Was die meisten Schweizer verpassten

Die heutige Sonnenfinsternis war für die meisten Schweizer nicht zu sehen. baz.ch/Newsnet berichtete aus der Sternwarte Falera, wo einem enttäuschten Leiter nur die Hoffnung auf die nächste Finsternis blieb.

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10:30 Uhr: Das Ereignis ist offiziell vorbei. Der Schatten hat die Sicht auf die Sonne wieder komplett freigegeben. In weiten Teilen der Schweiz blieb der Blick auf die Sichelsonne aber verwehrt. Auf dem Säntis kamen ein paar Glückliche in den Genuss des Himmelsschauspiels. Zu sehen war die Finsternis auch in Basel und Teilen der Westschweiz. Im Mittelland, der Zentralschweiz und Graubünden war die Wolkendecke am Morgen meist zu dicht. Besser zu sehen war die Finsternis in Teilen Deutschlands. So lieferte zum Beispiel die Sternwarte Bochum tolle Bilder.

9:40 Uhr: Nochmals Aufregung in der Sternwarte Falera. Nachdem die meisten Besucher wieder abgezogen sind, reisst die Wolkendecke über dem Horizont leicht auf. Die Sonne zeigt sich durch einen dünnen Schleier. Rasch montieren de Quieroz und die verbliebenen Finsternis-Fans die Schutzbrille. «Ich sehe sie, nein ich sehe sie nicht», tönt es durch die Warte. Einige glauben die abgeschnittene Sonne zu erkennen. Andere meinen, das sei nicht die echte Finsternis.

9:10 Uhr: Jetzt ist die maximale Finsternis. Die Sonne wird zu 70 Prozent verdeckt. Zu sehen ist aber praktisch nichts. «Ich habe die Verdunkelung nur ganz leicht wahrgenommen», sagt Sternwartenleiter de Quieroz. Er hatte sich auf den grossen Tag gefreut und jetzt das. «Die Enttäuschung bei mir ist gross.»

De Quieroz zeigt sich enttäuscht.

8:40 Uhr: Entgegen den gestrigen Wetterprognosen reisst die Wolkendecke über dem Bündner Himmel nicht auf. Sternwartenleiter de Quieroz kommt regelrecht ins Schwitzen. Heute ist sein grosser Tag. Viele Besucher kamen hoch in seine Sternwarte - ein vor zirka 5 Jahren gebautes Haus mit Schiebedach. «Jetzt kann ich nur noch beten», so de Quieroz.

Kurz vor dem Höhepunkt der Finsternis zweifelt de Quieroz, ob das Himmelsspektakel überhaupt noch zu sehen sein wird.

8:20 Uhr: Die Sternwartenbesucher haben sich mit Schutzbrille und dick eingepackt für das Sonnenereignis bereit gemacht. Über dem Horizont liegen allerdings Schleierwolken. Laut Sternwartenleiter de Quieroz beginnt der spannende Teil der heutigen partiellen Finsternis kurz nach 9 Uhr. Beobachten kann er die Finsternis nicht mit seinem grössten Teleskop. «Das hat eine so grosse Brennweite, dass ich damit nur einen Punkt der Sonne sehe.» Kleinere Geräte stehen in seiner Sternwarte bereit, um durchs Glas das Spektakel zu verfolgen.

8:00 Uhr: Am östlichen Horizont verfinstert sich der Himmel. Schleierwolken ziehen auf. Sternwartenleiter de Quieroz zittert, ob sich die Finsternis tatsächlich beobachten lässt.

7:40 Uhr: Morgendämmerung über Falera oberhalb Laax. Wir treffen José de Quieroz, den Sternwartenleiter. Minus 11 Grad zeigt das Thermometer, der Himmel ist leicht bedeckt. Um 8:12 sollte es über dem östlichen Horizont losgehen. Dann ziehen die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel.

Um 7:30 Uhr war Sternwartenleiter de Quieroz noch optimistisch.

Im Mittelland sei die Wolkendecke relativ dicht, sagte Adrian Stolz, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Wer die partielle Sonnenfinsternis beobachten wolle, müsse in die westlichen Alpen fahren. Völlig ungestört kann das Naturschauspiel laut Stolz aber auch dort nicht beobachtet werden. Die Chancen auf Löcher im Hochnebel seien aber in der Westschweiz und im Jura am Grössten. Die Sonne ist seit 8.15 Uhr teilweise verdeckt. Der Höhepunkt dürfte gegen 9.15 Uhr eintreten. Gegen 10.40 Uhr ist das Schauspiel gemäss Meteorologe vorbei.

Vorschau

Die Sonne in Mitteleuropa verdunkelt sich am Dienstagmorgen um bis zu 67 Prozent. Die partielle Sonnenfinsternis ist die erste von vier, die sich dieses Jahr weltweit ereignen. Zu sehen ist sie in ganz Europa, in Westasien, im Nahen Osten und in Nordafrika. Hügel oder Häuser können aber die Sicht auf das tiefhängende Gestirn versperren.

Bei Sonnenaufgang ist die Sonne zu rund zehn Prozent von der Mondscheibe überdeckt. Beobachten kann man das gut bei klarem Himmel. Vor allem im Mittelland dürften aber Nebel-­ oder Hochnebelfelder die Sicht auf das Naturschauspiel einschränken, wie Meteonews in einer Mitteilung schreibt.

Oberhalb von 800 bis 1000 Metern über Meer und in den nebelfreien Gebieten seien die Sichtverhältnisse aber trotz hohen Wolken gut, schreibt der Wetterdienst. baz.ch/Newsnet berichtet deshalb fortlaufend aus der Sternwarte Mirasteilas im bündnerischen Falera. Diese liegt 1288 Meter über Meer.

Blick in die Sonne nur mit speziellen Brillen

In der Schweiz setzt sich die Finsternis von Genf aus Richtung St. Gallen fort: Der Höhepunkt ist in Genf um 09.09 Uhr, in Bern um 09.11 Uhr und in St. Gallen um 09.14 Uhr zu beobachten. Die nächste Sonnenfinsternis ist in Europa am 20. März 2015 sichtbar. Dann wird die Sonne zu maximal 70 Prozent verdeckt sein.

Fachleute warnen davor, die Sonnenfinsternis mit blossem Auge zu verfolgen. Noch schlimmer ist es, mit einem Feldstecher oder einem Fernrohr direkt in die Sonne zu schauen. Dies kann ernsthafte Augenschäden verursachen. Geeignet sind spezielle Sonnenfinsternis-Brillen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.01.2011, 00:01 Uhr

Berichteten aus der Sternwarte Falera: Matthias Chapman und Jan Derrer.

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