Wie Frauen und Männer unterschiedlich flirten

Psychologische Studien zeigen: Die unausgesprochenen Signale beim Flirten werden von den Geschlechtern nicht gleich verstanden.

Die Signale beim Dating werden von Frauen und Männern oft unterschiedlich interpretiert: Ein Paar beim Candlelight-Dinner.

Die Signale beim Dating werden von Frauen und Männern oft unterschiedlich interpretiert: Ein Paar beim Candlelight-Dinner. Bild: iStock

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Silvester ist auch die Zeit der unerwarteten Begegnungen. Männer und Frauen strömen in Restaurants und Bars, um sich gegenseitig zu beschnuppern, man lernt jemand Neues kennen, hofft vielleicht sogar auf ein Abenteuer. Doch das Dating ist ein Minenfeld, gespickt mit Fallen, Missverständnissen und falsch interpretierten Signalen. Die zwischengeschlechtlichen Verwerfungen zeigen sich auch in der hochkochenden #MeToo-Debatte oder an der Flirt-Nachhilfebroschüre für Schweizer Parlamentarier, die vor kurzem im Bundeshaus verteilt wurde.

Zweideutige Signale

Bei einem Flirt begeben sich Männer und Frauen per se in eine ambivalente Situation, bei der sich die Grenzen verwischen und auch kontinuierlich verschieben. Es geht um ein Spiel der Absichten und Wünsche, aber auch um die unterschiedliche Wahrnehmung der damit verbundenen Signale. Forscher versuchen seit Jahren, die unterschiedlichen psychologischen Prozesse bei Frau und Mann zu verstehen. Jetzt hat eine kürzlich im Fachjournal «Journal of Personality and Social Psychology» veröffentlichte Studie gezeigt, dass Männer die sexuellen Absichten von Frauen konstant überschätzen und Frauen ihre eigenen Wünsche zum Teil herunterspielen.

Die Psychologinnen Isabelle Engeler von der IESE Business School in New York und Priya Raghubir von der New York University haben für ihre Befragungsstudie über 600 heterosexuelle Frauen und Männer, die sich noch nicht kannten, auf einer Crowdsourcing-Website rekrutiert. Die Probanden mussten sich eine typische Dating-Situation vorstellen: Eine Frau und ein Mann, die noch nie Sex miteinander hatten, sitzen sich in einem romantischen Café gegenüber, sie lächeln sich an, halten die Hand, küssen sich sogar. Doch wollen die beiden deshalb gleich ins Bett miteinander? Was bedeuten die Signale, was für den Mann, was für die Frau?

Wenn es zum Kuss kommt, ist die Sache klarer

Die Studienteilnehmer wurden mit 11 typischen Verhaltensweisen konfrontiert. Getestet wurden Verhalten wie «Händchen halten», «sich tief in die Augen schauen» oder «küssen», aber auch «auf einen Drink in die Wohnung gehen» oder «I love you» sagen. Auf einer Skala von –3 bis +3 mussten die Probandinnen und Probanden dann die sexuellen Absichten dahinter einschätzen, zuerst die eigenen, dann aber auch diejenigen des Gegenübers und zuletzt die vermuteten Intentionen von Geschlechtsgenossinnen und -genossen, die sie bei diesem Verhalten beobachten. Mittels statistischer Analyse der resultierenden Werte ergibt sich dann ein plausibler Durchschnittswert.

Bilder: Die #MeToo-Welle

Resultat: Männer schätzen die sexuellen Absichten der Frauen bei den elf getesteten Signalen um durchschnittlich 23 Prozent höher ein als die Frauen selber. Am grössten war die Diskrepanz bei den Verhaltenskategorien auf «einen Drink in eine Wohnung gehen», gefolgt «vom intensiven Augenkontakt» und «Händchen halten». Weniger Missverständnisse gab es – nicht erstaunlich – beim «Küssen» und beim offenen Liebesgeständnis.

Andere Fragestellung, bessere Übereinstimmung

Doch liegt es daran, dass Männer bei Frauen eine sexuelle Absicht vermuten, wo gar keine ist? Oder verraten Frauen in der Umfrage gar nicht, was sie wirklich wollen? Und wie schätzen Männer ihre eigenen Absichten ein, im Vergleich zu ihren Partnerinnen? In einer früheren Studie hatte sich gezeigt, dass Frauen die Absichten anderer Geschlechtsgenossinnen konstant höher einschätzten als die eigenen. Dieser Bias beruht auf einem Effekt, der in der Umfragenforschung allgemein bekannt ist: Befragte stellen ihre Position so dar, dass sie eher gesellschaftlichen Konventionen entspricht.

Um diesen Störfaktor auszuschliessen, kehrten die New Yorker Forscherinnen die Reihenfolge der Frage um. Die Probandinnen einer zweiten Testreihe mussten zuerst die Absichten der Geschlechtsgenossinnen einschätzen, dann erst ihre eigene. Gemäss den Psychologinnen entspricht die so erhobene Selbsteinschätzung eher den wahren Wünschen der Befragten. Tatsächlich schätzten die Teilnehmerinnen der zweiten Runde ihre eigenen sexuellen Absichten hinter den gegebenen Verhaltensweisen höher ein. So sank die Diskrepanz bei der Einschätzung zwischen Männern und Frauen signifikant auf rund 10 Prozent. Gemäss der Studie lassen sich deshalb über 50 Prozent der unterschiedlichen Einschätzung der weiblichen Intentionen darauf zurückführen, dass die Frauen ihre eigenen Absichten als zu tief darstellen. Die Männer überschätzten die Absichten der Frauen allerdings immer noch.

Frauen schätzen Männer besser ein

Die Forscherinnen testeten natürlich auch die Wahrnehmungen der sexuellen Absichten von Männern. Diese wurden von Frauen auch überschätzt, aber in geringerem Ausmass. Und als sie auch die Männer zuerst nach den sexuellen Absichten anderer Männer befragten und erst danach nach deren eigenen, zeigte sich, dass auch die Männer bei der Selbsteinschätzung ihrer sexuellen Wünsche oft untertrieben haben. Konkret: Bei umgekehrter Fragestellung – also wenn die Männer ihre Absichten ehrlicher wiedergaben – schätzten die Frauen die männlichen Absichten ziemlich treffend ein.

Die Studie zeigt gemäss den Forscherinnen, dass sowohl Männer als auch Frauen darauf tendieren, in einer Dating-Situation ihre wahren Absichten herunterzuspielen. Aber auch, dass Männer die Intentionen der Frau konstant überschätzen, wogegen Frauen die Absichten der Männer ziemlich gut einschätzen können. Die Studienautorin Priya Raghubir rät Männern, angesichts der Erkenntnisse «die Erwartungen herunterzuschrauben», und den Frauen, ihre Absichten oder (Nicht-Absichten) «klar zu vermitteln», um Missverständnissen vorzubeugen.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.12.2017, 16:28 Uhr

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