Sie haben ein Gen, das sie länger leben lässt

Dank einer Mutation werden Amish in den USA zehn Jahre älter als Menschen ohne das Gen. Ein Medikament, das den Effekt nachahmt, vervierfacht gar die Lebensdauer von Mäusen.

«Es ist eine erstrebenswerte Form der Langlebigkeit»: Junge Amish sehen sich ein Baseball-Spiel in Bergholz, Ohio, an. (9. April 2013, Symbolbild)

«Es ist eine erstrebenswerte Form der Langlebigkeit»: Junge Amish sehen sich ein Baseball-Spiel in Bergholz, Ohio, an. (9. April 2013, Symbolbild) Bild: AP Photo/Scott R. Galvin/Keystone

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Wissenschaftler haben bei Mitgliedern der Religionsgemeinschaft der Amish in den USA eine offenbar lebensverlängernde Genmutation entdeckt. Träger einer mutierten Genkopie lebten laut der Studie durchschnittlich zehn Jahre länger.

«Sie leben nicht nur länger, sie leben gesünder», erklärte der verantwortliche Studienautor Douglas Vaughan. Die Ergebnisse veröffentlichten er und seine Kollegen am Mittwoch im Fachmagazin «Science Advances».

Vaughan will nun gemeinsam mit seinen Kollegen von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in den USA und der Tohoku-Universität in Japan ein Medikament entwickeln, das den Effekt der Genveränderung imitieren soll. «Es ist eine erstrebenswerte Form der Langlebigkeit», sagte der Wissenschaftler.

Weniger Altersgebrechen

Die Forscher untersuchten 177 Mitglieder der Amish-Gemeinschaft in Berne im US-Bundesstaat Indiana. Dabei fanden sie heraus, dass 43 Amish eine mutierte Kopie des Gens Serpine1 trugen. Die Amish mit dem mutierten Gen wurden im Durchschnitt 85 Jahre alt - Amish ohne die Gen-Kopie dagegen durchschnittlich 75 Jahre alt. Zudem hatten die Träger des mutierten Gens weniger häufig Diabetes und seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das mutierte Serpine1-Gen zu einem starken Rückgang der Produktion des Proteins PAI-1 führt. Schon zuvor hatten Wissenschaftler bei Tierversuchen herausgefunden, dass PAI-1 einen Einfluss auf den Alterungsprozess hat.

Bei Mäusen schon erfolgreich

Mit einem Medikament wollen die Wissenschaftler den Effekt des Proteins PAI-1 unterdrücken. Erste Tests hat es bereits in Japan gegeben. Mäuse, die mit dem Medikament behandelt wurden, lebten viermal so lange wie eine Testgruppe und hatten keine der typischen Alterserkrankungen. Die japanischen Behörden genehmigten nach den Angaben Vaughans nun eine zweite Testphase. In den USA strebt die Northwestern University ebenfalls eine Testgenehmigung an.

Die Amish leben sehr zurückgezogen und lehnen die meisten Aspekte modernen Lebens ab. Durch ihre geografische und genetische Isolation sind sie ein ideales Studienobjekt für Wissenschaftler. (rub/sda)

Erstellt: 16.11.2017, 14:06 Uhr

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