomen helfen kann, um zu entscheiden, ob das Kind eine Bildgebung des Gehirns benötigt.»

Der Grund, wieso die Ärzte ein Schütteltrauma oft übersehen, liegt an den unklaren Zeichen. Die wichtigen Symptome Erbrechen und vermehrte Unruhe können beide auch aus harmloseren Gründen vorkommen. Äussere Verletzungen sind beim Schütteltrauma in der Regel nicht vorhanden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2017, 17:35 Uhr

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