Unnötige Knieoperationen weit verbreitet

Nach einer wissenschaftlichen Studie sind die häufigen Operationen auf finanzielle Anreize zurückzuführen.

Meniskusschäden durch Abnutzung sind vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet.

Meniskusschäden durch Abnutzung sind vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet. Bild: Keystone

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Bei altersbedingten Kniebeschwerden greifen Ärzte gern zum Arthroskop - ohne Vorteil für die Patienten. Eine wissenschaftliche Studie führt die häufigen Operationen auf finanzielle Fehlanreize zurück.

Meniskusschäden durch Abnutzung sind vor allem bei älteren Menschen weit verbreitet. Bei den über 70-Jährigen sind rund zwei Drittel davon betroffen. Eingriffe am Knie mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) gehören denn auch zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Schweiz.

Obwohl nachgewiesen ist, dass Physiotherapie oder Medikamente bei Kniebeschwerden genauso gut helfen, geht die Zahl der Arthroskopien kaum zurück. Dies zeigt eine Untersuchung im Auftrag der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), die am Freitag veröffentlicht worden ist.

Forscher des Institutes für Hausarztmedizin der Universität Zürich (UZH) haben die Operationszahlen anhand von Daten der Krankenkasse Helsana analysiert. Demnach wurde 2012 bei 2520 von rund 648'700 Versicherten über 40 Jahren ein Schlüsselloch-Eingriff am Knie durchgeführt. 2015 waren es 2282 Operationen bei rund 647'800 Personen.

16'000 unnötige Operationen pro Jahr

Bei über 64-Jährigen gingen die Operationszahlen um rund 18 Prozent zurück. In der zahlenmässig bedeutendsten Gruppe der 40- bis 64-jährigen ergab sich hingegen zwischen 2012 und 2015 keine signifikante Änderung, wie die SAMW in ihrer Mitteilung schreibt.

«Entsprechend hoch ist also möglicherweise die Zahl unangemessener arthroskopischer Eingriffe am Knie bei 40- bis 64-Jährigen», folgern die Autoren. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung kommen sie auf etwa 16'000 unnötige Operationen pro Jahr mit Kosten von von rund 70 Millionen Franken.

Insgesamt zeigte sich, dass die Orthopäden häufiger bei zusatzversicherten und seltener bei Patienten mit hoher Franchise zur Operation neigten. Das Forscherteam der UZH schliesst daraus, dass das Vergütungssystem in der Schweiz für Ärzte finanzielle Anreize setze, eine Operation durchzuführen.

Gleichzeitig seien für die Patienten die Anreize für eine konservative Therapie und für den Verzicht auf eine Operation nur begrenzt. Noch immer glauben gemäss der Studie viele Menschen mit Kniebeschwerden fälschlicherweise, «mehr Behandlung» sei gleichbedeutend mit «mehr Nutzen». (pre/sda)

Erstellt: 07.07.2017, 14:37 Uhr

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