Warum manche Kinder anfälliger für schwere Erkältungen sind

Manche Kinder trifft eine Erkältung härter als andere. Forschende haben entdeckt, dass Veränderungen an einem Gen ihre Virusabwehr beeinträchtigt.

IFIH1 spielt bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine massgebliche Rolle: Zwei Spritzen auf einmal sind für diesen Jungen zuviel, um hinzusehen. (Archiv)

IFIH1 spielt bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine massgebliche Rolle: Zwei Spritzen auf einmal sind für diesen Jungen zuviel, um hinzusehen. (Archiv) Bild: Robin Utrecht/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Normalerweise sind grippebedingte Erkältungen bei Kindern harmlos. Bei zwei Prozent verlaufen solche Viruserkrankungen jedoch so schwer, dass die Kinder ins Spital müssen. Jacques Fellay, SNF-Förderungsprofessor an der ETH Lausanne (EPFL) hat mit internationalen Kollegen ein Gen entdeckt, das für die Virusabwehr eine entscheidende Rolle spielt und bei diesen Kindern verändert ist. Davon berichten sie im Fachblatt «PNAS».

«Wir konnten bestätigen, dass ein Gen mit dem Namen IFIH1 bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine massgebliche Rolle spielt», sagte Fellay gemäss einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). «Diese Viren verursachen Atemwegsinfektionen bei Kindern.»

Grosse Gensuche und gezielte Analyse

Bereits 2015 hatten Fellay und Kollegen das Genom von 2000 Patientinnen und Patienten untersucht, um Gene zu identifizieren, die mit der Immunabwehr gegen Viruserkrankungen zusammenhängen. Nun suchten die Forschenden gezielt im Erbgut von 120 Kindern nach Veränderungen in diesen Kandidatengenen. Die Kinder waren alle wegen schwerer viraler Infektionen der Atemwege in Spitälern der Schweiz oder in Australien behandelt worden. Bei acht der Kinder fanden sie Mutationen im Gen IFIH1.

Im weiteren konnten die Wissenschaftler bestimmen, warum die Genveränderungen die Kinder anfälliger macht: Normalerweise erkennt das von diesem Gen codierte Protein das Erbmaterial bestimmter Erkältungsviren und alarmiert das Immunsystem über eine Signalkaskade, wie EPFL-Forscherin Samila Asgari erklärte. Ihr gelang der Nachweis, dass drei Mutationen im IFIH1-Gen die Erkennung der Viren verhindert und damit die körpereigene Abwehr blockiert.

Anfällige Kinder besser schützen

Die Resultate könnten Anhaltspunkte liefern für künftige Therapien, aber auch der Prävention dienen, schrieb der SNF. «Auf Wunsch der Eltern haben wir auch die Geschwister von Kindern getestet, die eine Genmutation aufwiesen», sagte Fellay. So lasse sich zeigen, ob diese Kinder ebenfalls anfälliger für Infektionen sind. Im Falle einer Epidemie hätten die Eltern nun stichhaltige Gründe, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Und bei einer Erkältung wüssten sie, dass sie rasch das Spital aufsuchen sollten.

Einen solchen Gentest der Infektionsanfälligkeit könnte man theoretisch auch im Zuge der üblichen Blutuntersuchungen nach der Geburt durchführen, so Fellay weiter. «Zugleich muss aber in einem gesellschaftlichen Diskurs festgelegt werden, welche Arten von Gentests erwünscht sind und welche nicht.»

Hinzu kommt: Die Abwehrkräfte des Immunsystems unterscheiden sich von Person zu Person und Mutationen im IFIH1-Gen dürften nur ein Puzzlestein unter vielen sein, um individuelle Unterschiede zu erklären. (nag/sda)

Erstellt: 18.07.2017, 20:38 Uhr

Artikel zum Thema

So schlagen Sie Erkältung und Grippe ein Schnippchen

Von Kopf bis Fuss Die Grippe hat bald Hochsaison, doch schon jetzt plagt sie viele Betroffene. Oder sind diese «nur» erkältet? Zum Blog

Bereit für die nächste Virenwelle

Video Wie kapern Viren und Trojaner unsere Computer? Und mit welchen Massnahmen vereiteln Sie solche Angriffe? Unser Video zeigt es. Mehr...

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Kommentare

Blogs

Mamablog Die Angst vor dem dritten Kind

Von Kopf bis Fuss Eiweiss ist kein Wundermittel

Die Welt in Bildern

Frühe Botschaft: Der offizielle Weihnachtsbaum 2017 wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...