Cern bringt Einsteins Theorie ins Wanken

Nichts könne sich schneller bewegen als Licht, behauptete Albert Einstein. Physiker des Forschungszentrums Cern in Genf haben nun aber offenbar rätselhafte Teilchen entdeckt, die noch schneller sind.

Sorgen für Überraschungen: Experimente im Protonen-Tunnel im Cern bei Genf.

Sorgen für Überraschungen: Experimente im Protonen-Tunnel im Cern bei Genf. Bild: Keystone

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Eine verblüffende Entdeckung am Forschungszentrum Cern könnte eine der Grundsäulen der Physik erschüttern: nämlich Albert Einsteins Theorie, dass sich nichts schneller bewegen kann als das Licht.

Denn Forscher am Cern haben erstmals subatomare Teilchen mit Überlichtgeschwindigkeit gemessen. Eine Entdeckung, von der sie selbst noch überrascht sind, und die auch die Physik-Welt mit grosser Skepsis aufnimmt. Tests anderer Forscher sollen die Ergebnisse jetzt überprüfen.

Sollten sie bestätigt werden, würde das weder unser Leben noch das Universum ändern. Denn diese Elementarteilchen wären damit wohl schon seit Milliarden von Jahren mit einer Geschwindigkeit unterwegs, die jene des Lichts übersteigt. Allerdings würde eine solche Entdeckung unser Verständnis davon, wie die Welt funktioniert, einer fundamentalen Änderung unterziehen, sagen Physiker.

«Es ist gefährlich, gegen Einstein zu wetten

Bereits kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse am Cern versammelten sich Wissenschaftler im Physiklabor Fermilab bei Chicago, um die Ergebnisse der europäischen Studie zu überprüfen. Das Problem ist allerdings, dass die Messsysteme dort nicht annähernd so präzise sind wie im Cern.

Dies sei jedenfalls so wichtig, dass jeder Wissenschaftler jedes Bruchstück an Information genau untersuchen werde, sagte Fermilab-Sprecher Rob Plunkett. Er selbst wolle sich nicht festlegen, ob nun Einstein oder das Cern am Ende recht behalten werde, aber: «Es ist gefährlich, Wetten gegen Einstein abzugeben. Einstein ist immer und immer wieder auf die Probe gestellt worden.»

Die Skepsis in der Physik-Welt ist gross, denn die Lichtgeschwindigkeit von 299'792,458 Kilometer pro Sekunde galt lange als kosmische Geschwindigkeitsbegrenzung. Festgelegt ist das in Einsteins Spezieller Relativitätstheorie, deren Formel E=mc2 weit über die Physik-Welt hinaus Bekanntheit erlangte. «Das Gefühl, das die meisten Leute haben, ist, dass das nicht richtig, nicht real sein kann», sagt Cern-Sprecher James Giles zu den Ergebnissen der dortigen Forscher.

Faszinierende Neutrinos

Sollte etwas Einsteins Theorien in Frage stellen können, dann wären es wahrscheinlich am ehesten die Neutrinos, die Physiker seit 80 Jahren erstaunen. Diese Elementarteilchen haben fast keine Masse und existieren in drei verschiedenen Arten.

«Ein Neutrino kann sein eigenes Antiteilchen haben und wurde sogar schon dabei beobachtet, wie es von einem der drei möglichen Zustände in einen anderen übergeht, während es von der Sonne wegrast», erklärt Physiker Phillip Schewe vom Joint Quantum Institute in Maryland.

Doch solange die Ergebnisse nicht von einer zweiten Gruppe bestätigt sind, will niemand in der Physik-Welt von einer Revolution sprechen. Im Gegenteil: Jenny Thomas vom Fermilab sagte, es müsse eine «banalere Erklärung» für die Ergebnisse geben. Es sei sehr schwer, die Distanz, Zeit und Winkel für eine solche Behauptung zu messen.

Auch der Vorsitzende des Physik-Instituts an der Universität von Maryland, Drew Baden, hält Messfehler für die wahrscheinlichste Erklärung. «Es ist lächerlich, was die veröffentlichen», sagt Baden: Als ob man einen fliegenden Teppich erfinden und danach herausfinden würde, dass es beim Experiment einen Fehler gegeben habe. «Bis es durch eine andere Gruppe bestätigt ist, ist das ein fliegender Teppich.» (miw/sda)

Erstellt: 23.09.2011, 15:38 Uhr

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