Hintergrund

Das Tessin liegt praktisch am Meer

Würde alles Eis schmelzen, stiege der Meeresspiegel dramatisch an. «National Geographic» hat für dieses Szenario eine neue Weltkarte angefertigt. Und die ist eindrücklich.

Die Umrisse der aktuellen Karte sind als weisse Linie eingezeichnet: Ausschnitt aus der Europakarte von «National Geographic» bei einem Anstieg des Meeresspiegels um etwa 65 Meter.

Die Umrisse der aktuellen Karte sind als weisse Linie eingezeichnet: Ausschnitt aus der Europakarte von «National Geographic» bei einem Anstieg des Meeresspiegels um etwa 65 Meter.

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Ein stark geschrumpftes Italien, die heute dicht besiedelte Poebene fast gänzlich unter dem Meeresspiegel, kurz nach der Metropole Mailand würden sich Strände erstrecken. Vom Tessin aus wären sie in weniger als einer Stunde erreichbar. So könnte sich die Geografie im Süden der Schweiz dereinst präsentieren. Voraussetzung dafür wäre ein komplettes Abschmelzen der grossen Eismassen an den Polen, auf Grönland, aber auch auf allen Gletschern.

Es wurde schon viel über den Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der Erderwärmung geschrieben. «National Geographic» hat aufgrund der verfügbaren Zahlen und Schätzungen nun eine neue Weltkarte gezeichnet. Demnach würde der Meeresspiegel bei einer komplett eisfreien Erde um etwa 65 Meter steigen. Die dicken Eisschilde Grönlands, der Antarktis und das Eis über dem Nordpol wären dann ebenso Geschichte wie Venedig oder London.

Weite Teile Europas betroffen

Dieses Szenario könnte laut dem Magazin dann eintreten, wenn sämtliche vermuteten Reserven der fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle verbrannt würden. In der Welt, die dann entstünde, wären vielerorts nicht nur schmale Küstenstreifen, sondern grosse Gebiete bis weit ins heutige Landesinnere betroffen.

So käme die französische Westküste entlang des Loiretals rund 300 Kilometer näher an die Schweiz zu liegen. Noch dramatischer präsentierte sich die Lage im Norden Europas. Die Niederlande und Dänemark würden fast vollständig untergehen. Weite Teile Englands und Norddeutschlands lägen ebenso unter Wasser wie die baltischen Staaten.

Unerträglich heisses Afrika

In manchen anderen Weltregionen sähe es nicht minder einschneidend aus: In den USA wären vor allem die südliche Ostküste und der Golf von Mexiko betroffen, Florida ein Fall für die Geschichtsbücher. In Südamerika würden ein Grossteil des Amazonasbeckens und Mündungsgebiete der Flüsse Paraná und Uruguay überflutet. In Asien versänke Bangladesh ebenso in den Fluten wie weite Teile Ostchinas, Indonesiens, Malaysias, Südvietnams und Südthailands. Im Zentrum Australiens entstünde ein grosser See.

Afrika scheint dagegen vergleichsweise wenig betroffen. Allerdings stiege dort die Temperatur in weiten Teilen dermassen an, dass sie nicht mehr bewohnbar wären. Denn im Szenario von «National Geographic» stiege die Durchschnittstemperatur auf der Erde von derzeit 14,4 Grad Celsius auf 26,6 Grad an. Wenn es überhaupt so weit kommt, würde es aber noch sehr lange dauern, bis die Welt komplett eisfrei wäre. 5000 Jahre könnte es laut Wissenschaftlern dauern, bis die heute vorhandenen rund 15 Millionen Quadratkilometer Eis geschmolzen wären. (rub)

Erstellt: 07.11.2013, 12:29 Uhr

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